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Sein Geldbeutel ist stets leer, doch der Terminplan immerhin voll. Der Mann mit den vielen Frisuren lebte ein Leben, weit über seinen Verhältnissen, diverse Wutausbrüche in der Öffentlichkeit taten ihr übriges. Nicolas Cage (Con Air, Face Off - Im Körper des Feindes) kämpft mit allen Mitteln um seinen Posten, doch seine Filme schneiden an der Kinokasse alles andere als gut ab. So ist ihm jede Rolle genehm, die er angeboten bekommt. Um die im Sequel zu "Ghost Rider" hat er sogar hart kämpfen müssen. In "Drive Angry" hat er zwar wieder eine sehr gewöhnungsbedürftige Frisur, hinterlässt aber sonst einen ordentlichen Eindruck als coole Sau John Milton, der während des Geschlechtsverkehrs mit einer Frau gemütlich eine Zigarre raucht, eine Pulle Jack Daniels leert und nebenbei noch ein paar Typen abknallt.
"Drive Angry" ist alles andere als ernst gemeint und dürfte ganz besonders die Trashliebhaber ansprechen. Regisseur Patrick Lussier konnte bei mir schon mit dem Remake "My Bloody Valentine 3D" punkten, wo er auch schon mit Drehbuchautor Todd Farmer (Jason X, The Massengers) zusammen arbeitete. Hier lassen die Beiden richtig die Sau raus, das Budget für diese Sause betrug immerhin stolze fünfzig Millionen Dollar, was "Drive Angry" nicht immer anzusehen ist.

Jedenfalls geht es um den ehemaligen LKW-Fahrer John Milton (Nicolas Cage), welcher aus der Hölle entwischt ist, um seine Enkeltochter aus den Fängen des Sektenführers Jonah King (Billy Burke) zu befreien. Miltons Tochter wurde von Jonah schon bestialisch ermordet, nun soll auch ihr Baby beim nächsten Vollmond geopfert werden. In Piper (Amber Heard) findet Milton eine Helferin, doch neben der Polizei ist auch der Buchhalter (William Fichtner) der Hölle hinter ihm her.
Hirn aus und rein ins Vergnügen lautet die Devise, ein höllischer Spass ist "Drive Angry" zwar nicht geworden, aber mir hat besonders die teilweise altmodische Inszenierung gefallen. Das Bild ist kernig, außer einige Zeitlupen nerven keine Stilmittel, die Kamera wird ruhig gehalten und der Score ist schön rockig. Jedoch gibt es auch ein paar grausig schlechte Effekte, mit dem CGI hätte man sich ruhig mehr Mühe geben dürfen. Ganz besonders die Szene mit dem Tankwagen und der Polizeisperre ist unter aller Sau. Dies kann neben dem Alibiplot den Spass etwas trüben, aber dafür hatten die Darsteller sichtlich ihre Spass. Amber Heard (Zombieland, The Ward) als böses Mädchen ist eine Augenweide und William Fichtner (Knight and Day, The Dark Knight) agiert als Buchhalter des Leibhaftigen sehr süffisant. Billy Burke (Twilight, New Moon) ist als Jonah King auch nicht zu verachten, in weiteren Rollen Tom Atkins, David Morse und Jack McGee.

Lussier erzählt das ganze in einem hohen Tempo, wobei es teilweise schon an Action mangelt. Dafür springt Milton mit seinen Gegnern sehr grob um, es wird schon mal eine Hand oder ein Fuß abgeschossen und überhaupt geht hier niemand ohne einen blutigen Einschuss zu Boden. Milton hat dabei alle Vorteile auf seiner Seite, denn er ist quasi unsterblich. Shootouts und Autoverfolgungsjagden sind der Hauptbestandteil der Action, gekämpft wird sehr wenig. Dabei sind die Actionszenen meist von kurzer Dauer, aber knackig und sehr brutal in Szene gesetzt. Dazwischen hilft der Humor gut über die Runden zu kommen, denn die Dialoge sind zwar schlicht, bieten aber schon viel Wortwitz und man sollte sich auf zahlreiche Schimpfworte einstellen. Was es mit diesem seltsamen Gewehr auf sich hat und warum Jonah King trotz seiner übernatürlichen Kräfte fast von Piper verprügelt wird, entzieht sich der Logik. Im Showdown nach Schema F, wird schon die Grundlage für eine eventuelle Fortsetzung gelegt.

Keine Frage, "Drive Angry" ist anspruchslose Krawumm-Unterhaltung auf niedrigstem Niveau, Laune macht der Film aber absolut. Der teilweise schwarze Humor und die brutale Action übertünchen den Alibiplot und die Darsteller leben in ihren schrägen Rollen richtig auf. Was jedoch stört sind ein paar ganz miese Effekte, die so wirklich nur der Trashfan duldet.

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