Nicht nur zwei Nachbarn in einer amerikanischen Vorstadt tragen einen klassischen Nachbarschaftsstreit aus, auch ihre Gartenzwerge sind nicht sonderlich gut aufeinander zu sprechen. Die roten Gartenzwerge in einem Garten und die blauen im anderen Garten stehen sich verfeindet gegenüber und suchen nach immer neuen Möglichkeiten, der anderen Seite eins auszuwischen. Als sich der Prinz der Blauen, Gnomeo, in die Prinzessin der Roten, Julia, verliebt, müssen die beiden ihre Liebe geheim halten.
Durch den allgemeinen 3D-Hype werden immer mehr Trickfilme realisiert, schließlich lassen sich hier die vollkommen überschätzten Möglichkeiten der dritten Dimension immer noch am besten nutzen. Aber mit neuen Ideen, zumal dann, wenn sie dringend gebraucht werden, ist es auch hier nicht ganz einfach. So ist dies hier nicht gerade die erste Parodie auf Shakespeares "Romeo und Julia", die filmisch umgesetzt wird, wobei zumindest die Idee rund um die verfeindeten Gartenzwerglager durchaus etwas für sich hat.
Besonders gut wird diese Grundidee um die Gartenzwerge, die hervorragend animiert sind und mitunter amüsant und liebevoll gestaltet, genutzt, wenn sie als Grundlage für den einen oder anderen Lacher ausgespielt wird. So erzeugen die schrulligen Figuren immer mal wieder ein paar lustige Stellen, aber auch ansonsten sorgen das eine oder andere Shakespeare-Zitat und Anspielungen auf andere Filme für einen gewissen Kurzweil. Hinzu kommt, dass Regisseur Kelly Asbury das Erzähltempo hoch hält und damit keine Langeweile aufkommen lässt. Und damit kann man "Gnomeo und Julia" letztlich durchaus als einen unterhaltsamen Film bezeichnen, auch wenn das Geschehen stellenweise vielleicht allzu infantil daherkommt und sich in kindischen Albernheiten verliert.
Die Story ist derweil annehmbar, weil sie ohne langatmige Pausen durch den Film führt, aber sie ist letztlich sehr flach geworden, so ist die Shakespeare-Parodie leider wenig geistreich. Auch der Einfall, den britischen Dichter schließlich selbst als eine lebendige Statue auftreten zu lassen, ist nur ein weiterer Beleg dafür, dass gute Einfälle eben doch nicht auf Bäumen wachsen, so hätte man sich diese Szene genauso gut schenken können, weil sie einfach nicht so recht ins Geschehen passen will. Darüber hinaus ist die Geschichte von Anfang an allzu leicht vorherzusehen und dies nicht nur, weil das Drama Shakespeares so ziemlich jedem geläufig sein dürfte.
Wer sich den Film ansieht, dürfte relativ schnell Parallelen zu "Toy Story" finden, so verhalten sich die Gartenzwerge im Film letztlich genauso, wie die Spielzeuge in den Pixar-Filmen. Aber das Wichtigste haben sich die Macher von "Gnomeo und Julia" offensichtlich nicht bei Pixar abgeschaut, nämlich die virtuose Art, mit der diese mit Emotionen umzugehen wissen. Während die Gefühle in "Toy Story" nicht aufgesetzt wirken, was besonders den dritten Teil als einen sehr guten auszeichnete, entwickelt "Gnomeo und Julia" leider so gut wie überhaupt keine authentischen Emotionen und verliert sich stattdessen in blankem Kitsch vor kunterbunter Kulisse mit einem aufdringlichen Soundtrack im Hintergrund. Vor allem deshalb bleibt dies ein Film unter vielen.
Fazit:
Kurzweilig ist "Gnomeo und Julia" zwar, aber mehr definitiv auch nicht; zu glatt ist die Story, zu aufgesetzt die Emotionen. Man hätte sich vielleicht noch ein bisschen mehr beim Shakespeare-Drama und beim Vorbild "Toy Story" abschauen sollen.
55%