Wie die Jungfrau zum Kind, kam ich an Maik Udes aktuellsten Erguss „Abnormis“ aus dem Jahre 2010. Und obwohl ich ein Fan des Amateur Genres bin und sogar Maiks „Butcher“ Reihe mein Eigen nenne, muss ich gestehen, dass „Abnormis“ mein erster richtiger Kontakt mit Udes Schaffenswelt ist.
Als die schwangere Eva ihren Lebensgefährten mit ihrer besten Freundin erwischt, haut sie wütend ab und gerät prompt in die Fänge eines irren Folterknechts, der irgendwo im Wald haust. Ein ähnliches Schicksaal erwartet ihren abtrünnigen Lebensgefährten Chris, der ihr nachgefahren war, um die Sache wieder ins Lot zu bringen. Von da an geht es den beiden richtig an die Wäsche und Eva schwört in ihren letzten Atemzügen noch bittere Rache. Und diese soll sie auch bekommen. Zu blöd nur, dass ihre ehemals beste Freundin, zusammen mit einem Privatdetektiv und zwei merkwürdigen Gestalten im Schlepptau auf dem Weg zu der Bretterbude sind.
Zuerst muss ich erwähnen, dass sich „Abnormis“ vom technischen Standpunkt nicht zu verstecken braucht und von Kameraführung, Kulissen und Schnitt sogar einige Low Budget Filme aus den USA locker in den Schatten stellt. Etwas verzetteln tut sich Maik noch in teilweise viel zu langen Einstellungen und Handlungssträngen. So ist der Anfang viel zu lang ausgefallen und auch das Ende in der Traumwelt hätte gerne einige Minuten an Federn lassen können. Am härtesten trifft es aber die Darsteller, die eher schablonenhaft agieren, was das Mitfiebern bei den gorigen Foltereien erschwert.
Vor allem Eva als hochschwangere Frau spielt maulwurfmäßig schlecht. Ihr nimmt man zu keiner Zeit die schwere Situation ab in der sie sich befindet. Obendrein spielt sie alles bierernst ohne einen Funken Selbstironie. Wie man es trotz mäßigem Schauspiel besser machen kann zeigt Privatdetektiv Blaschke, der dermaßen überzeichnet agiert, dass er echt die geilsten Szenen im ganzen Film hat. Positiv erwähnt sollte aber Folterknecht Sven Spannagel werden, der wirklich souverän die Sau raus lässt.
Stichwort Blaschke; mit dem versoffenen Detektiv kommt auch die Wende in den Film. War der erste Teil noch recht ernst von seiner Machart und eher im Torture Porn angesiedelt, kommt erst mit Blaschke die Partystimmung in den Streifen. Ab da geht es dann aber richtig ab und der Film nimmt die Fahrt auf, die ich im Amateurbereich so liebe. Geile Dialoge, ulkige Charaktere - fern jeder Wirklichkeit - und eine abstruse Handlung, gewürzt mit geilen Schnetzelparts. Check.
Das Hauptaugenmerk einer leicht trashigen Amateurproduktion, die Bluteffekte, wird zum Glück nicht vernachlässigt. Eher das Gegenteil ist der Fall. Trotz der erwähnten Handlungslängen splattert der Film im guten Maße und bietet vor allem handwerklich gesehen die Vollbedienung. Eine grenzwertige Babyabtreibung darf natürlich nicht fehlen. Über die Computereffekte kann man zwar streiten, unter den gegebenen Umständen einer Amateurproduktion sind sie aber als gut gelungen zu bezeichnen.
Maik würfelt in „Abnormis“ wirklich eine Menge Genres durcheinander. Es gibt eine gute Portion Torture Porn, eine Prise Slasher abgeschmeckt mit etwas Dämonengrusel und fertig ist das gute Stück. Mit der Musik verhält es sich ähnlich, neben Ausflügen in den Death Metal, gibt es etwas Elektro, Pop und auch eine klassische Score. In Summe ist es jedoch einfach zu viel durcheinander und für den Zuschauer letztlich verwirrend. Weniger wäre hier mehr gewesen.
Fazit: „Abnormis“ ist technisch gesehen voll in Ordnung und bietet sogar einige reichlich atmosphärische Szenen. Für die Gorehounds gibt es obendrein richtig viel Futter. Da sich der Film aber in der ersten Hälfte etwas zu ernst nimmt und in der zweiten Hälfte die Wendung zum Partyfilm schlägt, ist es schwierig die richtige Zielgruppe auszumachen.
Persönlich gefällt mir der zweite Teil des Films etwas besser, als die Folterabhandlung. Diese leidet einfach durch den ernsteren Ton, der von den Akteuren jedoch nicht vermittelt wird. Fans des selbst gebastelten Films werden so oder so ihre helle Freude haben und vor allem angehende Filmemacher können sich hier einige Tricks abgucken. Ude muss sich jedenfalls nicht vor Schnaas, Bethmann und Co verstecken. Die nächste Produktion kann kommen. Prost.