Mit dickem Bauch und sichtlich alt geworden quälte sich Tom Berenger vor sieben Jahren durch "Sniper 3", in "Sniper: Reloaded" ist er gar nicht mehr zugegen. Dafür wieder Billy Zane (Das Phantom, Bet Your Life), wer das Original von Luis Llosa aus dem Jahr 1993 gesehen hat, kennt seinen Charakter Richard Miller. Hier verkörpert er allerdings keinen Rookie, sondern Miller hat sich zum Sniper-Ausbilder gemausert und nimmt nun Becketts Sohn Brandon (Chad Michael Collins) unter seine Fittiche.
Und Drehbuchautor John Fasano (Und wieder 48 Stunden, Universal Soldier - Die Rückkehr) ist hier durchaus etwas eingefallen, besonders was die brisante Situation im Kongo angeht. Leider geht man zu wenig auf die katastrophalen Zustände im Süden Afrikas ein, die Thematik Kindersoldaten und Aneignung jeglichen Besitzes sind eher Randthemen. So befindet sich Sgt. Brandon Beckett im Kongo, um dort die einheimischen Soldaten richtig auzubilden. Schließlich soll er mit seiner Einheit den Farmer Jean Van Brunt (Rob Fruithof) von seiner Farm evakuieren. Doch dauert lauert schon ein Sniper, der Van Brunt und Becketts ganze Einheit tötet. Der will den unsichtbaren Scharfschützen natürlich auf eigene Faust aufspüren, Ausbilder Richard Miller kommt ihm zu Hilfe.
Die Kulisse ist absolut authentisch, denn gedreht wurde im kostengünstigen Südafrika und hier merkt man auch die vorhandene Erfahrung des Schweizer Regisseurs Claudio Fäh (Coronado, Hollow Man 2). Optisch gibt es hier nichts zu meckern, besonders schicke Natur- und Tieraufnahmen fügen sich gut ein. Doch den puren Kontrast bietet die Gewalt im Land, leider geht "Sniper: Reloaded" kaum kritisch an die Sache heran. Dennoch gefällt die Figur des Jägers Martin Chandler (Patrick Lyster), der nicht nur Beckett das Leben rettet, sondern auch versucht gekidnappte Kinder aus den Händen der Rebellen zu befreien. Doch im Fordergrund steht der Mord an Becketts Einheit, den er vor einem Ausschuss Revue passieren lässt. Doch Kenner der "Sniper"-Reihe ahnen schnell, dass die Übeltäter in den eigenen Reihen zu suchen sind, dennoch ist die Story mit allen ihren Elementen solide Kost, allerdings hätte man sich die Lovestory zwischen Beckett und Lt. Ellen Abramowitz (Annabel Wright) sparen können. Und somit kommen wir zum größten Problem des Sequels, womit auch schon alle Vorgänger zu kämpfen hatten. Es ist einfach zu wenig Action vorhanden, nur dank der ordentlichen Story kommt man hier sauber über die Runden.
Die rar gesähten Shootouts sind ordentlich gemacht, bei fast jedem Einschuss suppt das Blut, im Finale darf sogar mal ein Kopf platzen. Dabei ist der gering gehaltene Einsatz der Handkamera eine gute Idee, denn so fühlt man sich, als wäre man mittendrin. Richtige Höhepunkte lässt die Action allerdings komplett vermissen und das finale Duell Beckett gegen den bösen Sniper ist nicht gerade überzeugend. Gerade zu lächerlich, auf was für Lappalien der Profi reinfällt und auch Millers Abgang will man nicht so recht verstehen. Aber ansonsten überzeugt die Machart der Shootouts, der Bodycount kann sich sehen lassen, aus Kostengründen muss man auf Explosionen fast ganz verzichten.
Chad Michael Collins in seiner ersten Hauptrolle schlägt sich recht wacker, kommt aber gegen einen charismatischen Billy Zane nicht an. Die restlichen Rollen sind mit mehr oder minder unbekannten Mimen besetzt, die sich alle gut aus der Affäre ziehen. In diesem Punkt kann man "Sniper: Reloaded" keine Vorwürfe machen, allerdings dürften wir uns hinterher einig sein, dass hier deutlich mehr hätte drin sein können.
Wie bei den Vorgänger mangelt es hier an Action, leider so gravierend, dass im Endeffekt nicht mehr als der Durchschnittsbereich drin ist. "Sniper: Reloaded" ist optisch sehr ansprechend, von der Machart her auf gutem Niveau und die Geschichte ist solide. Die wenigen Actionszenen können sich auch sehen lassen, trotz fehlender Höhepunkte, aber sie reichen eben nicht aus. Berührungsängste braucht man trotzdem nicht zu haben, weil schon das Original war kein Knaller.