Voodoo kennt man am ehesten aus Haiti, wenn weißbärtige Priester mit weit aufgerissenen Klüsen Nadeln in kleine Puppen stecken und ihre realen Opfer damit schwer verletzen oder töten, ohne überhaupt in deren Nähe zu sein.
Das Prinzip funktioniert natürlich auch beim stinknormalen Slasher im Umkreis einer Uni, nur fehlt dem Ganzen, bis auf die originelle Grundidee, die Raffinesse um sich von der passablen Masse abzuheben.
Ben und sein älterer Bruder Marcus haben sich zwei Jahre, nach dem Unfalltod ihres Vaters, nicht mehr gesehen. Als Ben eine ominöse Kiste von seinem Vater erbt, weiß er zunächst noch nichts damit anzufangen. Doch am darauf folgenden Morgen ist die Box verschwunden und von da an dezimiert sich rasch sein Freundeskreis…
Der australische Regisseur John V. Soto bringt seine Geschichte stets auf den Punkt und verlässt sich vor allem auf die Ableben, die teilweise herb in Szene gesetzt sind.
Anbei gelingt es ihm, eine interessante Entwicklung der Brüder einzubinden, denn von totaler Ablehnung seitens Ben angefangen, müssen sich die beiden zusammenraufen, während Marcus als Polizeifotograf ein paar Zutritte erhält, die den Recherchen zugute kommen.
Das obligate Love Interest ist da weitaus weniger interessant und auch das Ratespiel um den Drahtzieher hinter den blutigen Ritualen gerät er beliebig, denn früh ist erahnbar, dass das Motiv auf Bens Vater zurückzuführen ist.
Leider inszeniert Soto die Sterbeszenen nicht konsequent hart, was bedeutet, dass einige Opfer nur gefunden werden, die einige Entstellungen aufweisen. Besser und vor allem spannender sieht die Sache aus, wenn die unbekannte Person die Puppe aus Wachs in den Händen hält, einen glühenden Stab einführt oder auch mal einen Unterarm abbricht, was sich parallel in die Realität bei den Opfern umsetzt und zuweilen herrlich fies ausschaut, zumal um die Todgeweihten herum niemand ist, der das Schicksal unmittelbar abwenden könnte, - also anders als beim gängigen Slasher, bei dem der Killer ein Angriffsziel bietet.
Im Mittelteil gerät das Sammeln diverser Hinweise ein wenig fahrig und nimmt Drive aus dem Geschehen, vor allem, als man klischeebedingte Stationen abklappert, wie eine Hinterbliebene in der Psychiatrie oder ein Archiv durchstöbert.
Auch die Zahl der wirklich blutig in Szene gesetzter Ableben lässt zum Ende hin deutlich nach, lediglich der Showdown deutet an, dass an der Stelle möglicherweise das Budget knapp wurde, denn das Finale wirkt im Kontext doch etwas zu abrupt und oberflächlich abgehandelt.
Darstellerisch kann man sich auf die frischen Gesichter verlassen, es sind brauchbare Mimen von denen Travis Fimmel als Marcus am ehesten punkten kann, da seine Figur recht ambivalent angelegt ist und am Rande ein paar auflockernde Sprüche herumkommen.
Auch sonst weiß Soto gekonnt mit Licht und Schatten zu spielen und unterlegt die Chose mit einem fast hypnotisch wirkenden Score, der am Rande für mystische Momente sorgt.
Schließlich können sich auch die wenigen Effekte sehen lassen, wie der Reihe nach explodierende Strahler oder die Box an sich, die im ersten Moment unweigerlich an „Hellraiser“ erinnert.
Soto hat seinen Okkult-Slasher recht straight und somit unterhaltsam in Szene gesetzt. Er hält sich selten mit Nebensächlichkeiten auf und gestaltet den Vorlauf bis zum ersten Ableben interessant genug, um mit den Figuren warm zu werden und auch die ersten Dahinsiechen liefern Splatterfreunde ordentliches Material.
Zum Ende hin bleibt die Inszenierung leider nicht so konsequent, sondern bietet einen eher austauschbaren Showdown, der dennoch ein paar halbwegs spannende Konfrontationen beinhaltet.
Kein Überflieger, aber passables Futter für Freunde des Slashers.
6 von 10