"Fahr zur Hölle!"
Milton (Nicolas Cage) ist auf der Jagd nach dem Sektenoberhaupt Jonah King (Billy Burke), der für die Ermordung von Milton's Tochter verantwortlich ist und ihren Nachwuchs für ein Ritual gefangen hält. Nur drei Tage bleiben ihm, bis der Fanatiker bei Vollmond auch seine kleine Enkelin opfern will. Auf seiner Suche begegnet Milton der attraktiven Kellnerin Piper (Amber Heard), die ihm eine vorübergehende Mitfahrgelegenheit im Sportwagen ihres kürzlich verlassenen Ex-Freundes gewährleistet. Durch die Ermordung diverser Anhänger der Sekte ist Milton die Polizei auf den Fersen. Ebenso ein ominöser Mann (William Fichtner), der sich stets als Buchhalter vorstellt.
Bei der Rollenauswahl hat Nicolas Cage nicht immer ein glückliches Händchen. Nach dem Jahre 2005 hat sich der Schauspieler durch seinen Faible für lautes, debiles Popcornkino seinen ehemals guten Ruf Stück für Stück ruiniert. Obwohl sich Cage's Darstellung in "Drive Angry" sicher nicht als abwertend bezeichnen lässt, ist auch dieser Film nur ein weiterer Sargnagel in seiner schauspielerischen Reputation.
"Drive Angry" verfügt über eine selten gesehene Dämlichkeit, die den ganzen Film durchzieht. Was zunächst wie ein, zwar wenig origineller, aber zumindestens nachvollziehbarer, Rachefilm beginnt, entwickelt sich mit zunehmender Laufzeit zu einem immer sinnfreieren Debakel. Nicht nur, dass der Film Haken um Haken in die falsche Richtung schlägt und sich so immer weiter in die Bedeutungslosigkeit verabschiedet, auch mangelt es an jedem Gespür für entscheidende Storytwists.
Selbst für einen Vertreter aus der Grindhouse Fraktion ist die grenzdebile Handlung fürchterlich an den Haaren herbeigezogen. Zu unfokussiert und künstlich wirkt das Geschehen um eine handvoll Stereotypen, die zwar interessant erscheinen, jedoch keine Dynamik entwickeln und dauerhaft blass bleiben.
"Drive Angry" ist klar ausgedrückt ein Männerfilm mit willigen Frauen, dicken Wummen und flotten Autos. Das Testosteron geschwängerte Filmungetüm könnte eigentlich in einer Liga wie "Machete" mitspielen. Stattdessen erinnert es aber eher an einen Road-Movie, der sich beliebiger Szenen aus "Ghost Rider“, "Nur noch 60 Sekunden“ und "Shoot ’Em Up“ bedient. Dies völligst ohne Niveau und einem Trashfaktor, der selbst hart eingesessene Fans vertreiben könnte.
Besonders actionreich ist "Drive Angry" nicht. Zu einem großen Teil quält der Film den Zuschauer mit unausgereiften Dialogen, die sich mit zunehmender Laufzeit unpassender Sentimalitäten bedienen.
Wenn es dann doch mal ordentlich kracht, ist die Technik nicht mal auf Höhe der Zeit. Die digitalen Effekte könnten aus den 90ern stammen, wirken holprig animiert und visuell ernüchternd. Die Inszenierung der Actionszenen langweilt durch vermissende Höhen und kann nur durch ein paar Extremitäten, in Form von abgetrennten Körperteilen und klaffenden Wunden, überzeugen.
Vielleicht sind es gerade die so offensichtlichen Fehltritte des Films selbst, die die Darsteller in einem besseren Licht stehen lassen. Gerade William Fichtner ("Equilibrium", "The Dark Knight"), dessen Präsenz stets eine ausgereifte Nebenrolle bedeutet, sticht mit seinem seriösen Schauspiel aus der trashigen Riege heraus. Die Kurzauftritte von David Morse ("The Green Mile", "The Rock") sowie Tom Atkins ("Die Klapperschlange") erheitern das Gemüt, während Nicolas Cage ("Kick-Ass", "Next") seine Rolle mit augenzwinkerndem Humor und ironischen Anflügen beflügelt.
Immens blass dagegen stellen sich Billy Burke ("Twilight"-Reihe) und Amber Heard ("Zombieland") zur Schau. Letztere hält zumindest einen einprägsamen visuellen Stil, auch wenn sie wohl die einzige Dame ist, die im Film die Klamotten an behält.
"Drive Angry" kann nur durch Schauspieler und interessant gestaltete Charaktere kurzweilig unterhalten. Den Actionszenen mangelt es an Dynamik sowie Höhen, den digitalen Effekten an aktuellen Standards. Aufgrund der belanglosen Handlung und den dämlichen Dialogen ist der immens trashige Film wohl nur für Hardcore-Fans, denen es nach Abwechslung dürstet, interessant. Knappe...
3 / 10