Wenn ein weiteres Sequel sechs Jahre nach dem letzten Teil und zehn Jahre nach dem Erstling erscheint, kann das einen immensen Vorteil bedeuten, denn die Macher könnten darauf hoffen, dass einem großen Teil des Kinopublikums die originale Story nicht mehr gegenwärtig ist und dem Ganzen neuen Schwung verleihen. Leider gingen die Macher dieses Risiko nicht ein, sondern machten einfach nur da weiter, wo Teil 2 aufgehört hatte, abgesehen von kleinen Veränderungen, die dem Zeitsprung geschuldet sind.
Nun könnte man zurecht anmerken, dass die Auseinandersetzungen zwischen der männlichen Krankenschwester Ben Stiller und seinem Schwiegervater und Ex-CIA Agenten Robert De Niro bisher so amüsant waren, dass eine Veränderung gar nicht notwendig wäre, aber "Meine Frau, unsere Kinder und ich" verdeutlicht nicht zum ersten Mal, dass ein Sequel auch dann, wenn es sämtliche bisherigen Darsteller mit ihrer ursprünglichen Charakterisierung wieder aktiviert, trotzdem die Grundidee verrät.
Nur zur Erinnerung - der Witz der ersten beiden Teile entstand aus seinen Tabubrüchen, die darin bestanden, dass die Tochter (Teri Polo) aus bürgerlich konservativem Haus, das von einem Patriarchen und Kontrollfreak (Robert De Niro) befehligt wurde, ausgerechnet einen Mann (Ben Stiller) heiraten wollte, der aus jüdisch-liberalem Elternhaus stammte, ein überschaubares Einkommen als Krankenschwester verdiente und zudem zu Trotteligkeiten neigte. Jack Byrnes sah seine Aufgabe darin, diesen Angriff auf seine Wertvorstellungen abzuwehren, zumal durchaus ein Schwiegersohn (Owen Wilson) seiner Wahl vorhanden war. Doch während der zweite Teil durch die Hinzuziehung der Eltern (Barbara Streisand, Dustin Hoffman) des unerwünschten Eindringlings noch zusätzlichen Konfliktstoff erhielt, fehlt Teil Drei diese Komponente, denn Gaylord Focker hat längst bewiesen, dass er die richtige Wahl gewesen ist.
Dass Jack Byrnes am Ende - im Glauben, sein Schwiegersohn hätte seine Tochter betrogen und verfüge zudem nicht über ein ausreichendes Einkommen - sogar den Vorschlag macht, die Schwiegersöhne einfach auszutauschen, ist ein veritabler Verrat an seinen Grundüberzeugungen und macht deutlich, dass hier nur noch künstliche Konflikte gepflegt werden. Seinen beiden fünfjährigen Enkelkindern den leiblichen Vater zu nehmen, wäre ihm im ersten Teil kaum über die konservativen Lippen gekommen, aber in "Meine Frau, unsere Kinder und ich" dürfen die Charakterunterschiede nur noch für üblichen Komödienstoff herhalten.
Deutlich wird das besonders an der einzigen echten neuen Figur, die der Film aufbietet - die attraktive Medikamenten-Vertreterin und Ex-Krankenschwester Andi Garcia (Jessica Alba). So sehr sie sich auch Ben Stiller an den Hals schmeißt, so wenig gerät dieser in Versuchung. Betrachtet man die beiden ersten Teile, wird deutlich, dass sie - trotz aller Zuspitzung - gerade von ihrer Nachvollziehbarkeit im Handeln der Protagonisten lebten. Doch anstatt Gaylord Focker einen Moment lang mit dem Gedanken an die leibliche Versuchung spielen zu lassen, was einen echten Konflikt hervor gerufen hätte, wird hier nur das alte Lied tausender Verwechslungskomödien gesungen, in denen das Unschuldslamm Opfer falscher Verdächtigungen wird.
Das der Film nicht völlig in der Beliebigkeit untergeht, ist den durchweg guten Darstellern zu verdanken, die zumindest im Detail die alten Qualitäten aufblitzen lassen, abgesehen davon, dass es notwendig ist, die beiden ersten Teile zu kennen, um die jeweiligen Rollen richtig einordnen zu können. Wie sehr dabei mögliche Chancen vertan werden, bleibt aber mindestens genauso in Erinnerung, etwa wenn ein sich anbahnender Streit zwischen dem Schwiegervater und dem hemdsärmeligen Bauleiter (Harvey Keitel in einer kleinen Gastrolle) auf Fockers Baustelle, nur im albernen Verwechseln von Handbremse und Kippfunktion in einem Lastwagen endet. Das entbehrt nicht nur jeder Originalität, sondern lässt schmerzlich die Bissigkeit der ersten Teile vermissen.
Wer von "Meine Frau, unsere Kinder und ich" eine harmlose, oberflächliche Unterhaltung erwartet, unterbrochen von kurz aufflackernden Momenten, in denen Stiller und De Niro in gewohnter Form aneinander geraten, wird nicht enttäuscht werden (4,5/10).