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Mit einem Budget von 20 Millionen Dollar war „What’s Your Number?“ für Hollywoodverhältnisse preisgünstig in Szene gesetzt, verfügte im Gegenzug über Handvoll bekannter Jungstars, war am Box Office aber nur mäßig erfolgreich und wurde von der Kritik wenig begeistert aufgenommen.
Weibliche Hauptfigur ist Ally Darling (Anna Faris), die keinen besonders guten Tag hat: Ihr Lover Rick (Zachary Quinto) macht klar, dass er keine ernste Beziehung will und ihr Schmierlappen von Boss, Roger (Joel McHale), entlässt sie – als einzige in ihrer Marketingagentur. In der U-Bahn liest sie in einer Frauenzeitschrift, dass die amerikanische Frau im Durchschnitt mit 10,5 Männern in ihrem Leben Sex hat. Der Nummernfetisch ist ebenso wie die Frage nach der Telefonnummer Grundlage des Filmtitels und schon bald werden beide Nummern in Verbindung gebracht.
Auf dem Junggesellenabschied ihrer Schwester Daisy (Ari Graynor) erfährt Ally von einer weiteren Statistik: Wer als Frau mit mehr als 20 Männern Sex hatte, der findet höchst selten den Mann fürs Leben. Nicht nur, dass Ally nach eigener Zählung bereits 19 Kerle zusammen hat und den unrühmlichen Titel der Gruppenbesten unter den Partygirls innehat, am Ende des Abends landet sie betrunken auch noch mit Nummer 20 in der Kiste, ausgerechnet Roger. Am nächsten Morgen hilft Nachbar Colin Shea (Chris Evans) ihr dabei den Kerl loszuwerden, selbst ein Schürzenjäger par excellence. Den doppelten Standard, dass eine Frau mit vielen Sexualpartnern als Schlampe gilt, ein Mann mit vielen sexuellen Eroberungen dagegen als Hengst, hat „What’s Your Number?“ dabei durchaus im Blick, doch schwankt er stets zwischen Thematisierung und Bestätigung des Klischees.

Ally fasst den Plan ihre Nummer nicht mehr zu erhöhen und stattdessen unter früheren Partnern noch mal zu prüfen, ob nicht doch der Mann fürs Leben dabei war. Colin, aus einer Polizistenfamilie und gut im Recherchieren, hilft ihr bei der Suche und verbringt mehr Zeit mit ihr…
Man muss kein Genie sein um zu erkennen worauf das Ganze hinausläuft, doch „What’s Your Number?“ ist ein purer Genrefilm, da will man nicht so sein. Die Prämisse ist zwar etwas konstruiert, aber dafür nicht allzu abgehangen, doch es ist enttäuschend wie wenig der Film daraus macht: Die Ex-Lover tauchen meist nur ganz kurz auf und bei fast jedem ist nicht nur dem Zuschauer, sondern auch Ally in kürzester Zeit klar, warum es nicht geklappt hat. Darunter sind Paradiesvögel wie ein sozial zurückgebliebener Puppenspieler, teilweise aber auch auf den ersten Blick charmante Typen, deren Haken sich dann aber bald zeigt. Wenig Konkurrenz für den smarten Schluffi Colin also, zumal man sich bei manchen von den Ex-Freunden eh fragt, warum Ally überhaupt was mit ihm angefangen hat, vor allem wenn Rückblenden zeigen wie neben der Spur sie schon damals waren.
Am Casting hingegen kann man nicht meckern. Neben Chris Evans sind mit Anthony Mackie und Chris Pratt zwei weitere spätere Marvelhelden an Bord, zudem eine ganze Riege damals schon bekannter oder noch durchstartender Gesichter von Lonely-Island-Mitglied Andy Samberg über Joel McHale und Thomas Lennon bis hin zu Zachary Quinto und Martin Freeman – und das ist allein die Liste von Allys Ex-Lovern, bis auf Evans natürlich. Der schafft es den Schürzenjäger trotzdem noch grundsympathisch zu verkörpern, während Anna Faris leider immer gegen das Drehbuch ankämpfen muss, dass aus ihrer Figur einen wandelnden Blondinenwitz machen will, was ihr halbwegs gelingt. Ansonsten können Ari Graynor, Blythe Danner und Ed Begley Jr. als Familie Allys noch Akzente setzen; der Fokus liegt aber auf Evans und Faris.

Die beiden haben auch Chemie und können in ihrem recht witzigen Zusammenspiel den Film auch über weite Strecken tragen, auch wenn das letzte Drittel etwas einbricht: Da wird zur Verzögerung dann doch noch ein scheinbar perfekter Ex aus dem Hut gezaubert, der allerdings so farblos ist, dass er nie wie ernsthafte Konkurrenz für Lebemann Colin erscheint. Dabei leidet dann auch der Witz, ehe dann das Ende kommt, dass man erwartet und noch dazu den ganzen Frauenzeitungs-Zahlen-Schmarrn auch noch bestätigt. Dabei hat der Film einige Momente, die das Ganze aufbrechen: Ally ist entgegen den Mann-Frau-Klischees im Basketball deutlich besser als Colin, dieser weist gleichzeitig darauf hin, dass die Zahlen an sich bedeutungslos sind, sondern nur in Allys Kopf wichtig erscheinen – schade, dass der Film dieses Projekt nicht durchzieht.
Als Entschädigung kann „What’s Your Number?“ immerhin mit nicht unbedingt feinsinnigem, aber doch ganz witzigen Humor stellenweise unterhalten. Manche Ekelgags sind doof und deplatziert, andere Slapstickeinlagen dagegen recht komisch, etwa die Gags um die Handpuppen eines Ex-Lovers, die Fahrt auf einem gestohlene Pizzaauslieferungsgefährt oder die Szene, in der Allys als angebliche Verlobte Colins eine seiner Eroberungen vertreibt. Der eine oder andere nette Wortwitz ist auch dabei und ein paar kleinere Spitzen gegen moderne Macken wie Allys vom Smartphone-Wahn befallener Vater sind ebenfalls zum Schmunzeln.

Sympathische Hauptdarsteller, die talentierte Nebendarstellerriege und der gelungene Teil der Gags machen aus „What’s Your Number?“ dann zwar kein Highlight der amerikanischen Komödie, retten den Film dann aber noch ins Mittelfeld. Angesichts des wenig peppigen Drehbuchs, diverser Vorhersehbarkeiten und einiger platter Ekelgags reicht es dann aber auch nicht zu mehr.

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