Zwischen seiner Pierre-Brice-Dokumentation „Winnetou darf nicht sterben“ und seinem Rückblick auf Edgar-Wallace-Verfilmungen „German Grusel“ drehte der Deutsche Oliver Schwehm im Jahre 2010 einen rund einstündige Biographie über und mit dem britischen Schauspieler Christopher Lee, der seine Karriere im Jahre 1946 begann und auch im hohen Alter noch immer erfolgreich vor der Kamera steht.
Schwehms Film „Christopher Lee - Gentleman des Grauens“ zeichnet Lees Karriere beginnend mit kleineren Nebenrollen und zahlreichen Problemen nach, die spätestens mit seinen Rollen in den Dracula- und Frankenstein-Filmen der britischen „Hammer Film Productions“ durch die Decke ging und den 1,96-Meter-Hünen zunächst zu einem beliebten Genre-Schauspieler machte, der mit der Profanisierung des Dracula-Themas sich jedoch gegen die Festlegung auf diese Rolle erfolgreich wehrte und seither in zahlreichen interessanten Projekten mitwirkt, die auch über den Spielfilmbereich hinausgehen.
Der sechs Sprachen sprechende Christopher Lee brachte eine gewisse Eleganz und Weltgewandtheit ins britische Kino. Er stammt aus gutem Hause, doch statt Arzt, Rechtsanwalt oder dergleichen wird er Horror-Schauspieler und arbeitetet sogar ohne Gage für den ambitionierten Kultfilm „The Wicker Man“. Ein gleich zu Karrierebeginn bei einem Drehunfall zerstörter Finger hielt ihn nicht von seiner Leidenschaft und Berufung ab – und dass Schwehm mit seinem Film das Geheimnis um den stets etwas abgespreizten Finger lüftet, dürften ihm viele detailaufmerksame Filmfreunde danken. Die Dokumentation setzt sich zusammen aus aktuellen wie alten Interviews mit Lee persönlich, Ausschnitten aus zahlreichen Filmen Lees von den Anfängen bis hin zu „Herr der Ringe“ und „Star Wars“, Statements von Tim Burton, Caroline Munro, Roger Moore, Viggo Mortensen sowie seiner Tochter Christina Erika Lee. Man erläutert, wie die Zusammenarbeit mit Tim Burton Lees Comeback einleitete und zeichnet ein sympathisches Bild eines Vollblut-Schauspielers der alten Schule, das spannend und kurzweilig erzählt sicherlich die wichtigsten Karrierestationen abdeckt und auch auf Nebentätigkeiten wie sein Musikprojekt mit der Heavy-Metal-Band „Rhapsody“ eingeht. Man bemerkt den angemessen respektvollen Umgang mit Christopher Lee und seinem Lebenswerk und die Kenntnis Schwehms von der Materie, der auch den einen oder anderen etwas bizarren „Ausrutscher“ in Lees Filmographie nicht unerwähnt lässt.
„Christopher Lee - Gentleman des Grauens“ porträtiert einen Mann und seine Arbeit auf gelungene, interessante, unterhaltsame Weise und macht Lust, sich wieder den einen oder anderen Film dieses faszinierenden Mannes anzusehen. Möge ihm noch ein langes, gesundes Leben beschert sein!