Nach seinem eher mäßigen Debüt "The Vanguard" versucht sich Regisseur Matthew Hope ganze drei Jahre später an einem weiteren Film, der zum offiziellen Beitrag des Fantasy Filmfests 2011 wurde. Jedoch sorgt schon mal der Titel "The Veteran" für die ein- oder andere Fehlinterpretation. Es handelt sich hierbei nicht um einen Actionfilm, sondern um einen Thriller der sich der Terrorismusbekämpfung widmet und dabei größtenteils auf dem Boden der Tatsache bleibt.
So haben wir den gerade aus Afghanistan heimgekehrten Veteran Robert Miller (Toby Kebbell), der den sinnlosen Krieg satt hat und nun versucht in seiner Heimatstadt London Fuß zu fassen. Doch mit seinen Qualifikationen bekommt er keinen Job, bis sein Kumpel Danny Turner (Tom Brooke) seine Beziehungen spielen lässt. Denn sein Bruder Chris (Tony Curran) arbeitet für den einflussreichen Geheimdienstler Gerry Langdon (Brian Cox), welcher Robert einen Auftrag anbietet. Die Undercover-Agentin Alayna Wallace (Adi Bielski) wurde in eine Terrorzelle eingeschleußt, welche bald einen Anschlag plant. Robert soll die Terroristen observieren, stößt dabei aber auf ein Komplott, an dem auch seine Auftraggeber beteiligt sind.
Hope gelingt hier ein reales und teilweise sehr beklemmendes Szenario. Hierzu trägt auch die gewollt monotone Optik bei, welche ausser ein paar Panoramabilder Londons bei Nacht nichts sehenswertes zu bieten hat. In Verbindung mit einem ruhigen, aber exzellenten Score kommt hier eine sehr bedrückende Stimmung auf. Und in "The Veteran" gibt es auch nichts zu lachen, denn Robert hat als Heimkehrer kein leichtes Spiel. Er bekommt nicht nur keinen Job, sondern muss sich auch noch um seinen farbigen Kumpel Fahad (Ivanno Jeremiah) kümmern, der Probleme mit dem Drogenboss Tyrone Jones (Ashley Bashy Thomas) hat. Und gerade diese Nebengeschichte will nicht so ganz zum restlichen Geschehen passen und überfrachtet die eigentliche Story ein wenig. Aber die hat es in sich und Hope nimmt hier kein Blatt vor den Mund. Nicht nur Robert fällt es schwer Freund und Feind auseinander zu halten, obwohl man sich von Anfang an denken kann, dass seine Auftraggeber Dreck am Stecken haben. Dennoch hat "The Veteran" ein paar böse Überraschungen bezüglich der Terroristen zu bieten, obwohl die finale Auflösung etwas konstruiert wirkt. Hopes extrem ruhiger Erzählstil wird gerade in der ersten Halbzeit zum Problem, denn hier treten aufgrund der Ereignislosigkeit kleinere Längen auf.
Schließlich beginnt auch noch die eingeschleußte Agentin Alayna eine größere Rolle zu spielen, man darf sich nicht sicher sein, ob sie mittlerweile nicht doch zu den Terroristen übergelaufen ist. Jedenfalls tut Robert mehr, als er tun sollte und stößt durch sie auf ein riesiges Komplott, in dem mehrere Behörden ihre Finger haben. Was an der Figur des Robert Miller auch gefallen dürfte ist, dass er kein Superheld ist. Öfter wird er von irgendwelchen Parteien überwältigt und muss sich sogar einmal von Alayna retten lassen. Trotzdem hat "The Veteran" nur eine richtige Actionszene zu bieten und dies ist ein langer und sehr realistisch gehaltener Schusswechsel im Finale. Davor hat Robert nur zwei kleinere Keilereien zu bestehen, jedoch geizt Hope bei den wenigen Sequenzen nicht mit Härte. Und während der Held in den meisten Filmen das Böse am Ende besiegt, so sollte man sich hier auf einen negativen Ausgang gefasst machen. Dieser ist alles andere als versöhnlich, lässt aber auch einige Fragen (besonders bezüglich Alayna) offen.
Toby Kebbell (Prince of Persia, Gefährten) gibt den jungen und leicht traumatisierten Afghanistan Veteran sehr überzeugend, jedoch wünscht man sich zwischendurch mehr Mimik und Gestik. Denn viel mehr als drei Gesichtsausdrücke hat Kebbell hier nicht zu bieten, auch wenn es gut zur düsteren grundstimmung des Films passt. In weiteren Rollen sind Tony Curran (Corrado, Cat Run) und Brian Cox (The Escapist, Zodiac) zu sehen.
"The Veteran" ist ein düsterer und sehr realistisch gehaltener Terrorismus-Thriller, der zwischendurch immer wieder mit diversen Längen zu kämpfen hat. Auch das zu offene Ende dürfte nicht jedermanns Sache sein, doch ansonsten ist Hopes zweite Regiearbeit durchaus eine Adresse, denn die etwas überfrachtete Story bietet ein paar böse Überraschungen, die Darsteller machen ihre Sache gut und in Filmhälfte zwei erhöht Hope das Erzähltempo deutlich. Absolut kein Mainstream Film.