Das der Slasherfilm in den 80er Jahren einen seiner Höhepunkte hatte, weiß ein jeder, der sich mit dem Genre auskennt. Vom brutalen Schlachterstreifen bis zum atmosphärischen Schocker, vom lauten Traumkiller bis zum stummen Messermeuchler, das Genre hat wirklich so einiges ausgespuckt, was man für kleines Geld so machen kann und dabei auch noch allerhand Feiertage verwurstet, abgesehen vielleicht einmal vom Osterfest. Doch nicht jeder Slasherstreifen ist auch wirklich ein Slasher, selbst wenn er uns als solcher verkauft wird. "Todesschrei am Telefon" ist einer dieser Filme.
Wenn man sich Dokus über Slasher anschaut oder einschlägige Berichte dazu liest, wird "Don't answer the Phone" gerne mit erwähnt. Auf den ersten Blick auch verständlich, klingt die Story doch erst einmal danach. Ein Killer ist unterwegs der reihenweise Frauen um die Ecke bringt. Und nicht nur dass, nach den Morden vergeht er sich auch noch an ihnen, fotografiert sie und hat auch sonst so allerhand perverses Gedankengut parat. Doch die Polizei ist ihm schon auf den Fersen... Ja ein Killer ist unterwegs und mordet, also muss es wohl ein Slasher sein. Weit gefehlt, denn hier haben wir es eher mit einem Krimi zu tun, wenn auch mit einem der härteren Sorte.
Spannend geht es dabei nicht wirklich zu, denn der Killer wird dem Zuschauer von Anfang an vor Augen geführt und die Jagd nach ihm ist auch nicht wirklich spektakulär. Anders jedoch als in einem Slasher ist der Psychopath hier nicht am sinnlosen Gemetzel interessiert, sondern er hat es ganz speziell auf das weibliche Geschlecht abgesehen und lebt an ihnen seine unterdrückten perversen Fantasien aus. Dabei wird es nicht sonderlich blutig, nicht sonderlich kreativ (es wird eigentlich durchweg fast nur erdrosselt) und zudem auch nicht sonderlich atmosphärisch, wenngleich das Gezeigte für zarte Gemüter dennoch mitunter sehr hart anzusehen ist.
Der Film verfolgt dabei im Grunde zwei Handlungsstränge. Zum einen verfolgen wir den Killer auf der Suche nach immer weiteren Opfern, ähnlich wie bei "Maniac" ist der gestörte Psychopath von Anfang an die Hauptfigur, und wie er seine Triebe auslebt eines der Hauptaugenmerke des Films. Die andere Seite bildet das Geschehen die Polizisten und deren jagt nach ihm ab, rutscht dabei jedoch nicht selten in Nebensächlichkeiten ab und wirkt somit nicht selten merkwürdig unpassend in dem ganzen Geschehen. Das sich die Polizei und der Killer am Ende treffen ist dabei von Anfang an abzusehen, selbst wenn der Weg dahin nicht selten merkwürdig umständlich wirkt.
Zudem will sich der Film als Aufzeiger der "Bestie Mensch" ansehen lassen aber auch das funktioniert nur selten wirklich gut. Und das liegt dabei nicht einmal am Hauptdarsteller, denn Nicholas Worth macht seine Sache doch recht ordentlich, wenngleich er kein zweiter Joe Spinnell ist. Aber wie sich seine Figur hier abbildet, glaubt man kaum, dass diese Figur als die Bestie anzusehen ist, die angeblich in jedem von uns schlummern kann. Irgendwie wirkt der Killer nicht selten als reines Aufhängprodukt so manch perverser Ideen der Macher, welche man dann aber lieber doch nicht dem Zuschauer in Gänze zeigen will, es aber auch nicht schafft, diese in den Gedanken des Zuschauers verpflanzt zu bekommen. Lieber dürfen wir all die Opfer mit entblößter Oberweite sehen, um den nötigen Tittenfaktor dieser kleinen dreckigen Filme ordentlich hochzuhalten.
Und damit sind wir eigentlich genau bei dem angekommen, was nun "Don't answer the Phone!" letztendlich ist, dessen Titel zudem sehr irreführend ist. Denn auf das beantworten von Telefonaten die zum Tode führen kann man hier noch länger warten als in "When a Stranger Calls", sieht man vielleicht mal von der Eröffnungssequenz ab, die aber auch eher als Anbiederung an den Titel zu sehen ist, als um das wirkliche Aufzeigen, worum es in dem Film geht. Und auch die gerne angesprochenen Telefonate mit einer Psychiaterin sind eher seltener Natur.
Nein, "Todesschrei am Telefon" ist nichts anderes als ein kleiner, dreckiger Psycho-Krimi mit einigen harten Szenen, einiger nackter Haut, einem guten Hauptdarsteller und mit viel von dem Dreck und Schmuddel, den es vor allem so im Grindhouse-Kino der 70er- und 80er zu Hauf zu sehen gab. Wer sich darauf einlassen kann, der dürfte sich 95 Minuten lang einigermaßen unterhalten fühlen, wer auf blutigen und/oder atmosphärischen Horror gewartet hat oder den Einblick in eine kranke Seele, der dürfte aber enttäuscht werden. Ein recht brutaler Schmuddelkrimi für zwischendurch, nicht mehr und nicht weniger.
Wertung: 5/10 Punkte