Review

Paranormal Tortureporn ???

Nachdem ich vor einigen Jahren, sozusagen zu meiner Hochzeit der Amateurgekrösefaszination etwas unbequeme, unfreudige und eher weniger unterhaltsame Begegnungen mit einschlägigen Werken wie Butcher 1-3, Tuberkulose, Die scheiss blutigen Zombies, Du blutiges Schwein und The Devils Meat machte, hatte ich mir eigentlich vorgenommen, niemals wieder ein Machwerk von Maik Ude anzurühren, zumal mich das Amateurgenre, so hoch mein Interesse hinter dieser Ambition billiger Machwerke auch war, immer mehr durch belanglose und grössenteils aufgesetzte Rohrkrepierer enttäuschte.

Um hier keinen Regisseur zu demütigen oder seine Qualitäten abzuweisen, unterlasse ich mir jetzt etwäige Querverweise, sondern toleriere einfach den Zustand, dass es irgendwann anders kommt als man denkt und so kam ich doch in den Genuss Maik Udes neuesten Machwerks namens Abnormis, im Jahre 2010 abgedreht, der durch seine Vermarktung wie ein richtig bitterböser und dreckiger Film glänzte, den man allein durch sein Coverartwork gesehen haben muss. Ich muss gestehen, als die "offizielle" Rotten Edition im Umlauf war, war mein Interesse doch nicht gering, denn das wirkte atmosphärisch, stimmig und gruselig, auch wenn man weiss, dass Bilder lügen können. Die offiziellen, sehr billig aussehenden 2 Coverartworks der Absurd DVD's verringert aber wiederrum mein Interesse, aber man soll ja keinen Film an Verpackungen ausmachen.

Der Film an sich ist etwas komisch anzumuten im Gesamtwerk, denn auch wenn man sich anfänglich durch Einfangen Bielefelder Stadtszenerie Mühe gibt dem Ganzen Leben und Spielfilmcharakter mit Bezugspersonen einzuleiten, schwenkt der Film zu schnell um in eine Kulisse, die 7/8 des Filmes ausmacht und dort von dem platten Kennenlernschema abweicht, wirkliche Charakteristik vermissen lässt und nur auf primitiven Torture Porn setzt, was im weiteren Verlauf durch eine absurde Kriminalgeschichte mit Kreuzung einer Geisterstory ihren eher unbefriedigenden und ungereimten Höhepunkt findet, was nicht ganz zusammenpassen mag und auch grundsätzlich zu sehr gestreckt erscheint. Man kann es als Vorteil oder Nachteil sehen, jenachdem ob man im Amateurfilm Schauspielleistungen erwartet, oder eher rücksichtslose, nahezu menschenverachtende Splatterorgien vorfinden möchte, denn Abnormis ufert in Orgien aus, die denen in Necronos gleichen.

Was man Abnormis anrechnen kann, ist, dass Maik Ude es hier wirklich geschafft hat, stimmige Bilder in atmosphärisch gruseligen Kulissen einzufangen, die ihre Wirkung als Eyecatcher nicht verfehlen, zumal die optische Präsens der späteren Geisterdame im gesamten Mimik und Gestikspiel ordentlichen Charakter haben, der nicht zu aufgesetzt oder peinlich wirkt. Woran Abnormis extrem krankt, ist, dass er einen roten Faden vermissen lässt, auch wenn er im Gegensatz zu Tuberkulose und anderen Ude Machwerken als Spielfilm zu erkennen ist, auch wenn der Torturepornteil im maroden Waldhaus nur dem reinen Selbstzweck voyeuristischer Splattergelüste dient. Aber nicht umsonst nennt man dieses Untergenre Tortureporn, was ohnehin nicht als Kompliment geistigen Anspruchs zu verstehen ist.

Abnormis ist handwerklich Ude's bester Film. Er weiss zumindest seine Kulissen ordentlich einzufangen, dennoch sind Schauspielerleistungen peinlich, nicht ernstzunehmen und werten die Authenzität ab und der Verlauf hat zuviele Längen, was den Film unnötig langweilig macht. Hätte man den Kriminalteil etwas gekürzt und stattdessen den Fokus auf die Geisterstory gelegt, hätte aus Abnormis ein stimmiges Erlebnis werden können, das zumindest reine Gorehounds vollauf hätte begeistern können. So ist Abnormis ein Film, der eine Steigerung in allen Facetten erkennen lässt, aber einfach zuviel will und einfach daran scheitert, zumal er mehr als unglaubwürdig versucht verschiedene Horrorgenres zu mischen.

Fazit:
Ultragoriger, nahezu selbstzweckhafter Tortureporn, der sich oft in Blutorgien zu flüchten versucht und der seine Höhepunkte im Revenge-Ghostpart besitzt und wirklich bedrohlich - atmosphärische Bilder einzufangen vermag. Im Gegensatz stören die Storylängen und die desaströsen Schauspielleistungen, was das Gesamtbild sehr zerstört. Da ist noch viel Luft nach oben, vorallem im logischen Drehbuch, aber eine Steigerung ist durchaus erkennbar. 4/10

Nur zu empfehlen für:

- beinharte und geduldige Amateurfans
- Gorehounds, die nur Wert auf viel Blut und Körperteile legen
- Tortureporn Fans

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