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Seit geraumer Zeit werden vom berühmten Woodlawn Friedhof in New York seltsame Vorkommnisse gemeldet. Wie es scheint, dringen beunruhigende, polternde Geräusche aus der Grabstätte von Herman Melville, dem Autor von „Moby Dick“.

In Los Angeles hingegen haben es die Anwohner und Besucher der Cathedral Of Our Lady Of The Angels und des Hollywood Memorial Park Friedhofs mit einem ganz anderen Phänomen zu tun, denn aus den letzten Ruhestätten von John Huston und Gregory Peck dröhnt seit ungefähr derselben Zeit ein lautes, schallendes Lachen an ihre Ohren.

Was normalerweise eine Heerschar an Para-psychologen auf den Plan rufen würde um eine Erklärung für die Vorgänge zu finden, hat ihre Ursache in der Neuverfilmung von „Moby Dick“.„The Asylum“, die absoluten Billigheimer aller Hollywood-Trash-Produktionsfirmen, haben sich nämlich ausgerechnet „Moby Dick“ vorgenommen und hauen mit ihrer Version „2010: Moby Dick“ quasi jedem zum denken fähigen Menschen mit aller Macht aufs Fressbrett.

Wie der Titel schon androht, handelt es sich bei dem Machwerk um eine moderne Version von Melvilles Klassiker. Da das Budget wie bei allen Asylum-Produktionen mehr als knapp bemessen war, setzte man Drehbuchautor Paul Bales zuerst mal darauf an, alles was irgendwie zu kostspielig sein könnte aus der Story zu entfernen. Eine erste Überlegung war vielleicht auch den Wal und das Schiff einzusparen, aber das hätte dann wohl doch seine Wirkung beim Publikum verfehlt. Bales riss daher vermutlich zufällig ausgewählte Seiten aus dem Original und verbrachte den Rest des Vormittags damit die übriggebliebenen Seiten irgendwie ans Jahr 2010 anzupassen und sowas wie eine halbwegs nachvollziehbare Handlung zu zimmern. Dabei wurde aus dem Walfänger „Pequod“ ein Atom-U-Boot, alles was nicht unbedingt zur Haupt-Storyline gehört gestrichen und jede Menge an Action eingebaut.

Was danach noch an Geld übrig war, ging vermutlich für das Ausleihen einer Filmausrüstung, Knabbergebäck und Drinks für die „Darsteller“ sowie eine Second-Hand-Software drauf, mit der die Special Effects kreiert wurden.

Was dabei entstand ist sozusagen Moby-Dick-Lite, die Verfilmung eines Klassikers, der all der Elemente beraubt wurde, die ihn ausmachten und konsequent auf Schau- und Unterhaltungswerte getrimmt wurde. Für den Zuschauer ist das ungefähr so als wenn man ein Fünf-Gänge-Menu bestellt und einem die Kellnerin stattdessen einen Cheeseburger im vorbeilaufen auf den Tisch pfeffert. Sicherlich nicht das was man erwartet hatte, aber bei entsprechendem Hunger kann man damit leben.

Schwieriger wird es dann aber, wenn man feststellt, dass der passabel anzuschauende Burger nahezu roh und kalt ist, das Brötchen versteinert und zudem alles zusammen wie recycelte Plastikfolie schmeckt. Genau diesen Eindruck liefert „2010: Moby Dick“.

Hat man sich mit der auf das minimalste heruntergefahrenen Handlung abgefunden, wird man mit sogenannten Schauspielern konfrontiert, die entweder aus dem Freundeskreis der Produzenten zu stammen scheinen oder schlichtweg Passanten sind, die am Drehort vorbeischlenderten und womöglich sogar dafür bezahlt haben um hier mitwirken zu dürfen.

OK, nette Theorie, aber immerhin hat sich ein bekannter Name, Barry Bostwick alias Ahab, in diese Produktion verirrt. Wie das und wer zum Geier ist Bostwick?

Barry Bostwick habe ich schon vor nahezu 30 Jahren in einem ähnlich schlechten Film zum ersten und bis heute auch letzten Mal gesehen – „Megaforce“! Bostwick spielte darin den Boss irgendeiner Super-Truppe, die permanent damit beschäftigt ist die Welt zu retten. Seine damals total bescheuerte Frisur habe ich bis heute nicht vergessen... und die Tatsache wie übel der Streifen war!

Ich spekuliere mal, dass Bostwick im Seniorenheim gerade Ausgang hatte und den Asylum-Leuten beim Dreh über den Weg gelaufen ist und sozusagen von der Straße weg gecastet wurde. Also Gage gab`s vielleicht den erwähnten Burger, aber den ist Bostwick sicherlich auch wert. Die doofe Frisur ist weg, das Gesicht ist zerfurcht, das Talent nicht größer als damals, aber immer noch genug um einen passablen Billig-Ahab abzugeben und die restlichen Akteure als das ausschauen zu lassen was sie wahrscheinlich auch sind....Passanten oder talentlose Laien.

Der eigentliche Star ist hier aber Moby-Dick, der Plastik-Wal aus der Hölle! Wirkt das Vieh anfangs nur wie ein heran gezoomtes Plastik-Ungeheuer aus dem Planschbecken einer dreijährigen, entfaltet es seine vollkommene Dämlichkeit besonders gegen Ende des Films, als Plastik-Moby dann plötzlich über ganze Inseln springt, als wäre er ein verkapptes Vögelchen. Gegen solchen Unsinn kann auch der härteste Soldat nicht ankämpfen, was nebenbei erklärt, wieso die meisten Protagonisten hier auch den Löffel abgeben.

Um zum Anfang zurückzukommen. Natürlich würde Herman Melville in seinem Grab rotieren, könnte er sehen, was die Leute aus der Anstalt (Asylum) aus seinem Werk gemacht haben. Der Regisseur der wohl besten Verfilmung von „Moby Dick“, John Huston, dürfte sich posthum wahrscheinlich bis in alle Ewigkeit krank lachen wenn er sehen würde, dass man für sowas wie „2010: Moby Dick“ heutzutage tatsächlich einen Regisseur benötigt.
Sein damaliger Hauptdarsteller als Ahab, Gregory Peck, hatte Glück im Unglück insofern, dass er starb, bevor er miterleben musste wie eine seiner Glanz-Rollen mit einer Knallcharge wie Barry Bostwick besetzt wurde. Könnte man ihn hören, würde er sich über diesen Ahab sicherlich schlapplachen...

Fazit: Auch wenn „2010: Moby Dick“ nahezu alle Tiefen und Nuancen des Originals vermissen lässt, bietet er sehr schlichten Gemütern durchaus einen gewissen Unterhaltungswert, denn trotz aller inhaltlichen, darstellerischen und technischen Schwächen bietet das Filmchen ordentlich Tempo und total sinnfreie Action (2,5 von 10 möglichen Punkten).

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