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Johnny Depp spielt einen amerikanischen Touristen, der in einem Zug zufällig auf eine mysteriöse Frau, gespielt von Angelina Jolie, trifft. Plötzlich wird er von der Polizei und ein paar Gangstern verfolgt, da man ihn für den Geliebten der Frau hält, der wiederum alles andere als ein unbeschriebenes Blatt ist.

Nach "Das Leben der Anderen" lag die Filmwelt Florian Henckel von Donnersmarck praktisch zu Füßen, wie kaum einem anderen deutschen Regisseur. Im Inland hätte er machen können, was immer er will und auch in Hollywood wollten ihn viele für ihre Projekte gewinnen. Umso mehr drängt sich die Frage auf, warum er ausgerechnet die Regie dieses Remakes übernommen hat, das auch dem Nichtkenner der Vorlage "Anthony Zimmer" wenig Neues zu bieten hat.

So ist die Story zwar nicht schlecht konstruiert, aber auch nicht derart gut und wendungsreich, dass sie ausreicht, um den Film zu tragen. Vielmehr erweckt das Ganze von Anfang an den Eindruck vollkommener Durchschnittlichkeit und entwickelt sich auch weiterhin in die Richtung eines innovationslosen Starvehikels. Dass das Remake dadurch letztlich kaum überflüssiger sein könnte, ergibt sich von selbst. Das Verwirrspiel hat zum Ende hin durchaus die eine oder andere überraschende Wendung, die Twists zünden letztlich aber nicht richtig. Dies ist vor allem Donnersmarcks allzu ruhigem, trägen Erzählstil geschuldet, der einfach zu spannungsarm daherkommt, als dass der Film wirklich zünden könnte. Auch beim finalen Twist, der durchaus für Film und Zuschauer einiges zum Positiven hätte wenden können, bleibt der große Paukenschlag leider aus, weil Donnersmarck zu unaufgeregt an die Sache herangeht und sich überraschend schwer damit tut, die Geschichte spannend und interessant zu erzählen.

So plätschert das Geschehen gemächlich dahin mit soliden Dialogen zwischen recht profillosen Charakteren. Donnersmarck verspielt dabei gleich mehrfach die Chance, den Unterhaltungswert zu steigern, so sind die Actionszenen sehr rar und darüber hinaus ebenfalls alles andere als spannend in Szene gesetzt und auch amüsante Momente stellen eher eine Seltenheit dar. Damit bleibt letztlich ein halbwegs solider Unterhaltungswert, aber kein Grund, sich "The Tourist" im Kino zu Gemüte zu führen.

Inszenatorisch ist Donnersmarcks Arbeit - und auch dies ist letztlich enttäuschend - unauffällig. Das einzige, was an seinem Werk wirklich ansehnlich geworden ist, sind schöne Aufnahmen von Venedig, die durchaus für das eine oder andere zu entschädigen vermögen; überhaupt hat "The Tourist" durchaus Stil, aber Geschmack und Eleganz sind eben nicht alles. Störend ist dabei zudem, dass Donnersmarck seine Hauptdarstellerin allzu oft in Szene setzt. Am laufenden Band wird Jolie ikonenhaft ins Bild gerückt, womit der Regisseur seiner Darstellerin letztlich aber keinen Gefallen tut, weil sie so nie wirkt, als sei sie in ihrer Rolle, sie bleibt einfach sie selbst. Dies hat zur Folge, dass Johnny Depp neben ihr untergeht und zur Begleiterscheinung degradiert wird. Einen blasseren Depp hat man selten gesehen, überhaupt stimmt die Chemie zwischen den beiden Hauptdarstellern nicht so recht.

Fazit:
Ein paar stilvolle Bilder und eine solide Story mit überraschendem Abgang allein reichen nicht aus, um eine starbesetzte Hollywoodproduktion von einem durchschnittlichen "Tatort" abzuheben. Denn letztlich ist "The Tourist" allzu träge erzählt und damit nicht sonderlich unterhaltsam, während die Chemie zwischen Jolie und Depp auch nicht so recht stimmt.

48%

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