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Ich hatte ja schon davon gehört, dass der einstige Oscar-Gewinner und Big-Budget-Action-Star der 90er, Nicolas Cage, seit Jahren nur noch belanglose Massenware herunterkurbelt (im Gegensatz zu Seagal, Snipes und co. immerhin noch mit Kino-Release..), bei der die spannendste Fragestellung jeweils ist, welche Abgründe des Grauens seine wild wechselnden transplantiert-gefärbten Frisuren-Kreationen erreichen ...
Ich selber hatte aber noch keinen dieser Filme gesehen - bis jetzt ...

Die zwei wichtigsten Punkte zu "Drive Angry" vorab:
Cage trägt hier eine missglückte Surfer-Matte (luftig, strähnig-blondiert, aber zu kurz..), die als Kontrast zu seiner schwarzen Kleidung leuchtet wie eine Laterne - Mission: "bad hair film" erfüllt!
Und: Der Film wurde als moderner Grindhouse bezeichnet. Das trifft es gut und ist, angesichts des blass-farbigen 70er-Jahre-Looks, auch offensichtlich so beabsichtigt. Angefangen mit der 1. Szene, in der Cage im Flitzer aus einem (kreativ überschaubar designten) Höllen-Szenario flüchtet (um seine Enkelin aus der Gewalt einer Satanssekte zu befreien!), bietet der Film Muscle cars, Knarren und Vollweiber am Laufmeter, verpackt in einem äusserst trashigen Gewand, mit einem soliden Härtegrad und einigen offensichtlichen "3D-Szenen" (einmal fliegt nach einer Explosion ein Unterkiefer direkt auf den Zuschauer zu..) Over-the-Top-Action-Szenen, bei denen die Helden, ohne mit der Wimper zu zucken, die heftigsten Schiessereien überstehen (Höhepunkt hier: eine kombinierte Sex- und Ballerszene!), sind Geschmacksache, mir gefallen sie weniger, weil sie mir eine Identifikation mit dem Geschehen noch mehr erschweren als in (Hollywood-)Filmen ohnehin üblich. Hinzu kommt hier beim Protagonisten der ""The Crow"-Faktor" - seine Unsterblichkeit, die ihn eben auch langweilig unantastbar macht.
Mit dem Cage der jüngeren Vergangenheit darf man natürlich seine Probleme haben. Den Charakterkopf (minus Horror-Frisuren) und das Schauspiel im Automatik-Modus für diese Sorte Rollen hat er aber, so auch hier. Von Amber Heard als (vermeintlichem) It-Girl kannte ich bislang nur den Namen - sie hat durchaus Charisma und ist erst noch blond und hier damit auch am richtigen Platz. Billy Burke als Sektenführer hat bei mir aufgrund seiner bekannten Rolle als fürsorglicher "Twilight"-Daddy ein grundsätzliches Image-Problem als Bösewicht. Und Allzeit-Nebendarsteller William Fichtner ist schräg und selbstironisch genug, um einen ordentlichen Abgesandten der Hölle abzugeben.
Fazit; ein gekonnt auf Old-School getrimmter Streifen, in der Tradition der Grindhouse-Filme, nur mit ordentlich Budget, und mit allen positiven (Unterhaltung pur) und negativen (Trash pur) Konsequenzen.
Trotzdem hätte ich mir aus Cages Spätwerk wohl lieber Werner Herzog's hochgelobten "Bad Lieutenant" ausgesucht ...

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