Review

Nicolas Cage liegt komplett angezogen, aber mit offener Hose auf einem abgegrabbelten Motelbett, eine läufige nackte Kellnerin reitet sich auf ihm zuschanden, während er nebenbei einen Zeppelin von Zigarre schmaucht und aus einer Flasche Jackie nuckelt. Da stürzen bis auf die Zähne bewaffnete Sektenmitglieder ins Zimmer und schießen bzw. hacken drauflos, während er sie in Extremzeitlupe alle wegpustet und kleinmacht, ohne mit der Vögelei mal zu pausieren. Zwischendurch kriegt er es noch mit dem elektrischen Viehtreiber, was der Kellnerin den Höhepunkt verschönt und am Ende liegt das Zimmer voller Leichen. Kann man so einem Film wirklich böse sein?

Man kann.
Wenn man z.B. für diesen Redneck-Trash eine Menge Mücken an der Kinokasse gelassen hat, um ihn notgedrungen in 3D einzupfeifen und einen übernatürlichen Actioner erwartet hat. Stattdessen bekommt man Trailer-Bitches, dumme Sprüche, jede Menge zu Schrott gefahrene Autos und genügend Tongue-in-Cheek-Humor, um drei Burt Reynolds damit abzufüllen.
Spendiert man aber nur drei Öcken für die Videothek, läßt die 3D-Kugeln eher flach denn plastisch sein und gönnt sich zwei Bierchen dazu, dann kann die Sache durchaus genügend Spaß machen.

Cage ist ja längst mittels seiner ABM-Maßnahmen zur Beseitigung der Steuerschulden zum Kultstar in irre schlechten, aber total lustigen Großproduktionen geworden, so daß die Fans im Vorfeld schon auf seine neueste "miese" Filmfrisur achten, um die Chancen auf maximalen Spaß schon vor dem Kino einzuschätzen, aber ich kann ihm irgendwie nicht böse sein, denn erstens läßt er sich nie wirklich hängen und zweitens liefert er stets beachtliches Engagement für die kreative Überwindung - andere "Stars" sind da schon längst in die tiefsten Alkoholikersenken abgetaucht oder fett geworden (Seagal, Madsen, Sizemore).

Und so geht auch dieser "Trash" ab wie die Feuerwehr, angefangen mit Cages Flucht aus der Hölle, bis zur stückweisen Zerlegung dreier Verbrecher, die ihm Informationen über den Verbleib seiner Enkelin geben können, die ein apokalypsenfixierter Sektenprediger als Opfer für die Wiederkehr Satans ausgewählt hat. Binnen 15 Minuten schmeißen wir dann noch das knackige Standard-Hottie Amber Heard als ebenfalls nicht kostverächtende Kellnerin in den Topf und nach einer halben Stunde mit Guns und Cars stapeln sich bereits die Leichen.
Hier soll wenig geredet werden, dafür um so mehr gezeigt, also meucheln und verschrotten wir im Minutentakt und als das definitive Schmankerl obendrauf hat man noch William Fichtner (den neuen König der Nebenrollen, sorry Mr.Walken) engagiert, der als der "Buchhalter" aus den Tiefen des Abgrunds geschickt wurde, um Cage wieder an seinen angestammten Platz zurückzubringen.
Fichtners Rolle läuft fast über vor Augenzwinkern, schicken Onelinern und dem gelangweilten Ausspielen des kompletten Bühnenzaubererrepertoire für Scene Stealers und er liefert jeden seiner Zwischenauftritte mit maximaler Wirkung ab, so daß man immer etwas hat, auf das man sich noch freuen kann.

Der Plot an sich ist so übersichtlich wie selbsterklärend, hängt sich aber endlos daran auf, daß Miss Heard offenbar nicht komplett versteht, daß sie neben einem untoten Höllenkiller sitzt, den Kugeln nur bedingt stoppen können.
Währenddessen versucht Twilight's Best Dad Billy Burke als satanischer Sektenführer die Finsterlingrolle mit Leben zu erfüllen, hat aber mangels echtem Overacting (dafür sorgen schon alle übrigen Figuren ausgiebig) Schwierigkeiten mehr als solide Handarbeit abzuliefern, die am angestrebten "Over the Top"-Gefühl leider etwas vorbei läuft.

So rollt, brettert und sprengt sich der Film in die nächstmögliche Nähe zur aktuellen Grindhousewelle, verliert sich aber zum Ende hin leider in einem Mehr-Masse-als-Klasse-Showdown (ein Fehler, der auch schon in "Machete" nicht so gut ankam), bei dem zwar jede Menge Leute umgebracht werden, aber aus den Augen verloren wird, daß der Witz für Genrefans darin besteht, WIE die Leute umgebracht werden, nämlich langsam, schmerzhaft, graphisch und mit jeder Menge Körperflüssigkeit. Da präsentiert man stattdessen ein paar zusätzliche 3D-Mätzchen, die mit Brille bestimmt prima wirken, aber nicht das einlösen, was das erste Drittel versprochen hat, nämlich geschmacklosen Eskapismus in Reinform. Und mit nackten Brüsten.

Immerhin teilt man noch das Publikum wie das rote Meer, denn per se ist "Drive Angry" für den Oscarpreisträger und seine ernsthaften Fans wie der Untergang des Abendlandes und so verdammt die eine Hälfte den Film in die tiefste Hölle, während der Rest vom Fest gröhlend über die Auslegeware rollt. Dazwischen ist wenig Platz geblieben.
Patrick Lussier mag nicht der definitive Actionregisseur sein, aber für Heimvideospaß sorgt er gemeinsam mit Todd Farmer (als Duo schon mit "My Bloody Valentine" ordentlich am Handwerken) durchaus, wenn man eine Ader für Trailertrash hat und den Anspruch daheim läßt, sein Thema postmodern ironisch brechen zu müssen.
Natürlich ist "Drive Angry" künstlich aufgeblasen und gewollt - aber genau diese namhaften Mimen ausgelassen auf Hollywoods Kinderland loszulassen und sich einen Dreck um die allgemeine Moral scheren zu lassen, macht den Hauptteil des Spaßes aus. (7/10)

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