Review

Vernachlässigenswertes drittes Mitglied der Television Broadcasts Ltd. (TVB) / Shaw Brothers Kollaborationen nach Turning Point und 72 Tenants of Prosperity [und vor Perfect Wedding], dessen Massenappeal weniger durch die eh rar gesäten Verweise auf das ehrwürdige Filmstudio als vielmehr der Zugkraft des Fernsehsenders entspringt. Auch The Jade and the Pearl leistet seine preiswerte Selbstauskunft direkt aus der Mattscheibe ab, wirkt die meiste Zeit eher wie ein Serienspecial zur besten Sendezeit oder einem Pilotfilmprojekt für Zukünftiges als wie tatsächlich Großes Kino und kann selbst in dieser Referenz eine gewisse Durchschnittlichkeit und arge Beliebigkeit nur schwer täuschen.

Obwohl mit einem gesunden Mittelmaß in allen Ehren, der angestrebten Kommerzialität durch seichtes Einerlei mit einer Handvoll omnipräsenter Jungsternchen und einem beliebten period piece Setting versehen, gelingt es dem angedachten Remake von Romance of The Phoenix Chamber aka The Princess in Distress [ 1962 ] nicht, sich selber eine besondere Bedeutung zu geben. Als Romantische Komödie oft unnatürlich wirkend und mit einer Last an Klischees und Vorhersagbarkeit beladen, gestaltet man sich die meiste Zeit meist kindischer als es selbst für dieses sowieso schon jegliche Spitzen und Grobheiten vermeidende Genre Not tut; ein riesiges Spielgelage voll aufgeblasenen Nichtigkeiten, die einen eher langweiligen Geschmack seiner gastgebenden Macher gewahr werden lässt. Die Prämissen sind die Liebesgeschichte, ein buntscheckiger Kostümentwurf, die Landschaft der Provinz Hebei mit ihrer Hirtenaura, und ein paar lauschige Melodien:

Beijing, China.
Prinzessin Yan [ Charlene Choi ], eine der Dutzend Töchter des Emperors [ Ti LUng ], wird nach dem Benimm-Training bei seinen Eunuchen Sir Yang [ Chapman To ] und Sir Zhang [ Carlo Ng ] mit einem weit entfernten westlichen Königshaus und dessen Vertreter verheirat. Die Antrittsreise soll durch den frisch zum General gekürten Cheng Qian [ Raymond Lam ] und dessen Leibwache Tiger Chan [ Lam Suet ] und Panther Chan [ Wong You-nam ] begleitet und beschützt werden. Aufgrund eines vorherigen Missverständnisses können sich due Adlige und der Militär allerdings nicht leiden, was durch die länger andauernde Reise jedoch schnell in das Gegenteil umgekehrt wird. Bevor sich das vorsichtig annähernde Paar gänzlich miteinander vertraut machen kann, werden sie durch einen Überfall der Banditenführerin San Niang [ Joey Yung ] und ihrer Sidekicks Ava [ Steven Cheung ] und Tar [ Tats Lau ] auch schon wieder getrennt. Während Er der ebenfalls entflammten San Niang gegen die feindliche Konkurrenz von Bandit Wingold [ Chau Chi-ho ] beistehen soll, gerät Sie mit Gedächtnis- und Identitätsverlust geplagt an den mittellosen Geschichtenerzähler Ling Kam-hoi [ Wong Cho-lam ].

Waren schon die gemeinsamen Regiearbeiten von dem hier nur für das Skript verantwortlichen Chan King-kar und seiner bisherigen assistierenden, nun erstmal die alleinige Aufsicht führenden Partnerin Janet Chun wie La Brassiere, La Lingerie und La Comédie Humaine alles Andere als mutige oder gar gröbere Filme, so vertraut man hierbei gleich komplett auf längst vorgegebene Geschichtsbildung, Personenstellung und dieselben dramaturgischen Verhältnisse. Basierend auf einer Chinesischen Oper, dafür allerdings nur zu Beginn und angesichts all der versammelten Sänger[innen] überraschend sparsam mit einer Sing- und Tanzeinlage auftretend, verhält man sich als ein überaus allgemein gehaltenes Gebrauchsgut, ohne Abänderung der seit Jahrzehnten bekannten Indexe. Der Part mit der Amnesie als ein genauso alter Hut wie das erste cross-dressing Missverständnis der Geschlechter und das anfängliche "Was sich neckt, das liebt sich", woraus auch aus der denkfaulen Zusammenstellung all der bewährten Konstanten kein lebendig Einzigartiges entsteht. Die Wahl der Materie und der Drehort im Studio und im Norden der Volksrepublik China als Zuflucht aus der tristen Gegenwart, als friedvolles Auffangbecken der Träume zeitgerecht zum Qixi, dem Fest der Liebenden, der chinesischen Variante des Valentinstages,  wobei das hiesig anwesende Ensemble nur noch bunter und gleichzeitig in kleinerer Manier als üblich und das Setting entsprechend dem Anlass noch harmloser in seiner weichen Konsistenz und wie geschaffen für alle Sechs- bis Zwölfjährigen ist.

Möglichst blasse Farben sorgen für eine speziell beseeltes Ambiente, ein Zeitraum des relativen Friedens und der Stabilität, wie in einer anschmiegsamen Daunendecke gefangen. Die Hauptdarsteller ähnlich blass, aber wenigstens jung und optisch makellos; schöne Menschen mit unnatürlich unreifen Charakter, die sich der ähnlich gegenstandslosen Mär um Prinzessinnen – dem Traumziel aller Kleinmädchen – , dem Ritter auf dem weißen Pferd und [gar nicht so] bösen Banditen unterwerfen. Wenigstens ist die Inszenierung der populären, hier aus dem Kostümfundus eines Faschingsverleihs ausstaffierten Volkskultur adäquat gefällig, unaufgeregt, wie nebenher anvertraut, und geht verbindlich seiner Arbeit als friedfertiger Unterhalter ohne bösartige Absichten oder überhaupt einem Streben nach Mehr nach; auch wenn mit der erst parallelen, später nach umrahmenden Verbindung der Geschichte-in-Geschichte, aufgrund des erst teilnehmenden und später dann zusammenfassenden Erzählers Ling durchaus einige interessante Ansätze auch verschiedener Medien gegeben werden. Ansonsten knapp bemessen im Ausbau und ohne fruchtbares Genie, dafür mit züchtigen Küssen, Schlachten mit Waffen aus Plaste und Aluminium und anderen infantil pittoresken Szenenbildern, deren Hauptgeschmack so ganz auf zierlich und anmutig und irgendwie bunt zusammengewürfelt, aber dafür nicht so verkrampft wie die Konkurrenz um Wong Jing zugeht. Selbst die Lacher in dieser geselligen Sandkasten-Stimmung sind eher schüchterner Natur, ein paar übliche, ab und an mild pikante Verwirrnisse um Echt und Falsch und Wahrheit und Trugschluss.

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