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Viele deutsche Nachwuchsfilmer begnügen sich bei ihrem Debüt mit einem schlichten Zombiefilm, bei dem die meiste Kohle in die Effekte gesteckt wird, während die Story fast immer auf der Strecke bleibt.
In diesem Fall ist es umgekehrt, denn Axel Wittmann ist mit seinem Erstling ein schlichter, aber recht ambitionierter Beitrag in Sachen Psycho-Thriller gelungen.

Raffael (Patrick Herion) hat die Versöhnung mit Freundin June (Yvonne Wölke) genau geplant. Lieblingsessen eingepackt, sich Worte zurecht gelegt und sogar eine Überraschung in Form von Verlobungsringen vorbereitet. Doch June hat sich ihrerseits bereits von Raffael getrennt und nutzt die Fahrt ins Grüne, damit Freunde ihre gemeinsame Wohnung ausräumen können und sie später im Wald aufgabeln. Doch es kommt alles ganz anders, als Raffael einen Toten in einem nahe gelegenen Auto entdeckt und der Killer nicht weit zu sein scheint….

Der Streifen beginnt wie eine Romanze mit viel Gesäusel seitens des Liebhabers und wenig Begeisterung auf der Gegenseite. Lange Zeit steht das Paar im Vordergrund, der Wald erscheint austauschbar, die Farben leicht verwaschen, doch der Ton ist ausgezeichnet abgemischt.
Raffael übertreibt zwar mit seinen Liebesbekundungen, doch als einfacher Mitarbeiter in einer Videothek genügt er mittlerweile nicht mehr den Ansprüchen seiner Freundin, die sich offenbar neu verliebt hat.
Raffael wankt bestürzt in den Wald, bis er zu dem Auto mit der Leiche gelangt.
Da June eine linke Masche vermutet, besteht sie darauf, die Leiche zu sehen, doch kurz darauf taucht ein Fremder mit einem Knüppel auf…

Was folgt, sind verschiedene Verfolgungen, bei denen die Kamera saubere Arbeit leistet und ordentlich Drive vermittelt. Auch bei den Einstellungen zweier Keilereien ist man gut positioniert, auch wenn merkwürdigerweise keine Schläge ausgeteilt werden, sondern nur gezogen oder gedrückt wird.
Darstellerisch wird in so mancher Szene ein wenig übertrieben oder unangemessen viel Gestik hinzugefügt, doch mit der Reduzierung auf zweieinhalb Hauptfiguren leisten die Mimen insgesamt ordentliche Arbeit.

Glücklicherweise beschränkt sich die Handlung nicht auf das simple Spiel zwischen Gut und Böse, sondern überspringt beinahe unmerklich kleinere Handlungspassagen, die im Nachhinein aus einer anderen Sicht erneut zu sehen sind und einige Sachverhalte in einem ganz anderen Licht und mit mehreren kleinen Twists angereichert erscheinen lassen.
Aufgrund der wenigen Protagonisten überraschen diverse Wendungen zwar nicht allzu sehr und kleinere Hinweise geben im Vorfeld bereits etwas Aufschluss, doch immerhin ist man um eine ambivalente Sicht der Dinge bemüht.

Dabei macht sich das geringe Budget im Verlauf immer weniger bemerkbar, die spärliche Ausstattung mit zwei Autos im Wald, nur wenigen Kostümen und kaum Requisiten fällt kaum negativ auf und auch die wenigen Bluteffekte wurden recht geschickt eingebaut, mehr oder minder im Eifer des Gefechts platziert.
Gut ist noch der Score, welcher im Hauptthema die ersten Takte von Carpenters „The Fog“ kopiert, im Weiteren aber für viel Abwechslung sorgt.

„Bad End“ is natürlich kein Meilenstein deutscher Filmgeschichte, aber ein Beweis dafür, dass mit sehr geringen Mitteln und passablen Darstellern ein ordentlicher Streifen zustande kommen kann, der kein sonderliches Blutvergießen benötigt, sondern lediglich eine einfache Prämisse, die zum Ende mit kleinen Twists aufwartet.
Und wer noch Zeit findet, mit den Genreklischees des gängigen Slashers zu spielen, hat auf jeden Fall erkannt, worauf es in der Quintessenz ankommt…
6,5 von 10

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