Review

Mitunter hilft es, die ersten beiden Teile einer Trilogie im Vorfeld gesichtet zu haben, bevor man sich an den dritten heranwagt. Doch auch ohne Vorkenntnisse sollte die Handlung anhand kleiner Rückblenden verstanden werden, was in diesem Fall jedoch nicht das Problem ist, denn Klischees, eine lahme Titelfigur und eine phantasielose Optik sorgen dafür, dass der Streifen erst gar nicht in die Gänge kommt.

Die Handlung ist denkbar simpel: Undercover-Cop Jack (Simon Phillips) soll in Amsterdam von einem Profikiller erschossen werden, doch mithilfe seiner Freundin Natasha (Olivia Hallinan) und eines zynischen Arztes (Doug Bradley) überlebt er.
Zurück in London sucht er die Hintermänner des Tötungsauftrages und gerät in einen Strudel aus falschen Spielchen, Korruption und heuchlerischen Freunden…

In Schwarzweiß gehalten erinnert die Optik aufgrund der Colorkey-Technik an Genreverwandte wie „Sin City“. Nur wenige Objekte sind in Farbe getaucht wie Blut, ein blaues Hemd, Flammen, lila Schuhe oder eine Rasenfläche.
Sinn ergibt dieses Stilelement jedoch nur bedingt, denn es ist weder ein symbolischer Charakter abzuleiten, noch frischt es das triste Schwarzweiß in irgendeiner Form auf.
Einzig beim Stichwort Karma ist eine minimale Essenz herauszuziehen.

Das gelingt gegenüber den Figuren leider kaum, zumal einige ins Geschehen geworfen werden, die man eventuell aus den beiden Vorgängern kennen müsste.
Titelfigur Jack gibt schlicht zu wenig her, man erfährt kaum Hintergründe und allzu viel gibt der Herr auch im Verlauf nicht von sich preis.
Um seine Mitspieler und Widersacher ist es allerdings kaum besser bestellt, denn da häufen sich einige Klischees des Film noir oder klassischen Gangsterfilms: Ob es der alte Boss mit seinem naives jungen Flittchen ist, der südländisch aussehende Geldeintreiber, der loyale Cop, der alles für ein Ei und ein Butterbrot macht oder die hilfreiche Freundin, die natürlich an der Bar arbeitet.
Fehlen darf natürlich auch nicht die Geliebte, deren Vertrauen bis zuletzt mit Fragezeichen umgeben ist, ob sie nun Emotionen heuchelt oder fürs falsche Team ins Rennen ging.

So benötigt es eine ganze Weile, um Zugang zu den Figuren zu finden und die Split Screens zu sortieren, die in einigen Momenten sogar Sinn machen.
Auf der anderen Seite ist die Handlung zu einfach gestrickt, während man etwaige Twists oder doppelte Böden vergebens sucht.
Zwar wird es mal kurzfristig spannend, als ein Kommando anrollt, um den Totgeglaubten in der Wohnung aufzuspüren, der wiederum auf seine Erfahrungen als Undercover-Polizist zurückgreifen kann, doch am Ende gerät der Showdown in der Höhle des Löwen doch recht unglaubwürdig und zu konstruiert, zumal austrainierte Bodyguards wohl eher nicht aufgrund eines Faustschlages am Kinn völlig außer Gefecht gesetzt sind.

Auf darstellerischer Ebene finden sich recht unterschiedliche Qualitäten: Während Simon Philips als Jack und Olivia Hallinan als Freundin Natasha eher zu den hölzern agierenden Vertretern zählen, gelingt Tamer Hassan als Polizeichef in nur wenigen Szenen eine überragende Präsenz und auch Alan Ford hat als fluchender Gangsterboss sichtlich Freunde an seiner Rolle.
Leute wie Doug Bradley (Pinhead aus „Hellraiser“) oder Zach Galligan („Gremlins“) sind mit ihren kurzen Auftritten wohl eher als Schmankerl für Filmfreunde gedacht, was immerhin kurzfristig Freude bereitet.

Denn ansonsten schleppt sich die Chose bis zum letzten Drittel erheblich, da man nur schwer mit den Charakteren warm wird und auch die Geheimniskrämerei um den ursprünglichen Attentäter zu belanglos gerät, als dass ein Mitfiebern entstehen könnte.
Kaum spannend, dröge aufgezogen und größtenteils wenig ansprechend inszeniert, - der Versuch eines noir bleibt somit auf halber Strecke liegen.
3,5 von 10

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