Review enthält Spoiler!
Eben noch regte ich mich über die FSK auf, wie man einen brillanten Animationsfilm wie "Die Legende der Wächter" auf Kinderniveau herunter kürzen kann und dann wird mir hier SO ein Film präsentiert. Ironclad hat ein FSK 16 Siegel verpasst bekommen, also dachte ich im Vorfeld, ich habe es hier mit einem Mittelalter Film zu tun, der vom Härtegrad eher an Braveheart erinnern wird. Was ich dann zu sehen bekam war Splatter pur! Ich muss ganz ehrlich an dem Verstand der FSK-Leute zweifeln, denn wenn man solch einen Film ab 16 freigibt, der für mich brutaler als die meisten "Spio/JK Filme" war, kann da irgendwas nicht stimmen. Nun kann dieser Film nichts für die schlampige Arbeit der FSK. Was gibt es also über den Film zu sagen? Nun, als Geschichtsfilm betrachtet ist das Ganze hier eigentlich totaler Mist. Ironclad ist genau genommen ziemlicher Trash, wo man jeglichen geschichtlichen Hintergrund ausblenden sollte. Doch irgendwie hat mich der Film fasziniert, denn er hat einen hohen Unterhaltungswert und eine bombastische Kulisse. Die Action ist so brutal, dass es sich kaum in Worte beschreiben lässt, das Ganze wirkt hier beinahe wie eine "Expendables" Version im Mittelalter. Ironclad ist mit Sicherheit kein episches Meisterwerk wie andere Vertreter, aber er wird seine Fans haben und auch ich kann sagen, dass ich mich 2 Stunden gut unterhalten gefühlt habe.
Wir befinden uns in England im 13ten Jahrhundert. Der tyrannische König John wird durch die Magna Carta gezwungen, die Freiheit der englischen Bürger zu gewähren. Dennoch gibt sich der grausame König damit nicht zufrieden und verbündet sich mit dänischen Kriegern, um das Volk erneut zu unterdrücken. Eine kleine Gruppe von Leuten, darunter der schweigsame Tempelritter Marshall, stellen sich jedoch gegen den König und fordern ihn und seiner blutrünstigen Armee zum brutalen Kampf. Mit gemeinsamen Kräften nehmen der geheimnisvolle Tempelritter und seine Leute die Burg von Rochester ein, in der sie sich zur entscheidenden Schlacht gegen den König stellen. Als die Armee des König immer näher rückt, scheint es für die kleine Hand von Rebellen ein aussichtsloser Kampf zu werden.
Kurz und knapp. Die Story kann man eigentlich total vergessen. Was dieser Film an Logikfehler zu bieten hat ist beinahe schon unglaublich, besonders bei den ultrabrutalen Kämpfen innerhalb der Burg kommen diese Fehler beinahe im Sekundentakt. Aber es wirkt fast so, als ob der Film darauf gänzlich pfeift. Er legt keinen Wert darauf eine logische Geschichte zu erzählen und konzentriert sich lieber auf brachiale Action. Diese sind dafür unglaublich gut inszeniert, auch wenn die ein oder andere Blutfontäne etwas zu künstlich aussieht. Regisseur Jonathan English, der bisher nur den bombastisch-schlechten Minotaurus inszenierte, hat hier ein feines Händchen für tolle Action und einem gut aussehendem Mittelalter-Setting bewiesen. Doch von einem Meisterwerk ist dieser Streifen natürlich ganz weit weg, denn es ist leider nun mal Fakt, dass man die Story an sich in der Pfeife rauchen kann. Besonders absurd wirkte das Endergebnis der Finalschlacht, wenn man sich so ansieht, wer alles diese brutale Blutschlacht überstanden hat.
Die Schauspieler machen eigentlich alle durchweg einen guten und soliden Job. Besonders beeindruckend fand ich Paul Giamatti in der Rolle des barbarischen Königs. Es ist wirklich sehr ungewöhnlich, diesen recht sympathischen und auch witzigen Schauspieler in einer solch recht ungewohnten Rolle zu sehen. Sogar in "Shoot Em Up", wo er einen bösen Killer spielt, hat er viele witzige Dialoge parat. Hier jedoch wirkt er extrem kaltblütig und zeigt uns eindrucksvoll, dass er mehr kann als bloß immer eine witzige Figur zu verkörpern. Brian Cox hingegen fand ich hier ungewöhnlich lahm. Er ist eigentlich Jemand, der mehr auf böse Rollen fixiert ist, deswegen steht ihm diese Rolle als Freiheitskämpfer nur bedingt. Überrascht hat mich der Hauptdarsteller James Purefoy, den ich bisher nur aus dem eher schwachen "Solomon Kane" kannte. Er verkörpert eine wirklich angenehme Figur, auch wenn seine Präsenz ein wenig von Russel Crows "Maximus" abgekupfert ist. Etwas gezwungen wirkte hingegen die Rolle von der zierlichen Kate Mara. Es wirkte ein wenig so, als sei sie nur in den Film gekommen, damit es überhaupt einen weiblichen Part gibt. Diese ganze Turtelei zwischen ihr und Marshall wirkte vollkommen deplatziert, zumal es bei einem Film mit solch trockener Action, meiner Meinung nach überhaupt nicht auf solche unnötigen Liebesszenen ankommt.
Große Warnung an alle, die hier ein solch historisches Meisterwerk wie "Ben Hur" oder "Gladiator" erwarten. Ironclad ist wirklich nur für reine Actionfans zu empfehlen, die einfach mal 2 Stunden brutale Action genießen wollen und dabei eine beachtliche Kulisse begutachten wollen. Mir hat es im Großen und Ganzen sehr gut gefallen, obwohl es äußerst viele Stellen gibt, die sehr fragwürdig erscheinen.
Fazit : Die tolle Optik, der überragende Paul Giamatti und die schonungslose Action sind ein echter Hingucker. Die Story schieben wir einfach mal ein wenig nach hinten. Ironclad ist unterhaltsames Popcorn-Kino mit hohem Unterhaltungswert. Und lasst euch nicht vom FSK 16 Siegel abschrecken! Von mir hätte der Film ein klares "Spio/JK" Siegel aufgedrückt bekommen.
7,5/10