Auch wenn es sich um eine Amateurproduktion handelt, - wenn man einen Großteil der Drehorte kennt, weil im Umkreis dieser Gegend ansässig, bleibt ein leichtes Schmunzeln nicht aus. Jenes verschwindet allerdings spätestens mit Einsatz der Folterszenarien, denn in diesem Bereich hat sich der Lemgoer Maik Ude deutlich weiterentwickelt.
Irgendwo in der Bielefelder Innenstadt sitzt Chris mit seiner Freundin Kathrin, als ihnen Chris´ schwangere Ex Eva über den Weg läuft. Chris verfolgt Eva und findet einige Zeit später ihren verlassenen Wagen an einer kaum befahrenen Landstraße. An einem abseits gelegenen Haus findet er sie auf dem Folterstuhl eines offenbar Wahnsinnigen und wird kurz darauf selbst zum Opfer. Derweil hat Kathrin einen Privatermittler hinzugezogen, um die beiden Vermissten ausfindig zu machen…
Independent-Produktionen aus Deutschland betrachtet der geneigte Horrorfan ja doch immer aus einer wohlwollenden Perspektive, erst Recht mit Bonus der Heimatregion.
Dennoch haben Maik Ude und sein Kumpan Mario Frizzi ein paar typische Anfängerfehler begangen, denn die Figurenzeichnungen bleiben schablonenhaft, was das spätere Mitfiebern nicht unbedingt erleichtert. Gleiches gilt für die komplette Riege der Laiendarsteller, ausgenommen Sven Spannagel als genüsslich und überzogen dreckiger Killer, denn einige Dialoge wirken doch recht aufgesetzt und auch die Reaktionen bei den Foltereinlagen fallen oft alles andere als glaubhaft aus, wenn nur ein zögerliches „Aua“ kommt, obgleich das Opfer um sein Leben schreien müsste, - bei einigen fehlt die Hingabe zur emotionalen Regung leider komplett.
Das durchweg Positive an der Sache sind allerdings die zahlreichen Splattereffekte, bei denen der Gorehound feuchte Finger bekommen dürfte. Die Qualität der Effekte ist fast schon auf solidem B-Niveau angesiedelt und durch die Bank handgemacht.
Da wird ein Skalpell mehrfach im Unterschenkel angesetzt, eine Zange greift in einen Arm, ein Schädel wird bis zur Unkenntlichkeit eingetreten, ein Hackebeil schlägt mehrfach zu, Hälse werden aufgerissen und Fingerspitzen in einen Fleischwolf gedreht.
Warum der namenlose Schlächter so munter drauf los foltert wird zwar nicht ersichtlich, aber Hauptsache, er hat Freude daran.
Im Verlauf von rund 106 Minuten Laufzeit schleichen sich allerdings unweigerlich einige Längen ein, die einer deutlichen Straffung bedurft hätten. Diverse Dialoge sind schlicht unnötig, passierende Autos nicht für die Kontinuität der Handlung notwendig und auch das Editing lässt zu lange Takes unberührt, die mit einigen Schnitten wesentlich mehr Konzentration aufs Wesentliche, und somit ein höheres Tempo beschert hätten.
Insgesamt arbeitet die Kamera jedoch ordentlich und auch der Score liefert brauchbares Material.
So kommt es zu kleineren Zweikämpfen, es erscheint ein Racheengel, der beauftragte Ermittler hat ein Problem mit zwei bewaffneten Gaunern (die natürlich gleich mit zum einsamen Haus kommen) und am Ende tritt gar ein Aufgebot der Polizei in Erscheinung, was die gewalttätige Situation nicht zwangsläufig beruhigen lässt.
Wirklich spannende Momente sucht man aufgrund mangelnden Feingefühls für Dramaturgie zwar weitgehend vergebens, doch immerhin folgt die Handlung einem klaren Konzept und bringt zum Finale einen minimalen Twist ins Spiel.
Deswegen: Der Stoff ist noch weit entfernt von einem professionell anmutenden Horrorstreifen und sollte auch als solcher betrachtet werden.
Das macht sich vor allem bei den wenig glaubhaften Leistungen der Mimen bemerkbar, aber auch auf handwerklicher Ebene. Demgegenüber stehen die zahlreichen Gewalteinlagen, welche überwiegend überzeugen können und somit sind primär eingefleischte Splatterfreunde gefragt, die über die Rahmenbedingungen einer schlichten Independent-Produktion hinwegsehen können.
5,5 von 10