Review

Nach dem meiner Meinung nach überragenden "No Country for old Men" freut man sich natürlich auf ein Nachfolgewerk der Coen Brüder, welches eine ähnliche Thematik bearbeitet und hofft auf ein weiteres Meisterwerk mit ebenso differenziert und klar ausgearbeiteten Charakteren.

Immerhin bietet die Story genügend Raum für schräge und skurrile Typen mit den entsprechenden Manierismen. Und mit Jeff Bridges und Matt Damon sind schliesslich auch zwei Hollywood Schwergewichte an Bord.
Die Zutaten also stimmen, nur schmecken mag der Kuchen nicht!

Die Rachegeschichte um die 14 jährige Mattie, die mit Hilfe des abgewrackten Sheriffs Cogburn den Mörder ihres Vaters zur Strecke bringen will, nutzt  ihr Potenzial leider nur unzureichend.
So fehlen zum Beispiel die großen symbolgeschwängerten Szenen ( ich erinnere da an die Szene aus "No Country", als Josh Brolin den schwer verletzten Mexikaner im Auto findet, der um Wasser bettelt, das Brolin ihm verwehrt), mir fehlen diese grandiosen Dialoge, gepaart mit herausragendem Mienenspiel ( ich verweise erneut auf o.g. Film, die Tankstellenszene "Kopf oder Zahl" ) und mir fehlt das Dreckige, Räudige, welches man so gut hätte in die Verfolgung hätte einbauen können.
Stattdessen zieht sich das Ganze doch recht farblos und arm an echten Highlights dahin, besonders im ersten Drittel geht nicht viel. Dagegen hetzt der Film ab dem Schlangenbiss haste was kannste dem Ende entgegen.
 Somit bleibt eigentlich nur der Mittelteil, also die Verfolgung  Chaneys, als einigermassen zufriedenstellend übrig.

Schauspielerisch ist das alles solide aber eben nicht herausragend. Besonders Matt Damon kann nicht glänzen, was aber auch seiner Rolle geschuldet sein mag, welche doch arg im Hintergrund steht. Dass er dabei bis zur Unkenntlichkeit "entstellt" ist (Pornoschnauzer) ist dabei nur eine Randnotiz.
Positiv sei angemerkt, dass Jeff Bridges sich in den Szenen in denen er randvoll mit Fusel ist, angenehm zurückhält und nicht ins Overacting verfällt.
Halee Steinfeld ist sicher eine Entdeckung, jedoch nervt "ihre" Mattie zu oft massiv mit ihrem altklugen (und dazu noch sehr aufgesetzten) Gequatsche, vor allem wenn sie ihre "Recht und Gesetz - Sicherheit" zur Schau stellt.
Josh Brolin dagegen sitzt schauspielerisch ganz weit hinten im Bus. Ein kaltblütiger Killer als devoter Jammerlappen - nein danke. Das kann er sicher besser.

Die übrigen Darsteller sind weitestgehend austauschbar.

Fazit: In allen Belangen Durchschnitt, mal etwas drüber (Bridges) mal etwas drunter (Plotverlauf). Vor allem aber meilenweit von dem entfernt, was die Coens schon gezeigt haben.

Wenn " No Country" eine 10 bekommt, reichts hier leider nur für ne 5,5. 

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