Review

Die Gebrüder Coen haben mit 'True grit' ein Remake eines späten John-Wayne-Western vorgelegt. Angeblich ging es ihnen nicht darum sich mit Wayne und Hathaway (dessen Regisseur) zu messen, sondern sie wollten dem Roman auf dem der Film basierte durch eine zweite Verfilmung Gerechtigkeit widerfahren lassen. Dies halte ich für vorgeschoben, zum ernsten unterscheidet sich das Remake vom Original handlungsmässig nur wenig und zum zweiten legen sie diverse Szenen in klar sichtbarer Auseinandersetzung mit dem Original an, wie auch Jeff Bridges seinen Rooster Cogburn klar als Antithese zu Waynes Darstellung anlegt. Dies allein hätte mich aber nicht gestört und ich habe mich schon seit Monaten auf den Film gefreut und ging mit großem Wohlwollen ins Kino und muss nun hinterher aber sagen, das war nix!
Leider ist das Remake in nachgerade allen relevanten Punkten schwächer als das Original.
 Schauspieler:
Jeff Bridges scheut den Vergleich mit Wayne und macht aus Rooster Cogburn einen seltsamen Kauz statt einen Machohelden wie Wayne, leider ist die Figur im Roman aber eben ein Haudegen und so nimmt man Bridges seine Handlungen eher nicht ab, mal davon angesehen, das ihm die Ausstrahlung Waynes völlig abgeht.
Aber auch alle anderen Darsteller sind deutlich schwächer als ihre Vorgänger, Barry Pepper als Lucky Ned Pepper kann Robert Duvall nie das Wasser reichen, Josh Brolin ist als Bösewicht Tom Chaney lange nicht so bedrohlich wie Jeff Corey, usw. usf., einzig die Kleine Hailee Steinfeld schlägt sich ganz wacker.
Prinzipiell ist das Problem, dass man heute solche Typen wie Wayne oder Lee Marvin, oder Robert Mitchum nicht mehr bekommt, daher bin ich eigentlich mehr + mehr gegen solche Westernremakes, wenn schon, dann sollte man sie in die Gegenwart versetzen wie John Singleton das mit den 'Sons of Katie Elder' gemacht hat, der im Vergleich zu seinem Original deutlich besser abschneidet als die Coens.
Kamera:
Sicher liefert auch Roger Deakins ganz schöne Aufnahmen von den typischen Westernlandschaften in Texas und New Mexico. Aber mit der Brillanz von Lucien Ballard dem König der Westernfotografie hat das nichts zu tun, ich habe mir das Original am Vorabend nochmal angesehen und war wieder begeistert von den Bildern Ballards, das ist klar eine andere Liga!
Regie:
In diversen Szenen arbeiten sich die Coens klar am Original ab und immer ziehen sie den Kürzeren, das beste Beispiel (man könnte aber noch diverse andere anfügen) ist die berühmte Szene der Rettung der von einer Schlange gebissenen Mattie, die Szene wird im Remake ganz anders gegliedert und gefilmt und hat nirgends die Spannung und Dramatik wie das Original. Im Original ist die Szene 3geteilt und schnell – langsam – schnell geschnitten, die Spannung steigert sich ständig und kulminiert in der furiosen Kutschenfahrt, die Coens lassen den Schluss weg und schneiden manierierte Studionahaufnahmen rein und lassen am Ende die Spannungskurve abbrechen, die Szene endet mit einem dummen Spruch von Bridges - insgesamt ist das alles klar eine Liga schlechter.
Natürlich wollten die Coens realistischer und weniger genremässig sein, das führt aber dazu, dass die Balance von Rooster Cogburn auf die kleine Mattie verschoben wird und am Ende aus einem Western fast sowas wie ein Jugendabenteuerfilm wird! Und an sowas habe ich als 50jähriger kein Interesse!
Dass man den Beginn gestrafft hat ist gut, das ist die einzige Schwäche des Originals, leider verschenkt man dadurch aber die Szene mit der Ermordung des Vaters. Den sentimentalen und nostalgischen Epilog hätte man besser bleiben gelassen, ich weiß nicht ob der so im Roman steht, aber er führt letztendlich dazu, dass das Publikum enttäuscht und murrend das Kino verlässt, so geschehen bei meiner Vorstellung. Die Folkschnulze zu Beginn des Abspanns fand (nicht nur) ich nahezu brechreizerregend, sie sorgt aber immerhin dafür, dass das Kino schnell geleert wird und die Putztrupps kommen können!
Vertane Chance.
(4/10)

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