Der australische Geowissenschaftler Jack Tate (Michael Shanks) ist ein richtiger workaholic: Selbst die wenige Freizeit verbringt er statt mit Frau und Tochter lieber mit Berechnungen vor seinen Computern - kein Wunder, daß eine Scheidung bevorsteht. Gerade als der deswegen geknickte Jack in Zukunft mehr Zeit mit seiner Familie zu verbringen verspricht, wird ein Forschungsschiff seines Dienstgebers ICRO von einer durch ein Loch in der Ozonschicht hereinströmenden Kaltfront geradezu schockgefrostet. Diese eisige Wand bewegt sich nun kaum bemerkt auf die australische Küste zu, und Jack hat alle Hände voll zu tun, Bürgermeister und Verwandte von der drohenden Gefahr zu überzeugen, während Töchterchen Naomi nichtsahnend am Strand surfen gegangen ist...
Diese eigentlich trashlastige Katastrophenfilmthematik mit einer neuen drohenden Eiszeit wurde von Regisseur Brian Trenchard-Smith, in dessen Schaffen sich einige Exploitation-Streifen finden, hier in erstaunlich professioneller Weise umgesetzt - mit einer kurzen Einführung des Hauptdarstellers und dessen Familie beginnt mit der aus der Schiffs-Klimaanlage hereinströmenden tödlichen Kaltluft schon sehr schnell der Einstieg in das Wetterphänomen: Durch menschenverursachte Umweltverschmutzung ist ein Loch in der schützenden Ozonschicht entstanden, durch welches an die 100 Minusgrade kalte Luft auf die Erde stürzt und alles gefriert, was sich in dessen Ausbreitungsradius befindet. Unaufhaltsam bewegt sich diese Wolke, die sich CGI-technisch ähnlich dem Nebel aus The Fog - Nebel des Grauens ausbreitet, aufs australische Festland zu. Damit aber nicht genug, später reißen Ozonlöcher über Tokyo, London etc. auf und verursachen tausende Kältetote. Der Vorstandsvorsitzende der ICRO (International Climate Research Organisation, ein fiktives Institut, für das extra ein Logo entworfen wurde) setzt auf geballte militärische Power, indem zunächst Raketen abgefeuert werden, die das Ozonloch schließen sollen, was aber, wie von Jack vorhergesagt, nur einen geringen Effekt hat. Seinen Berechnungen wird erst später Glauben geschenkt - dann treiben in konzertierten Aktionen ganze Armadas von Ballons in die Atmosphäre, und endlich schließen sich die Ozonlöcher wieder...
So wichtig die Umweltthematik mit Ozonloch und selbstverschuldeten Wetterphänomenen auch heute (wir schreiben das Jahr 2019) ist, so wenig freilich halten die physikalischen Voraussetzungen des filmischen Katastrophen-Szenarios auch nur irgendeiner Überprüfung stand: Zum einen würde sich die hereinstürzende Kaltluft recht bald erwärmen und jedenfalls (in Abhängigkeit von der nachströmenden Kälte) nicht ungebremst/ungekühlt über das Festland rollen (die Druckverhältnisse noch gar nicht berücksichtigt); zum anderen wäre gerade dann die Erzeugung von Flammen/Hitze am Boden vonnöten, um die Ausbreitung zu stoppen - stattdessen setzt man auf Raketen bzw. Blitze in großer Höhe, nämlich unterhalb der Ozonschicht. Daß diese Aktionen erstaunlich zeitnah erfolgen (als wäre man auf so etwas schon vorbereitet gewesen), ist zumindest verwunderlich, daß das US-Militär vom Chef einer Klimaforschungsgesellschaft Anweisungen erhält, nahezu unmöglich und daß dann, nachdem der erste Versuch kein überzeugendes Ergebnis zeitigte, das weitere Vorgehen ausschließlich auf die Berechnungen eines einzelnen Forschers (nämlich Jack) setzt, schlicht blühende Drehbuch-Phantasie.
Zu den weiteren Ungereimtheiten zählt auch die einleitende Erklärung, daß der kälteste Bereich der Erde nicht in der Arktis/Antarktis zu finden ist, sondern etwa 50 Kilometer oberhalb der Erdoberfläche in der Mesosphäre - wieso heißt der Film dann Arctic [sic!] blast? Die Entfernung zum tasmanischen Ort Hobart wird auf einer Straßentafel in Kilometern angegeben, obwohl in Down-under das metrische System Anwendung findet - da wundert man sich auch nicht, daß Jacks blonde Assistentin (die seiner Frau zum verwechseln ähnlich sieht) Schokolade verlangt obwohl sie Diabetikerin ist. Aber dieser Umstand - wie auch ein paar andere kleinere Episoden - dienen nur als Vehikel für einige eingestreute Herz-Schmerz-Momente, in denen Jack als Retter auftreten darf. Dass er nicht nur seine Tochter zu retten vermag (während deren Freunde am Strand einfrieren) und sie in der anschließenden rasanten Flucht vor der Kältewolke (die erstaunlicherweise stets der Straße folgt) in Sicherheit bringen kann, ist ebenso vorhersehbar wie die schlußendlich wiederhergestellte heile Familienidylle am Ende des Films.
Immerhin positiv zu vermerken sind die Ernsthaftigkeit, mit der die Darsteller agieren und ihre teils arg klischeehaften Charaktäre zumindest glaubhaft verkörpern; die Computer-Tricks sind wenigstens nicht vollkommen schlecht, aber eben noch lange nicht gut, das flotte Erzähltempo des Films jedoch läßt den Zuseher über so manches (physikalische) Logikloch springen. Somit bietet Ice Twister 2 (so der Alternativtitel) zumindest halbwegs durchschnittliche Unterhaltung ohne Höhepunkte. 5 Punkte.