Review

ACHTUNG! SPOILER!

„Asien - Heimat, Paradies und Hölle für mehr als 2,5 Milliarden Bewohner. [...] Shocking Asia!? - oder nur eine andere Welt der Vorstellungen und Normen, die uns deshalb fremd sind, weil uns heterogene Gewohnheiten und Musterbilder anerzogen wurden?"
Gleich mehrere namentlich nicht genannte Erzähler erfreuen den Zuschauer dieses Films in den folgenden 85 Minuten mit weiteren wohlfeilen Weisheiten dieser Güte.
SHOCKING ASIA, ein Mondo-Film von „Emerson Fox", machte vor allem durch die detailliert und ausführlich Dokumentierte, sehr blutigen Sex-Change-Operation auf sich aufmerksam, die ähnliche Bilder aus Filmen wie z.B. „Let Me Die a Women" ausgesprochen harmlos erscheinen lässt. Neben dieser längeren Sequenz, für deren Betrachtung ein stabiler Magen durchaus von Vorteil ist, erscheinen die restlichen Bilder dieser „Schockumentation" zumeist eher belanglos, zumal vieles auch schon aus anderen Filmen dieses traditionsreichen Sub-Genres bekannt ist. Im Unterschied zu vielen anderen Mondo-Filmen sind in diesem Werk die meisten Szenen allerdings nicht gestellt.

So zeigt auch dieser Streifen die immer wieder gerne herangezogenen Bilder von religiösen Läuterungsritualen, bei denen sich Menschen in Trance oder unter Hypnose mit allerlei Gerätschaften ihre Körper malträtieren und durchbohren. Verglichen damit nimmt sich Bodypiercing wie eine alberne Kinderei aus.
Bei den asiatische Essgewohnheiten die hier vorgestellt werden, geht es vor allem um den Verzehr von vermeintlich potenzsteigernden tierischen Organen, wobei die eher unappetitliche Sequenzen überwiegen. Die letztlich spekulative und sensationslüsterne Intention des Films wir hier vor allem deutlich durch die Szenen, in denen ausführlich gezeigt wird, wie etliche Tiere unter Qualen bei lebendigem Leibe zum Verzehr verarbeitet werden. Als eine Art Feigenblatt und um dem ganzen einen seriösen Anstrich zu geben werden dann vom Kommentator auch schon mal angesehene Literaten und Philosophen mit kritischen Worten zitiert, wie hier der Schriftsteller und Tierschützer Romain Rolland: „Wenn der Mensch so viel leiden schafft, welches Recht hat er dann, sich zu beklagen, wenn er selbst leidet?"

Eher witzig nimmt sich dagegen eine „Kunst-Performance" aus, bei der Japaner, zum Teil mit Hitler-Bärtchen, in Naziuniformen und mit Hakenkreuz-Flaggen auf offener Straße exerzieren, um mit ihrem „albernen, martialischen Gehabe böser Teutonen" für eine „sadistische Nazi-Cabaret Show" Werbung zu machen.

Beim Frauen-Catchen in Japan wird vor allem auf die besondere Brutalität der Kämpferinnen hingewiesen, und als anschließend eine Veranstaltung mit kleinwüchsigen Catchern gezeigt wird, dürfen wir folgenden Kommentar zu Kenntnis nehmen: „...und wenn dann erst die kleinen Monster auftreten, die missgestalteten Zwerge...erlebt der Zuschauer ein echtes Volksvergnügen!"

Und natürlich geht es in SHOCKING ASIA auch um das Thema Nr.1: Sex!
Zu den „asiatischen" Sexualpraktiken, die hier Illustriert werden gehören Bondage, Sado-Maso-Spielchen und sonstiger erotischer Frohsinn, wobei die Bilder zum Teil nur noch wenig der Phantasie überlassen. In Japan wird die Veranstaltung eines „Sex-Festivals" dokumentiert, bei dem ein Peniskult im Mittelpunkt steht (no pun intended), und auch der Besuch in einem schrillen Sex-Museum, begleitet von entsprechend süffisanten Erläuterungen, bleibt dem Zuschauer nicht erspart.

Der Kommentar trieft in weiten Teilen des Films nur so vor Zynismus, Rassismus, Überheblichkeit, spießiger Verklemmtheit und einer scheinheiligen Doppelmoral, dass es nur so eine Freude ist. Da heißt es u.a.: „...[das] die rücksichtslose Brutalität gegenüber den Geschöpfen der Natur charakteristisch für die meisten Asiaten ist und ihrem irrationalen Verhältnis zu Schmerz, Tod und Jenseits entspringt." Und weiter: „Liegt es möglicherweise an unterschwelligen, sadomasochistischen Instinkten, wenn den Japanern [...] eine gewisse Neigung zur Brutalität nachgesagt wird?"
Zu Bildern indischer Schlangenbeschwörer wird vom „Gedudel der primitiven Flöten" gesprochen, und so geht es lustig weiter.

Möge sich jeder selber einen Reim darauf machen, welche Intentionen die Produzenten dieses Filmes verfolgten (was nicht allzu schwer fällt). Die Versuche, dem Ganzen an einigen besonders drastischen Stellen durch pseudo-kritischen Ausführungen einen seriöseren Anstrich zu geben, gehen jedenfalls gründlich daneben.
Der Filmdienst schreibt u.a.: „...dieser Dokumentarfilm [entwickelt] sich zu einer ekelerregenden Aneinanderreihung von Sadismen und Perversitäten, denen man die Manipulation zunehmend ansieht."

Soll also keiner behaupten, er wäre nicht gewarnt worden...!

Ein Film wie SHOCKING ASIA offeriert letztlich eine fragwürdige Form von „Unterhaltung", die allein auf die Sensationsgier eines leichtgläubigen Publikums spekuliert und dabei unter dem Deckmantel der Seriosität schamlos das Leid von Menschen und Tieren ausbeutet.

Trotz zahlreicher zu Rate gezogener Quellen konnte im Übrigen nicht verifiziert werde, in welchem Jahr der Film produziert wurde. Häufig wird der Film auf 1974 datiert, aber auch 1976 wird mehrfach genannt. Am wahrscheinlichsten ist jedoch, das der Film im Jahre 1980 fertiggestellt wurde. Der Copyright-Eintrag auf dem Filmprint selbst lautet MCMLXXXI. Sicher scheint hingegen das Datum der deutschen Uraufführung zu sein, die am 24.09.1981 stattgefunden hat (FSK: 18).
Auch bei der Laufzeit gibt es abweichende Angaben. Die IMDb und andere Quellen geben eine Länge von 94 Minuten an. Bei Filmportal.de wir die Länge des Films mit 2445 Metern angegeben, was einer umgerechneten Laufzeit von 89:22 Minuten entspricht. Die deutsche VHS Fassung läuft 85 Minuten und 30 Sekunden (PAL), umgerechnet sind das ca. 89 Minuten.

In Form einer „Resteverwertung" wurde 1985 unter dem Titel „Shocking Asia II" eine erste Fortsetzung auf das begeisterte Publikum losgelassen, bei dem ebenfalls „Emerson Fox" für Regie und Drehbuch verantwortlich war.

Der Österreicher Rolf Olsen (eigentlich: Rudolf Knoblich) (1919 - 1998), der sich hier hinter dem Pseudonym „Emerson Fox" verbirgt, war ein umtriebiger Darsteller und Regisseur des „deutsch/österreichischen Belustigungskinos der 50er und 60er Jahre" (Filmdienst), der zahlreiche Filme inszenierte und dabei vor kaum einem Genre zurückschreckte. Er drehte Western, Komödien, Sexfilme, Krimis, darunter viele Klamotten und Trash-Granaten. „Der letzte Ritt nach Santa Cruz" (1963), „In Frankfurt sind die Nächte heiß" (1966), „Wenn es Nacht wird auf der Reeperbahn" (1967), „Das Rasthaus der grausamen Puppen" (1967), „Blutiger Freitag" (1972) sind nur einige der Filme, bei denen er Regie führte. Die IMDb listet 35 Regiearbeiten und 67 Credits als Darsteller. Für viele seiner Filme, aber auch für andere Produktionen, schrieb er das Drehbuch, insgesamt 55 laut IMDb (alle Zahlen Stand: März 2021) Zudem war seine Frau, die Schauspielerin Ilse Peternell häufig unter den Darstellern in seinen Filmen zu finden. Bei SHOCKING ASIA fungierte sie als Regieassistentin.
Das wenig schmeichelhafte Urteil von Kay Weniger lautet: „Olsen war ein Massenfilmer ohne ausgeprägten Sinn für Timing, Qualität und Geschmack."*

*Kay Weniger: Das große Personenlexikon des Films; Sechster Band; N - R, Seite 63  
 

Details
Ähnliche Filme