Review

Mit der epischen Erzählweise und den fantastischen Farben von John Hustons Klassiker hat dieser Neuaufguss des Melville Romans herzlich wenig gemein.
Statt Holzbein gibt es einen Metallstampfer und aus der altehrwürdigen Pequod wurde ein mit allen technischen Raffinessen ausgestattetes U-Boot mit 130 Mann an Bord.
Um also einen lang anhaltenden Kulturschock zu vermeiden, sollte man sich von vornherein auf knallharten Trash einstellen und den Vergleich zu Gregory Pecks Darstellung tunlichst vermeiden.

Dennoch wirken einige Namen nur allzu vertraut, denn außer dem hasserfüllten Ahab fallen auch Namen wie Flask, Starbuck, Queequeg oder Stubb. Nur der Ich-Erzähler und die Figur des Ismael fällt raus und wird durch die Meeresbiologin Michelle Herman und ihren Assistenten ersetzt, die während ihrer Forschungen auf hoher See von der Pequod aufgelesen und zur Unterstützung bei der Jagd nach Moby Dick eingesetzt werden.
Bis dahin kann das fast 500 Fuß lange Vieh noch einige Boote zerdeppern…

Immerhin erhalten wir ein wenig Hintergrund zu Ahab, der anno 1969 bereits als Commander die Kopfhörer aufhatte. Nach dem Angriff verliert er sein linkes Bein und sinnt fortan auf blutige Rache an dem Ungetüm. Mittlerweile wird er allerdings vom US-Militär gesucht, weshalb sich sein ehemaliger Kamerad auf die Reise begibt, - Ahab hat das U-Boot gestohlen und bislang schien es offenbar unmöglich, den riesigen Kasten ausfindig zu machen.

Dadurch, dass der überwiegende Teil der Handlung unter Wasser, in den Kontrollräumen des U-Bootes spielt, muss ausgleichend für viel Tempo gesorgt werden, was durchaus der Fall ist.
Immer wieder erscheint der Koloss auf dem Radar, man schießt Torpedos ab und wird von dem Wal in die Tiefe gezogen. Dabei ist der Einsatz von Frau Professor eher nebensächlich und dient allenfalls einer Tonbandanalyse, während ihr Assistent für minimale Auflockerungen zuständig ist. Bis auf Ahab verkommen alle übrigen der Crew zu recht konturlosen Gestalten.

Etwas besser kommen da die Einsätze des Ungetüms weg, auch wenn man Details eines zerschellenden Schiffes aus Kostengründen auslässt. Sieht aber okay aus, wie das Vieh einen Wal in Normalgröße schnappt und ein wenig Schmunzeln kommt spätestens dann auf, als er problemlos einen Helikopter wegfischt und im Schlund verschwinden lässt.
Entsprechend sind Dauerfeuer und Pistolen recht nutzlos und auch diversen Raketen kann der weiße Wal locker ausweichen.
Final kriecht er sogar recht berechnend übers Land einer Insel, um noch ein paar Gestrandete zu plätten, - hätte nur noch gefehlt, dass er auf Empire State Building klettert, am besten mit Frau Professor in der Flosse.

Ja, hier sind wahrlich Kulturbanausen gefragt, die in der Lage sind, sich von der Größe der Erstverfilmung zu lösen und etwas eigenwilligen Murks zu verknusen.
Entsprechend neben der Spur sind sämtliche Darsteller, allen voran Barry Bostwick als Ahab, der selbst mit verlorener Prothese noch ziemlich gerade gehen kann und ansonsten nicht weiß, wohin mit den vielen Grimassen.

Dazu treibt der stampfende Score das Tempo unbarmherzig voran, bindet einige Angriffe auf CGI Basis ein und man ist sich nicht zu schade, auch mal einige Dialogpassagen des Klassikers 1:1 zu übernehmen. Die Figuren sind zwar allesamt lahm und austauschbar, doch der unruhige Seegang kaschiert so manche Schwachstelle des zusammen gefuddelten Skripts.
Wer Tauchgänge auf TV-Niveau mag und die Sache insgesamt nicht allzu ernst nimmt, dürfte sich sogar einigermaßen unterhalten fühlen, - danach weiß man das Werk von John Houston auf jeden Fall umso mehr zu schätzen…
5,5 von 10

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