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Mitten in der Nacht wird Buchhalter Kleinmann (Woody Allen) von der Bürgerwehr aus dem Schlaf gerissen und aufgefordert bei der Jagd nach einem Mörder zu helfen, der immer bei Nebel sein Unwesen treibt. Währenddessen flieht Schwertschluckerin Irmy (Mia Farrow) aus dem Zirkus, weil ihr Mann, der Clown (John Malkovich), sie mit der Hochseilartistin (Madonna) betrogen hat…

Woody Allens 20. Spielfilm ist eine Hommage an die großen Regisseure der Stummfilmzeit, wie Fritz Lang, Roberte Wiene oder Friedrich Wilhelm Murnau. „Shadows and Fog“ ist, in schwarz-weiß gedreht, komplett in den Kaufman Astoria Studios in New York entstanden und spielt über weite Strecken im Nebel, wobei die Figuren nur bei den minimal ausgeleuchteten Szenen in geschlossenen Räumen klar zu erkennen sind. Zu einer unbestimmten Zeit (20er Jahre?) an einem unbestimmten Ort wird die Jagd auf einen Mörder zur Parabel auf Willkür und Denunziantentum, wobei Woody Allen nicht an seinem typischen Humor spart, „Nicht, dass man Sie mit aufgeschnittener Kehle in der Gasse wiederfindet“, „Da machen Sie sich mal keine Sorgen, er ist hauptsächlich Würger“ oder „Ich hab es schon immer in dieser Stellung gemacht und es hat immer ausgezeichnet geklappt – manchmal in Sekunden“. Doch wenn die Kamera in einer langen kunstvollen Drehung im Hurenhaus einen Dialog von Jodie Forster („Der Gott des Gemetzels“ 2011), Lily Tomlin („Short Cuts“ 1993), Kathy Bates („Misery“ 1990) und Mia Farrow („Tod auf dem Nil“ 1978) einfängt, fallen tiefsinnige Worte: „Es gibt nur eine einzige Art von Liebe, die wirklich zählt. Und das ist die unerfüllte Liebe. Die bleibt Dir für immer erhalten!“ Auch hier spart Woody Allen die Themen Glauben, Gott und Sinnfindung nicht aus, „Beten Sie niemals?“, „Nein, meine Leute beten in einer anderen Sprache, so dass ich sie nicht verstehen kann. Weiß ich, ob sie ihre Probleme nicht herbei gebetet haben?“ Nach einer langen Nacht voller Irrungen und Wirrungen, in der ein unschuldiger Buchhalter fast aufgeknüpft worden wäre, ist die Ordnung halbwegs wieder hergestellt, „Früher oder später setzt ein jeder den Hut des Kompromisses auf“. Ein Künstlerehepaar blickt sogar glücklich in die Zukunft. Wie sagte gleich der Vater der Schwertschluckerin? „Wir wären alle glücklich, wenn wir es nur wüssten!“ (9,5/10)

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