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Prequel zu und Abbild von The Flirting Scholar [ 1993 ], einem der in der damaligen Epoche im Einspiel erfolgreichsten Filme, welcher selbst für den verwöhnten Stephen Chow und seine kommerzielle Hochphase neue Maßstäbe schuf, stilbildend für die Gattung wirkte und hier in der überkommenen Gestalt neu erweckt wird. Dabei lässt der erneut engagierte Regisseur und langjährig ehemalige Chow-Mitarbeiter Lee Lik-chi nach einer künstlerischen Pause die verwehte Erzählkunst nur zu Teilen, wie im Versuch, nicht gleich in der Vollendung wiederauferstehen, aber erschafft in der Verwertung ehemaliger Erkenntnisse zumindest abermals den Zugang zu einer eigentlich längst vergangenen period piece Wunderwelt. Auffällig in der Veränderung und mit als eher wenig diplomatischer Pluspunkt ist dabei, dass gerade durch den Einfluss des momentanen Kulturkampfes die ehemalig ironische und völlig in sich aufgelockerte Stimmung nunmehr in zuweilen durchaus aggressivere Tendenzen in gleich mehreren Belangen ins Schattenhafte umgekippt wird.

Anders als noch im Original und auch dem einst als Fortsetzung mit dem selben Alternativtitel verkauften, von einem komplett anderen Drehteam produzierten Kung Fu Scholar [ 1994 ] ergeht man sich hier nicht rein in einer großen Liebesgeschichte, die im Nichts aus Albernheiten und Absurditäten immer auf der ausschließlich harmlosen Verlachebene geführt wird. Mord und Totschlag sind in der vergröberten Fassung sicherlich nicht an der Tagesordnung, treten aber mehrmals auf und werden auch zunehmend durch dergleichen geartete Settings und Bild- und Tonkomplexe vervollständigt, die dem anfänglich gewohnten Allerlei aus prosanahen Erinnerungsblatt, gestelzter Kommunikation und mimisch übertriebenen Rollenspiel bald den Garaus machen:

Ming-Dynastie. Jiangnan.
Noch unter der Fuchtel des Elternhauses und speziell seiner Mother Bo [ Mimi Chu ] stehend, hat der junge Tang Bofu [ Huang Xiao-ming ] zwar anders als seine die "Four Great Scholars" vervollständigenden Freunde Xu Changgu [ Richie Ren ], Zhu Zhisan [ Natalis Chan ] und Man Ching-min [ Zhou Libo ] zwar keine Geldsorgen, muss sich allerdings vielfältig mit den Lehrbüchern herumschlagen. Eigentlich zur Bildung auf die Imperial Exam School im Clear Wind Temple geschickt, entdeckt er dort und in der Umgebung nicht nur die geheimnisvolle Schaustellerin Qianqian [ Zhang Jingchu ], die es ihm sofort angetan hat, sondern muss sich auch mit den "Four Rich Scholars" um [ Cheung Tat-ming ], Geisterbeschwörungen und schließlich dem heimlich einen Prostituierten- und Sklavenhandel antreibenden Master Venerable [ Louis Fan Su-wong ] herumschlagen.

Im Zuge einer Reihe von unzweifelhaft die besseren Zeiten beschwörenden und auch vorübergehend für einen Moment auch in diese alltagsferne Urlaubswelt lockenden Komödien im Historischen Detail wie die bereits passierenden On His Majesty's Secret Service, Tracing Shadows, All's Well Ends Well 2010 und die parallel im Dreh befindlichen Adventure of the King und God of Fortune Inn gesetzt, bedient man sich in dem theatralischen Maskenball unzweifelhaft der profanen Mittel überlieferter Legenden. Hatten die Vorgänger schon wenig mit den Geschehnissen um den historisch verbürgten Dichter, Maler, Kalligraphen und Poeten Tong Pak Fu [ 1470 - 1523 ] zu tun, so weicht man nun konkret in die mystische Verherrlichung aus; ein Märchen mit teils dunkler Herkunft in der Rahmen-, aber viel Schabernack und somit viel Aufhellung in der Binnenhandlung.

Dabei ist die Dramaturgie von dem Künstler, der zugleich Liebender und dann auch Kämpfender ist, über weite Strecken wie gewohnt in der altmodischen Situationsmalerei gehalten, sich am Leben fern von Technik und Fortschritt und an der Zivilisation ohne zur Arbeit hetzende Menschenmassen und um sich drängenden Leibern erfreut. Auch außerhalb eines Laternenfestivals, an dem die Gaukeleien die Umstehenden vergnügen, wird sich bis zur Aufdeckung der Verschwörung hinter der Fassade an dem offensichtlich Schönen und Edlen und der von dort entnommenen laissez-faire Atmosphäre fern jeder Tatenfülle ergötzt. Ein eigentlich belangloses Vor sich her - Existieren samt volksbräuchlichen Sang-, Tanz- und Rezitiereinlagen, in dem die Zeit neben dem Studium mit Mädchen nachjagen und Streichen spielen gedeckt und ansonsten völlig vogelfrei in die Idylle hineingelebt wird.

Optisch lange Zeit weich und schmuck mit den traditionellen Accessoires um wallende Gewänder, begrünten Teegärten und prunkvollen Holzbauten auf knappen geographischen Rahmen im bunten Kaleidoskop gehalten, werden auch die wenigen Vor-Ereignisse zuerst im gemächlich-biedermeierlichen Ton und wie ohne bewussten Gestaltungswillen geformt. Konkret wird man nur in der pointierten Neuformulierung eines Sketches aus Winners & Sinners, der mehrere Minuten farcenhafter practical jokes in Beschlag nimmt, sowie in der bemühten Nachstellung von Chows Mechanismen samt seiner witzigweisen Sprach-, Mimik- und Gestikverdrehungen, die sein Nachfolger Huang Xiao-ming allerdings wie das gesamte Umfeld nur mit mäßigen Esprit vortragen kann; eine nicht zu überwindende Tatsache, die durch zahlreiche Störungen während des Arbeitsprozesses noch zusätzlich mit Schwierigkeiten auferlegt wird. Beschwerden des Hauptdarstellers bei dem ebenfalls extra hierfür aus dem Ruhestand zurückgekehrten Produzenten Jimmy Heung bezüglich eines Trimmens gerade seiner humoristischen Aufgaben zugunsten einer Potenzierung der dramatischen Illusion in Richtung von Tsui Harks gefühlstiefen Liebesdrama The Lovers [ 1994 ], dem ungern gesehenen Anstieg des Budgets von geplanten 50 auf 65 Millionen RMB [ insgesamt etwa 9,8 Mio USD ] und ein obendrein entbrennender, bald in die gegenseitige Ächtung übergehender Streits aufgrund unterschiedlicher Ansichten den Grundton des Filmes betreffend, veranschaulichen sich in der zunehmenden Identitätsverwirrung und Unausgegorenheit des Stoffes.

Karikaturistisch überzeichnet und ohne das notwendige Feingefühl sind auch die weiteren Methoden, bei denen man sich mit einer ganzen Palette aus Wortspielen über den einen wie auch einen gegenteiligen Sinn, verbalen Anzüglichkeiten, physischen und physiognomischen Verunstaltungen, comicartigen Übertreibungen, schlichten Kontrasten aus Aktion und Reaktion und der Verankerung der aktuellen Zeit in die mediale der Vergangenheit um ein offenes Lächeln beim Publikum bemüht; mit vereinzelt positiven und auch an den Kinokassen gerade noch glimpflichen Ergebnis.

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