Review

Da der zweite Teil der Trilogie, JACK SAID, mit einem Cliffhanger endete, komme ich leider nicht umhin ein wenig spoilern zu müssen. Außerdem macht es Sinn, sich vor dem Lesen dieses Textes zuerst die ersten beiden Teile anzuschauen. Denn sind wir mal ehrlich, der dritten Teil einer Trilogie mit durchgehender Handlung kann nur in den allerseltensten Fällen als Standalone-Film bewundert werden. Was auch bedeutet, dass ich in Film und Text (sowie dem dazugehörigen Comic auch) die entsprechenden Vorkenntnisse voraussetze: Undercover-Cop Jack, der die Bande des Guv’ners infiltrieren sollte, dabei zwischen die Fronten von Gangstern den Polizisten geriet, und am Ende von beiden gejagt wurde …

Und UNION JACK würde ja gar nicht existieren, wenn Jack nicht das Attentat am Ende des zweiten Teils überleben würde. Soweit also schon mal kein Spoiler. Zusammen mit der jüngeren Tochter des Guv’ners, Natasha, bildet er nun ein Sie-lieben-und-sie-hassen-sich-Gespann, und nach Jacks endgültiger Genesung geht es wieder zurück nach London, denn Jack weiß genau wer hinter dem Mordanschlag steckt: Carter, der mächtige Gangsterboss, der die Geschäfte des Guv’ners geerbt hat. Offiziell ist Jack also tot, Natasha soll sich in Carters Bande einschleichen, und Jack will dann alles von hinten aufrollen. Stattdessen wird Jack noch am ersten Abend in London entdeckt, Natasha versemmelt das mit der Bande völlig, und die Jagd auf Jack ist ganz schnell wieder in vollem Gange. Vor allem seine früheren Kollegen sind es, die ihm dieses Mal das Leben verdammt schwer machen. Denn wenn korrupte Cops mit der gesamten Macht der staatlichen Exekutive Jagd auf einen einzelnen Mann machen, dann kommt es schnell auch mal zu Kollateralschäden …

Was nach einem mittelschweren Arnold Schwarzenegger-Vehikel klingt ist dann aber tatsächlich ein zügig inszenierter Gangsterfilm. Jack raubt ein Spielkasino Carters aus, und finanziert mit diesem Geld seinen Rachefeldzug. Bis er dann lernt, dass mitnichten Carter hinter dem Attentat steckt. Die Konfiguration, in der Jack dann seine Rache vollendet, hat tatsächlich etwas von dem bekannten klingonischen Sprichwort an sich, nur der Weg dorthin, der ist öfters einmal verdammt holprig. Die Charaktere benehmen sich größtenteils vollkommen idiotisch, führen Handlungen aus die überhaupt keinen Sinn machen (außer dass gefährliche Situationen erzeugt werden), und irgendwie spielt das ganze über kurz oder lang fast in einer Parallelwelt à la JOHN WICK: Es gibt Gangster, es gibt die Polizei (die den Bösen in absolut Nichts nachsteht), und es gibt keinerlei normale Menschen mehr auf diesem Planeten. Außer vielleicht Carly, der Barfrau, die schnell als Drehscheibe zwischen dem verfemten Jack und seinen wenigen Freunden dient. Aber wo JOHN WICK durch Style und Coolness punktet, zieht UNION JACK einen etwas hirnrissigen Neo-Noir-Stil durch. Der Film ist schwarzweiss, wobei das Hemd Tamer Hassans blau heraussticht, Blut und Dinge die zum Bluten bringen können deutlich rot sind, und die Wiese im Fußballstadion, Jacks Alptraum, quietschgrün. Aber ich muss sagen, die Optik überzeugt! Jacks früherer Kumpel Sid und seine geliebte Erin, beide tot, hosten Jack aus dem Jenseits heraus, helfen ihm auch mal aus der Patsche oder retten sein Leben. Spannenderweise sind beide völlig scharf in Szene gesetzte, aber die (lebenden) Personen die neben ihnen stehen sind dann unscharf. Was zu einer etwas verzerrten, und damit wiederum interessanten, Wahrnehmung der parallelen Realität führt.

Nein, UNION JACK ist nicht wirklich schlecht. Aber leider auch nicht richtig gut. Nur ein bisschen … Denn wie gesagt sind viele einzelne Episoden völlig dumm. Was mache ich, wenn ich als Engländer in Amsterdam bin und heimlich nach London muss? Richtig, ich fahre mit einem linksgesteuerten Auto bei Nacht über einen einsamen Grenzposten in Nordirland. Wie infiltriere ich die Gang meines Feindes? Indem ich beim Obergangster auftauche, ab dem ersten Wort nur schimpfe und beleidige, und jegliche Chance, tatsächlich näher an den Mann ranzukommen, von vornherein versiebe? Solche Sachen sind einfach überflüssig und von der Erzählung her stimmungstötend. Das hat auch nichts mit den gefürchteten Logiklöchern zu tun, denn so etwas ist von Grund auf nicht überzeugend und führt schnell zu Frustration auf Seiten des Zuschauers.

Was schade ist, denn die Stimmung ist durchaus da. Die schwarzweiße Fotografie ist exzellent, es wird auch mal Robert Rodriguez‘ SIN CITY hommagiert, und ab und zu schleicht sich sogar ganz vorsichtig ein Anflug von Humor durch das Bild, für den interessanterweise oftmals Alan Ford als Carter zuständig ist. Alan Ford, wir erinnern uns, das war in Guy Ritchies SNATCH – SCHWEINE UND DIAMANTEN dieser richtig miese und eiskalte Obermotz, der höchstens dann mal gelächelt hat, wenn vor ihm ein Mensch blutig abgeschlachtet wurde. Doch was grundsätzlich fehlt ist gerade dieser modische Guy Ritchie-Style. Diese durchgeknallten und völlig abstrusen Pseudo-East End-Typen, die mit coolen Sprüchen und zu erstklassiger Musik das Bild eines swingenden Gangster-Londons kolportieren. Stattdessen orientiert UNION JACK sich viel eher an den klassischen Gangsterfilmen britischen Ursprungs. Die Grundstimmung ist düster und eher ruhig und die Figuren sind, bei allem fehlendem Realismus, geerdet und grundsätzlich böse, was zu einer eisigen und harten Stimmung führt. Und selbst wenn einige der Actionszenen unter dem kleinen Budget kranken, und selbst wenn manchmal vielleicht ein klein wenig zu viel Dialoge dabei sind, so ergibt sich, wenn man keinen 100 Millionen Dollar-Blockbuster erwartet, in Summe ein kleiner, schmutziger und angenehm altmodischer Gangsterfilm mit einigem Unfug in der Handlung und einem durchaus befriedigendem Ende, der vor allem Fans von billigeren Filmen sehr wohl Freude bereiten kann. Ein durchwachsener Abschluss einer durchwachsenen Trilogie. Höhen und Tiefen. Good Cop Bad Cop. Nennt es wie ihr wollt, doch mir haben Film und Trilogie gefallen. Kein Überflieger, aber ein grundsolider Cops vs. Thugs-Film.

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