Und weiter geht es mit der qualitativen Schlittenfahrt rasant in Abgrund der seligen 80er. Nicht dass ihr glaubt, ich würde mir die Verrisse extra aussuchen, ich produziere hier aktuell einfach einen Griff nach dem anderen in die besagte Keramik.
Mein neuester Fund: „Trick or Treats”!
Nein, nicht der bei uns als „Ragman“ betitelte 1986er Film mit dem halbwegs solide Fan-Echo, auch nicht die Anthologie von 2007, nein, dieses Juwel hier ist von 1982 und entstammt direkt den Bremsspuren in der Hose des Beleuchters von „Halloween“, „Das Grauen kommt um 10“ und allen Kevin-Vorläufern, die einem das Nachwuchsproduzieren sicherheitshalber ausgetrieben haben.
Es geht schon gut bzw. schlecht los, wenn ein gewisser Malcolm einfach mal auf der Terrasse zum Frühstück schön öde seine Zeitung lesen will. Seine Gattin, Carrie Snodgrass in einem bitchigen "extended cameo", hat aber andere Pläne und mal zwei Zwangsjackenpfleger bestellt, die auftragsgemäß den Gatten abholen wollen. Der wehrt sich, was zu etwas Slapstick rund um den Pool führt, wird dann aber auf der Basis von gar nichts erst mal in der Klapse kaserniert.
Schnitt nach vier Jahre später und Carrie poppt inzwischen – man glaubt es kaum – David Carradine! Außerdem hat sie auch schon Nachwuchs am Start, eine pummelige Kackbratze namens Christopher. Weil man heute in der Halloweennacht mal die Kuh fliegen lassen will, hat man natürlich eine Babysitterin angefordert. Linda ist zwar schon einige Jahre zu alt für den Job, braucht aber dringend Knatze, was ihrem Freund nicht gefällt, der sie gern für seinen Longfellow im Publikum gesehen hätte (das ist jetzt keine Sexmetapher, er spielt Theater). Dafür will aber Carradines David (dem es beruflich damals nicht so dolle ging) gern gleich mal bei ihr ranlangen, sobald Linda das Haus betreten hat. Alter Schmierlappen!
Während die bekannteren Namen aus dem Film verschwinden, wird Malcolm nach vier Jahren Schach der Rochaden im Aufenthaltsraum überdrüssig und setzt einen irre komplexen Plan frei, um stiften gehen zu können. Denn merket alle auf: die Chose soll nämlich auch noch eine Komödie sein. Nachdem wir also zahlreichen Nutcases beim Grimassieren zugesehen haben, klaut Malcolm einer Nachtschwester Perücke und Komplettoutfit und sagt der Butze Adieu. Was ja noch ganz lustig wäre, hätte er echte Maniac-Tendenzen, doch bis auf weiteres ist er jetzt erstmal der „Trottel-in-Drag“, dem auf den Straßen der Stadt ganz enorm unwitzige Dinge geschehen.
Das alles ist nur in diesem Film, weil man ja 90 Minuten zu füllen hat und die zweiten 30-35 davon kann man dann als Parallelmontage genießen: Malcolms Abenteuer vs Lindas Höllenfahrt. Letztere besteht – na klar – im Babysitting, denn Christopher hat nicht nur zu viel Babyspeck im Gesicht, um sich klar zu artikulieren, er ist auch ein echter Halloweenfan und hat somit auch noch den letzten beschissenen Trick auf Lager, um die blonde Uschi zu nerven oder in Panik zu versetzen, sogar inclusive Fake-Ersaufen im Pool, um einen Kuss abzustauben.
Schlimmer als das Kind ist leider nur Lindas Unfähigkeit, sich länger als 5 Sekunden mal durchzusetzen oder das Blag in der nächsten abschließbaren Speisekammer zu parken. Erschwerend kommt hinzu, dass Jackie Giroux als Linda wie ein Stück Holz spielt, die Holde war nämlich den größten Teil ihrer Karriere hübsch zeigefreudig und hat auch das eine oder andere HC in ihrer Filmografie - aber das war es dann auch an Talent.
Ja, als es mit dem Film und der Geduld dann wirklich langsam zu ende geht (wirklich, ihr müsste euch ein halbes Dutzend doofe Streiche hintereinander anschauen, da gibt’s keine Morde zwischendurch!), kommt Malcolm endlich daheim an. Plötzlich ist er nicht mehr ein ungeschickter Trottel, sondern endlich ein halbgarer Maniac, der es wohl nur deswegen schafft, Linda für seine Frau zu halten, obwohl da null Gemeinsamkeiten bestehen. Er schafft es tatsächlich dann doch noch, jemanden umzubringen (nicht, dass man viel davon sieht) und kann dann in der Kevin-typischen Saalschlacht bezwungen werden, ehe es noch einen total unlustigen Schlussgag gibt.
Damit geht dann ein von vorne bis hinten öder, gar nicht lustiger und noch weniger blutiger Comedy-Slasher zuende, der der Legende nach zwei Tage vor Halloween 1982 in ein paar US-Kinos kam und vermutlich drei Tage später wieder abgesetzt wurde, um dann ein Leben auf VHS zu fristen. Wenn etwas solide an dem Film ist, dann ist es die Ausstattung des Hauses, wo das Meiste spielt, an der Klapse scheitern die Macher aber schon auf ganzer Linie. Da es da draußen ganz viele Kevins und seine Fans unter uns gibt, spendiere ich allen Liebhabern von Babysitter-Verarsching einen zweiten Gummipunkt, möchte aber bis zu meinem Ableben von nun an mit diesem Film nicht mehr behelligt werden. Buh! (2/10)