Die verspätete Fortsetzung des Überraschungserfolges „Prom Night" (1980) schwimmt im Fahrwasser damaliger Slasher- und Horrortrends und bedient sich ungeniert zahlloser Versatzstücke aus der Welt des Teenhorrors. Das bewahrt den Film zwar von jeglicher Art künstlerischer Eigenständigkeit, innerhalb des überfüllten Subgenres reicht es aber dank der inszenatorischen Kompetenz von Regisseur Bruce Pittman allemal für das grundsolide Mittelfeld.
1957 kommt die Abschlussballkönigin Mary Lou Maloney (Lisa Schrage) während der Prom Night an der Hamilton High unter tragischen Umständen ums Leben. Als die unscheinbare Vicky Carpenter (Wendy Lyon) 30 Jahre später ihren Geist versehentlich erweckt, versucht Mary Lou Besitz von ihr zu ergreifen. Auch ihre Clique um Boyfriend Craig (Louis Ferreira), Sohn des Schuldirektors Bill Nordham (Michael Ironside), der vor 30 Jahren in den Unfall verwickelt gewesen ist, geraten bald ins Visier der rachsüchtigen Mary Lou Maloney.
Auf dem Papier liest sich „Hallo Mary Lou - Prom Night II" eher wie ein Ripoff zur erfolgreichen „Nightmare-Reihe" (1984-1994), denn als Sequel zu „Prom Night" (1980), dessen Bedrohung höchst natürlichen Ursprungs gewesen ist. Grund hierfür mag die vergleichsweise lange Zeitspanne zwischen Teil 1 und 2 sein- Pizzagesicht Freddy Krüger hatte Mitte der 1980er-Jahre das darbende Genre entscheidend beeinflusst und im Slasherkino waren neuerdings übernatürliche Killer mit Hang zum extrovertierten Zynismus sowie bizarre Traumsequenzen gefragt. Auch sonst bedient sich Drehbuchautor Ron Oliver ausgiebig bei Plotmechanismen von „A Nightmare On Elm Street" (1984) und hierbei ist nicht einmal das obligatorische böse Ende gemeint, das beinahe Eins zu Eins beim großen Vorbild kopiert worden ist. Wie bei Craven entsteht der Horror in der vermeintlichen Sicherheit der amerikanischen Vororte und einmal mehr müssen die Teens die Jugendsünden der Erwachsenen blutig ausbaden. Darum entspinnt sich ein Plot um die Inbesitznahme des Körpers unseres vermeintlichen Final-Girls Vicky, der in seiner Ausgestaltung irgendwo zwischen „A Nightmare on Elm Street II" (1985), „Carrie - des Satan jüngste Braut" (1976) und „Der Exorzist" (1973), auf den einmal sogar direkt verwiesen wird, pendelt. Immerhin bekennt sich der Film zu seinen Vorbildern, indem er praktisch allen Charakteren zeitgenössische Horrofilmregisseure (King, Craven, Dante, Carpenter) im Nachnamen verpasst.
Prinzipiell keine schlechten Vorbilder nur leider stellt sich dabei zu selten das Gefühl von erzählerischer Kohärenz ein. Das Drehbuch köchelt auf zu vielen Herdplatten und wirklich befriedigend schmeckt keiner der Subplots und Genreeinflüsse. Hinzu kommen einige echte Kuriositäten, die meistens die Figur des Schulrektors betreffen. So scheint es beispielsweise komplett hanebüchen, dass jemand Rektor einer Schule werden kann, der vor 30 Jahren an gleicher Stelle den gewaltsamen Tod einer Schülerin verursacht hat. Auch die Figurenzeichnung ist mitunter irritierend, etwa wenn sich der freakigen Comic-Relief-Computergeek von einer Szene zur nächsten vom schüchternen Nerd zum skrupellosen Sexerpresser (mit Blinkie-Fliege am Anzug) wandelt. Es ist dem Regisseur Bruce Pittmann deshalb umso höher anzurechnen, dass er die Geschichte einigermaßen flüssig runtererzählt. Trotz kleinere inszenatorischer Längen im ersten Akt, die auch dem Alter des Films geschuldet sein mögen, gewinnt der Film spätestens in der zweiten Hälfte erstaunlich an Fahrt. Zudem ist er, gemessen an seinem überschaubaren Budget, vergleichsweise hochwertig fotografiert. Das Finale, das standesgemäß auf der titelgebenden Prom Night stattfinden muss, kommt dann trotz einiger Spezialeffekte merkwürdig unspektakulär daher.
Schauspielerisch bleibt das Geschehen für Genreverhältnisse leicht überdurchschnittlich. Wendy Lyon löst ihre wechselvolle Rolle sehr zufriedenstellend und beweist dabei einen erstaunlichen Mut zu Full-Frontal-Nudity. Etwas unter den Erwartungen bleibt hingegen Verhoeven-Veteran Michael Ironside („Total Recall" (1990), „Starship Troopers" (1997)) als schuldgeplagter Rektor der Schule. Den größten Eindruck hinterlässt allerdings Lisa Schrage, die sich mit Gusto und der richtigen Balance aus unschuldiger 50er-Attitüde, zynischem Humor und diabolischem Sadismus als fiese Mary Lou Maloney austoben darf. Offensichtlich sollte mit ihr ein neuer ikonischer Killer etabliert werden, inklusiver launiger Oneliner und eingängier Erkennungsmelodie. Mary Lou Maloney durfte dann auch im Nachfolger „Prom Night III" (1990), der die Reihe endgültig ins Genre der Horrorkomödie, verlagerte, noch einmal ran. In Teil 2 beschränken sich die komödiantischen Aspekte allerdings auf den schwarzhumorigen Zynismus, den die Freddy-Krüger-Sequels ins Genre einbrachte.
So bleibt „Prom Night II - Hallo Mary Lou" (1987) zwar als wenig eigenständiger, aber nicht gänzlich misslungener und bisweilen sogar recht unterhaltsamer Genrebeitrag leidlich in Erinnerung. Für Fans der 80er-Jahre-Slasherwelle durchaus zu empfehlen.
Daran werde ich mich erinnern: Das Schaukelpferd des Grauens