Griff (Ryan "True Blood" Kwanten) ist auf den ersten Blick ein völlig unscheinbarer, fast schon zu unauffälliger junger Mann, der in einer Großstadt in einem langweiligen Bürojob arbeitet. Dort ist er Zielscheibe des Spotts seines Kollegen, der ihn für schwul hält. Zumal er sonst so gut wie kein sozialen Kontakt hat, außer seinem polternden Bruder, der wegen ihm von Adelaide nach Sydney gezogen ist und der ihm den Job besorgt hat. Doch Griff führt ein Doppelleben: nachts schlüpft er in sein Superhelden-Kostüm und sorgt für Recht und Ordnung in seiner Nachbarschaft. Die Geretteten sind meist weniger dankbar als vielmehr verstört von seinem Aufzug. Eines Tages lernt Griff die neue süße Freundin seines Bruders kennen, Melody (Maeve Dermody), die sich in ihrer Freizeit vor allem bizarren Experimenten widmet, in denen sie die Materie durchdringen will. Melody ist mehr und mehr fasziniert von Griff und entdeckt bald auch sein Doppelleben.
Leon Fords Debütfilm von 2010 lief hierzulande gar nicht im Kino, eine DVD-Veröffentlichung ist bislang wohl auch nicht geplant und in seinem Heimatland Australien verschwand der Film trotz positiver Kritiken schnell aus den Kinos, trotz des prominenten Hauptdarstellers.
Dabei ist "Griff the Invisible" ein kleiner Schatz: eine schräge Mischung aus Comedy, Superhelden-Film, Liebesgeschichte und Drama. Griff ist wirklich und auch buchstäblich unsichtbar und will es auch sein. So geht er jeden Morgen in einem altmodischen gelben Regenmantel aus dem Haus, der vor der gelbgestrichenen Häuserwand, wo sich seine Haltestelle befindet, gar nicht auffällt. Und in seinem Büro ist er den geschmacklosen Witzen seines Kollegen ausgeliefert. Erst die ähnlich isolierte Melody lockt ihn etwas aus seinem Schneckenhaus und mit ihr hat er endlich eine Seelenverwandte getroffen, die am liebsten aus der realen Welt in eine andere Dimension flüchten will. Dabei hilft sie ihm, tatsächlich unsichtbar zu werden. Und dennoch fällt es Griff schwer, sich auf Melody einzulassen - zu sehr hat er Angst, seinen Bruder zu verletzen, der der einzige reale Kontakt zur Außenwelt ist.
Und es gelingt Ford (der auch das Drehbuch geschrieben hat) tatsächlich das Kunststück, das man mit seinen sozial so schwierigen (ja, fast austitischen) Protagonisten mitzufiebern. Helfen dabei tun natürlich die hervorragenden Hauptdarsteller Ryan Kwanten und Maeve Dermlody. Kwanten kennt man primär als Sookie Stackhouses triebgesteuerten Bruder aus "True Blood" und Maeve Dermody ist einfach nur (man entschuldige das altmodische Wort) bezaubernd. Ihre Melody ist ähnlich weltfremd wie Griff, zwar auf eine andere Weise, aber dennoch unglücklich in ihrer täglichen Existenz, in der sie zuhause wohnt und ihre penetrante Mutter sie beständig verkuppeln will.
Somit ist "Griff the Invisible" ein schöner, manchmal merkwürdiger Ausflug in das Gehirn zweier "nerdiger" Außenseiter, die nicht mit ihrer Umgebung klar kommen, aus dieser fliehen wollen und sich dabei irgendwie treffen und ergänzen. Zudem ist das Ganze mit einem großartigen Soundtrack unterlegt, der nie kitschig oder peinlich ist, sondern das Geschehen auf herrliche Weise unterlegt. Irgendwie ziemlich sehenswert!