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"Einmal Hölle und zurück"

Mit den Erfolgen von Quentin Tarantino und Robert Rodriguez hat Trash und Exploitation längst auch das Mainstreamkino erreicht. Da ist es kaum verwunderlich, dass in ihrem Windschatten auch der ein oder andere Epigone mal sein Glück versuchen will, zumal die Meister mit ihrem lauwarmen Grindhouse-Doppelschlag (Death Proof und Planet Terror) eindrucksvoll bewiesen haben, dass auch sie nicht unfehlbar sind.

Patrick Lussier ist ein solcher Nachahmer, der mit dem ebenso griffigen wie mülligen Titel Drive angry schon einmal den ersten Genrepluspunkt sammelt. Der Titel ist zudem Programm, fasst er doch den zugegebenermaßen nicht sonderlich komplexen Plot treffend zusammen. Stünde noch ein „and kill everybody" mit dabei, hätten wir eine allumfassende, detaillierte Inhaltsangabe, aber das ginge dann erstens auf Kosten der Griffigkeit und zweitens bräuchten wir den Film dann gar nicht mehr schauen.

Gut, ob das ein großer Verlust wäre liegt (wie immer) im Auge des Betrachters sowie dessen Erwartungshaltung. Eine postmoderne Hommage an die Vorbilder aus den 1970er Jahren bekommt man jedenfalls nicht geboten. Auch wer eine filmgeschichtliche Zitatensammlung oder dialogische Perlen à la Tarantino erhofft, sollte einen größeren Bogen um Drive angry machen. Bei Lussier ist alles eine Nummer platter, simpler und vor allem - eine Vorwarnung kann ja nicht schaden - dümmer. Spaß kann man aber trotzdem haben, wenn man sich auf Tarantino-light einstellt bzw. einlassen kann und nicht ständig Vergleiche zu „Quentin dem Großen" zieht.

Die Wahl des Hauptdarstellers ist auf jeden Fall schon einmal durch und durch stimmig. Wer, wenn nicht Nicolas Cage könnte so grimmig wie stoisch durch dieses tiefer gelegte Trash-Szenario schreiten, hat doch der ehemalige Kritikerliebling schon seit Jahren keine ernst zunehmende Rolle mehr absolviert. Kaum zu glauben, dass er seine Karriere mit durchaus anspruchsvollen oder zumindest ambitionierten Produktionen und unter der Ägide von Regisseuren wie David Lynch, Francis Ford Coppola oder den Coen-Brüdern begann.

Hier gibt Cage den aus der Hölle entflohenen Ex-Sträfling Milton, der sich eine satanische Sekte vornimmt um seine ermordete Tochter zu rächen und sein einziges Enkelkind aus ihren Klauen zu befreien. Zu diesem Zweck röhrt er mit finsterster Miene durch die halbe USA.
Das ist so bescheuert wie es klingt, funktioniert aber dank eines durchweg ordentlichen Tempos und einiger expliziter Splattereinlagen erstaunlich gut. Gefangene werden hier prinzipiell keine gemacht und auf eine niedrigere Altersfreigabe hat man ganz offensichtlich beherzt gepfiffen.

Unterstützt wird Milton bei seinem blutigen Rachefeldzug von der Kellnerin Piper (Amber Heard), deren einzige Daseinsberechtigung in ihrer Optik und damit anvisierten Wirkung auf das vornehmlich männliche Zielpublikum besteht. Aber das ist in zahlreichen konventionelleren Hollywoodproduktionen auch nicht viel anders.
William Fichtner hat da als vom Teufel gesandter Kopfgeldjäger den dankbareren, weil witzigeren und handgreiflicheren Sidekick-Part erwischt. Allzu viel Entfaltungsmöglichkeiten bietet das papierdünne Script aber auch ihm nicht, da Milton bei seinem Höllenritt kaum etwas übrig lässt. Zumindest gönnt man ihm die coolsten und erinnerungswürdigsten Auftritte.

Letztendlich gehört Drive angry zu den besseren Tarantino-Plagiaten, ohne allerdings dessen Meisterschaft hinsichtlich Wortwitz, Plotsruktur oder filmgeschichtlicher Anspielungen auch nur ankratzen zu können. Der Film ist laut, brutal und blutig. Die diversen Gewaltexzesse entbehren nicht eines gewissen Einfallsreichtums, der in der 3D-Version noch erheblich deutlicher zum Tragen kommt. Dass der Film zudem absolut sinnfrei und völlig anspruchslos daherkommt ist sicher kein Genre-Dogma und kann aufgrund der oben genannten Qualitäten zwar nicht goutiert, aber doch zumindest verschmerzt werden. Big-Budget-Exploitation in Reinkultur. Ironiefrei, aber brachial. Wie geschaffen für die geneigte Heimkino-Männerrunde.

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