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Erster, seit Ende 2009 zumeist im Stillen fabrizierter und angesichts des Ergebnisses auch überraschend wenig nachvollziehbarer Ausflug des mit Ong-bak, Tom yum goong und Chocolate bekanntgewordenen Regisseurs Prachya Pinkaew in die westlichen Gefilde, wobei zwar noch lange nicht der Gang nach [Planet] Hollywood angestrebt, aber zumindest eine von vornherein internationale Distribution mit ebensolchen Eigenschaften kreiert wird.

Dabei ist der Film von den bisherigen Erfahrungen abweichend und deswegen überraschenderweise so gar nicht auf weiteres Kampfkunstkino, sondern eher einer Bloodshed - Geschichte bzw. der des doch noch innerlich hehren Söldners / Killers / Assassin etc. her angelegt, wodurch sich durch Schauplatz, der reichlichen Verwendung von Farbfiltern, Motiven von Geschichte und Details der 10 Mio. USD Millennium Films [us] Produktion sogar Hinweise auf andere zwar im Kino gelaufene, aber doch eher dem DTV zugehörig erscheinende Genreware zwischen blutigen und heiligen Ernst, wie bspw. das Bangkok Dangerous Remake oder The Fifth Commandment her machen lassen können. Nicht gerade die beste Adresse für zu lobende Vergleiche, auch wenn die hiesige Arbeit auf jeden Fall das Schießpulver trocken hält, auch einige verdienstliche Charakterzüge aufweisen, ansonsten aber auch keine weiteren Hoheitsrechte aus dem allgemeinen Durchschnitt heraus für sich in Anspruch nehmen kann:

Der bei der CIA ausgebildete, aber nun freischaffende Auftragskiller Curtie Church [ Djimon Hounsou ] lässt sich vom Geschäftsmann Rajahdon [ Sahajak Boonthanakit ] zurVendetta für dessen ermordete Tochter anheuern, wobei er pro Kopf mit jeweils 10000 USD entlohnt wird und sich entsprechend dessen und mit Hilfe des Waffenhändlers Jimmy the Brit [ Kevin Bacon ] durch die verantwortliche Jong Ang Gang von Boss Katha [ Weeraprawat Wongpuapan ] und dessen Ratgeber Bhun [ Abhijati 'Meuk' Jusakul ] wütet. Eines Tages, nach einem Sprengstoffanschlag, wird er dabei von dem noch minderjährigen Mädchen Mae [ Jirantanin Pitakporntrakul ] beobachtet, die ihm fortan nicht mehr von der Seite weicht, und auch unauflöslich selber eng mit der fortschreitenden Kinderprostitution in Bangkok und Umland verbunden scheint.

Die Handlung und ihre Garnitur ist es dabei weniger, die überzeugt. Ein nicht unbedingt allzu cleverer Zusammenhang um zwei verfeindete Gangs, die mittels eines Tricks und von außen her erledigt werden sollen, derweilen auch noch eine Abstufung verschiedener Grautöne der Figuren und eine gewisse Form religiöser und/oder anderweitig seelischer Bekehrung bzw. zumindest der Versuch dessen arrangiert wird. Dieses Nacheinander und Hinundher geht seinen Gang, schon mit eigener Note, aber nicht unbedingt auf das Ausführlichste und mit erklärenden Fußnoten, sondern eher der Variation bestimmter Szenen gespickt. In denen im Grunde mehrmals öfters dasselbe, aber nicht genau in gleicher Form, sondern mit winzigen bis kleineren Variationen getan und im Sinne von "Happiness Is a Warm Gun" auch gesagt wird. Dieser Turnus und die Geschwindigkeit dahinter sind überschaubar. Ein Getriebensein liegt zwar vor. Eine Hetzjagd oder anderweitige Behändigkeit trotz gewisser Züge von Überspannung bis zur Überregung sicherlich nicht.

Personell mit nur einem Dutzend an Hauptfiguren, jeweils drei auf jeder Seite und auch nicht mehr, sondern eher weniger anmutenden Schauplätzen eher begrenzt gehalten, wird der Ablauf und seine Be- und Gegebenheiten in ruhiger, trotzdem niemals gänzlich zueinander passender und seltsam abgehakt und voneinander gestaffelt wirkender Weise erzählt. Die Beschaffung und Benutzung der verschiedenen Gewehre, je zu ihrem gedachten Zweck der Präzision aus dem entfernten Hinterhalt, der verheerenden Streubreite in engen Räumen oder schlichtweg des schnellen Griffes und leichten Handhabung steht dabei neben dem reichlich undurchsichtigen Innen- und Zwischenleben von Church und Mae im Vordergrund. Vielmehr als entweder knapp verhandelt, immer mal gedroht, die Waffe gezückt und vorher und danach über Gott und die Welt und sich so in einen verkrampft tieferen Sinn geredet wird, passiert nicht. Einschneidender noch, dass sämtliche Sprechweisen der sowieso selten explizit hervorzuhebenden Dialoge gleichsam verzerrt, fern felsenfester Überzeugung oder auch nur der Willenskraft sind. Entweder durch den Darsteller selber, einen auferlegten Akzent oder dem Englisch statt der thailändischen Muttersprache, so dass das Verbale noch unnötiger, wenn auch nicht leerer als sonst schon und so fast als Untererfüllung von gattungsspezifischen Eigenheiten wirkt.

Interessanterweise gibt Autor Kevin Bernhardt, der sich bisher mit Videothekentitel der Zweiten Reihe, darunter einige vernachlässigenswerte Lundgrens, nicht gerade ruhmreich vorangeschrieben hat, seine Referenzen teils sogar selber vor. Welche auf den ersten und zweiten Blick aufgrund der relativen Vergessenheit [ Michael Ritchies Prime Cut, 1972 ], der mäßigen Reputation [ Buddy Van Horns Pink Cadillac, 1989 ] oder des Massenaufgebotes [ Robert Aldrichs The Dirty Dozen, 1967 ] eher nicht als Grundlage des Schaffens herzuhalten scheinen, auch wenn bei entsprechender Subsumierung die Herleitung durchaus illustrativ, wenn auch weiterhin konträr zu dem letztlich Geschaffen und seinem ehemals intendierten Anspruch wird. Auch die Kulisse selber ist schon da, wird aber trotzdem nur flüchtig, im Vorübergehen und ohne allzu große Bewandtnis erwähnt. Bangkoks Lokalkolorit und seine Empfinden wird anfangs besungen, aber des weiterhin nicht noch einmal in ähnlichen Weisen geschwärmt. Einige wenige Touristenausblicke auf den vorbeiströmenden Fluss hinaus und die Verkehrsstrassen hinab halten für die optisch kräftige, aber nur zum Bruchteil genutzte Örtlichkeit her, der Rest wandert in die Gegensätze von versiffter Absteige im Sex-, Drogen- und Gewaltmilieu und gleich dem buddhistischen Tempel hinaus.

In diesen Kontrast von Gut zu Böse und umgekehrt verfallen auch die Actionszenen, vornehmlich eine Abfolge vom quantitativ sehr begrenzten Handgemenge, welches soweit schon ordentlich, aber angesichts der bisherigen Filmographie von Pinkaew natürlich absolut nichtig und wie als Minimum von Zugeständnis aussieht. Als Majorität dienen Shootouts unterschiedlichster Couleur, stilistisch sicher, aber weitgehend unaufgeregt und als routinierter Schnitt vom Abzug hin zum Aufprall montiert, in denen Church anfänglich nur aus der Ferne, der sicheren Distanz mit Zielfernrohr und ruhiger Hand heraus agiert. So richtig wesentlich, da aus dieser Scharfschützenform herausbrechend ist nur sein Alleingang in direkter Konfrontation in einem Bordell, in der mit viel Streufeuer auf eng verzweigter Fläche auch mehr und das teils grotesk unverhältnismäßiger Schaden angerichtet wird, Schergen von Einschuss und Druckwelle blutig an Wand und Boden entlanggeschleift, in die nächste Tür, oder Treppe und Stockwerk hinab katapultiert werden.

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