Review

Gesamtbesprechung

Die Produktionsschmiede Bones, welche sich unter anderem für Topserien wie Wolf´s Rain oder Full Metal Alchemist verantwortlich zeichnet, liefert nun mit Gosick ein weiteres faszinierendes Serienspektakel ab. Was die Wucht und Intensität dieses Werks angeht, so dürfte Gosick in der nächsten Zeit seines Gleichen suchen.
Basierend auf dem gleichnamigen Light Novel von Kazuki Sakuraba, erzählt die Serie eine unglaublich facettenreiche Geschichte, die es stets weiß den Zuschauer auf eindrucksvolle Art und Weise zu begeistern.
Die Handlung um eine kleine Meisterdetektivin, ist im fiktiven europäischen Staat Sauville um 1924 angesiedelt. Knapp 10 Jahre ist es her, da mussten die Menschen in Europa die Schrecken des ersten Weltkrieges  überwinden. Nun, einige Jahre nach dem Kriegsende, sieht man dem nostalgisch anmutenden Königreich Sauville diese tragische Vergangenheit gar nicht mehr an. So gesellen sich passender Weise zu den wunderschönen Klängen des Soundtracks, malerisch schöne mittelalterliche Städtchen. Dennoch scheint sich hinter der vornehmen Fassade ein dunkler Schatten zu verbergen.  So erzählen sich die Menschen im Lande auffallend viele Geistergeschichten. Wie sich herauskristallisiert liegt diese Affinität zum Obskurantismus vor allem in der geheimnisumwitterten und düsteren Vergangenheit des Königreichs begraben.
Nur ein genialer Geist wäre dazu imstande, das Mystische zu entzerren um einen klaren Blick auf die vergangen Geschehnisse zu schaffen. Und an dieser Stelle kommt die eloquente aber auch zeitweise energische Detektivin Victorique de Blois ins Spiel. Diese lebt sehr zurückgezogen im Turmgewölbe der Schulbibliothek und verschlingt ein Buch nach dem anderen. Weitere Markenzeichen ihrer Person sind ihre viktorianischen Kleider, sowie eine Porzellan-Pfeife die sie  mit sich zu tragen pflegt.
Eigentlich ist die Gute auch gar nicht daran interessiert die nebulösen Hintergründe jener Geistergeschichten zu enträtseln, wäre da nicht der neue Austauschschüler Kazuya Kujô. Der junge Japaner mit strenger elterlicher Erziehung, schafft es immer wieder durch seine eher unbekümmerte Art, die anfangs kühle Victorique zunehmend aufzutauen, um in ihr die Vollblutdetektivin zu wecken. Und auch schon bald lösen die Beiden gemeinsam die rätselhaften Fälle in und um Sauville. Allerdings soll das Duo die finstere Vergangenheit jener Geistergeschichten eines Tages einholen und so rückt das Unausweichliche bedrohlich nahe.
Gerade nach einem eher konventionellen aber dennoch routinierten Start, entfaltet sich die Geschichte von Folge zu Folge zu einem verflochtenen und kohärenten Gesamtkomplex. Wo anfangs die Schwerpunkte klar auf Krimi/Mystery liegen, entwickelt sich die Serie fortlaufend zu einem sentimentalen Drama, dass niemanden mehr so recht loslassen will. Bereits nach der zweiten Episode hat der Zuschauer Blut geleckt, so interessant und vielversprechend wirken die Kriminalfälle. Zudem dürfte zweifelsohne jeder dem unnachahmlichen Charme der beiden Hauptdarsteller erliegen. Diese wurden unglaublich detailliert herausgearbeitet und funktionieren im Gespann einfach nur brillant. Während die intelligente aber dickköpfige Victorique durch ihr oftmals merkwürdiges Verhalten für groteske Situationskomik sorgt, gibt Kazuya eher den liebenswerten Durchschnittstypen ab, der schnell die Sympathien der Zuschauer auf seiner Seite hat. Da das ungleiche Paar unterschiedlicher nicht sein könnte, kommt es gerade Anfangs eben auch zu kleineren Missverständnissen. Doch im Verlauf der Zeit verbindet die Beiden ein unzertrennliches Band. Allerdings wird ihre Beziehung im Laufe der Geschichte auf unbarmherzige Weise mehrmals auf die Probe gestellt. Natürlich fiebert der Zuschauer schon von Anfang an mit den Beiden mit, doch gerade im letzten Drittel entwickelt sich durch die dramatischen Ereignisse eine melancholische Stimmung, die den Zuschauer förmlich mit Eisenketten vor den Bildschirm spannt und bannt. Ein permanentes Weiterschauen bis zum Schluss ist für den Betrachter daher unabdingbar, da sonst mit einer garantierten Schlaflosigkeit gerechnet werden muss.
Also um es noch einmal genau auf den Punkt zu bringen. Von der Handlung und Dramatik ist Gosick wirklich auf ganzer Linie richtig großes Kino und zählt für mich schon jetzt zu den besten Serien aller Zeiten.     
Ja und auch aus technischer Sicht kann man Bones für ihr neues Glanzstück wieder einmal ein großes Lob aussprechen. Die Animationen sind auf der Höhe der Zeit und auch die Hintergründe sind traumhaft schön gezeichnet. Für den Animefan gibt es also jede Menge zu entdecken und zu bestaunen. Wie bereits weiter oben erwähnt, sind gerade die mittelalterlichen Städtchen ein echter Hingucker.
Was den Soundtrack angeht, so trägt er mit seinen klassischen Klängen ebenfalls zum hervorragenden Gesamtbild der Serie bei. Gerade in den dramatischen Momenten vermag er es, den Zuschauer wirkmächtig in ein ebenso tiefes emotionales Loch zu ziehen wie seine Protagonisten in eben solchen Szenen auch. Für den geneigten Fan von Dramatik, ist Gosick also wahrlich eine Wonne.

Aber nun, nach all den positiven rühmenden Worten sollten nun die Schwächen folgen. Doch gibt es diese in Gosick wirklich?
Nun, es ist mir an dieser Stelle tatsächlich unmöglich auch nur einen Kritikpunkt an Gosick auszumachen. Das dargebotene ist ohne Übertreibung ein Sinnbild für die filmische Perfektion. Selten war ich nach dem Schauen einer Serie so aus dem Häuschen wie hier.
Also, Gosick ist nicht nur eine atmosphärisch dichte Kriminalserie, sondern vereint in sich auch ein bewegendes Drama. Für alle Serien- und Animefreunde möchte ich an dieser Stelle ganz klar die Pflicht zum Schauen aussprechen. Aber jetzt habe ich genug geschwärmt...

Fazit:
Gosick gehört zu jenen Serien, die ihre Zuschauer schon nach kürzester Zeit fest im Griff haben. Von der wunderbaren Handlung bis hin zum phänomenalen Soundtrack, bietet die Serie wirklich alles was das Herz eines  Filmfans höherschlagen lässt.

Abschließend frei nach Victorique de Blois: Die Bruchstücke des Chaos haben sich nun endlich zusammengefügt und ergeben unterm Strich klare 10/10 Punkte..

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