Endlich geht es mal nicht um Werwölfe, die uns in den letzten Jahren etwas zu häufig mit billigen Effekten die Laune verdarben. Hier sind eher Tierhorrorfans gefragt, denn es gibt zwar einige Streifen, bei denen wilde Hunde im Vordergrund stehen, äußerst selten jedoch Wölfe.
Dabei ist es immer wieder erstaunlich, zu welchen Leistungen die Tiere durch professionelle Tiertrainer imstande sind, auch wenn das Potential diesbezüglich nicht ansatzweise ausgeschöpft wird.
Kyle wollte sich durch den gemeinsamen Trip mit Kumpel Ben eigentlich Aufmerksamkeit bei der blonden Jess verschaffen, doch die beiden rechnen nicht mit Rob, dem Freund von Jess, der kurzerhand mitkommt. Zu viert erkunden sie eine Geisterstadt, die seit der Zeit der Goldsuche im Wilden Westen verlassen ist. Als einer der Gruppe schwer verwundet zu den übrigen zurückkehrt, ahnt man noch nichts von den Wölfen, die hier ihr Revier verteidigen…
Leider ist die Handlung auf diese vier Figuren begrenzt, selbst Randfiguren kommen nicht vor. Prinzipiell ist die Konstellation interessant, doch von eventuellen Sticheleien und Eifersuchtsschüben ist man weit entfernt, stattdessen turtelt das frische Paar, während Kyle den eingeschnappten Miesepeter raushängen lässt, woraufhin Ben auch bald sauer reagiert.
Als die Wölfe in Erscheinung treten, sollte Kyle laut Drehbuch zum Sympathieträger avancieren, doch das scheitert kläglich am überzogenen Trauma eines Hundebisses im Kindesalter, so dass wir es die meiste Zeit über mit einem Jammerlappen zu tun haben.
Stattdessen glänzt eine andere Figur mit pragmatischen Tendenzen.
Die Geisterstadt mit Saloon, einigen Hütten und einer Scheune punktet zuweilen mit einer Atmosphäre der totalen Abgeschiedenheit, zur besseren Glaubwürdigkeit hätte man allerdings auch den Traktor entfernen sollen.
Leider kann die Kamera diesbezüglich nicht ganz mithalten, denn die prekäre Situation der Flüchtenden kommt innerhalb der Kulisse nie so recht zum Tragen, zumal sie zuweilen etwas unsicher hinter den Protagonisten verharrt.
Die Wölfe lassen hingegen nicht so lange auf sich warten, denn bereits nach weniger als einer Viertelstunde kommt es zur ersten Begegnung, dem ersten Abtasten. Weitere Konfrontationen bleiben leider Mangelware, was in Anbetracht der ordentlich dressierten Vierbeiner recht schade ist. Knurren, Zähnefletschen, die Verfolgung eines Flüchtenden, ein kontrollierter Gang über den Tresen im Saloon, - das alles ist effektiv eingebunden worden, doch ein direktes Zusammenspiel zwischen Mensch und Tier findet eher selten statt, zumal es bis auf ein paar Kratzer und kleine Fleischwunden keine expliziten Gewaltdarstellungen gibt.
Allerdings dichtet man den Wölfen etwas zuviel Intelligenz an, denn die beißen mal eben die Zündkabel des Autos durch und rauben eine Tasche von der Rückbank, auf dass die vier noch nicht einmal telefonieren können.
Entsprechend schleppt man sich von Gebäude zu Gebäude und verbarrikadiert die Eingänge, was auf Dauer ein wenig einfallslos anmutet. Auf die Idee, sich eine Strategie zur Gegenwehr zu überlegen, kommen sie nicht, selbst Waffen scheinen für die Überlebenden nicht von allzu großer Bedeutung zu sein.
Zugute kommt dem Treiben allerdings das konstant brauchbare Tempo, die passablen Mimen und die soliden Dialoge, welche ausnahmsweise nicht in die Eindimensionalität strunzdoofer Klischee-Teens abdriften.
Ansonsten hält sich die Spannung in Grenzen, da die Auseinandersetzungen mit den Wölfen nie bis zum schweißtreibenden Mitfiebern ausgereizt werden, wie es beispielsweise auf Hunde-Ebene in „Cujo“ der Fall war.
Eingefleischte Tierhorrorfans werden sich gewiss an den abwechslungsreichen und detaillierten Aufnahmen der Wölfe erfreuen können, - eine Geschichte zum latenten Mitfiebern hätte jedoch mehr Finesse und Abwechslung gefordert.
5 von 10