Review

Startschuss von Regisseur Claudio Fäh im Auftrag von speziell Stage 6 Films zum wortwörtlichen 'Wiederladen' der bereits ein Jahrzehnt zuvor mit Sniper 3 (2004) für beendet geglaubten Sniper-Reihe; welche hiermit und den Erfolg auch bestätigenden Fortsetzungen in schöner Regelmäßigkeit neues Leben und wahrscheinlich nachwirkend gar einen besseren Ruf als ehedem angedacht erhalten hat. Die bereits zwei Jahre zuvor angedachte Verjüngungskur wurde durch die Einführung einer neuen Figur im Zentrum des Geschehens (und eine Veränderung des ehedem geplanten Fokus nach der Absage von Tom Berenger) erreicht, welche sich die Aufmerksamkeit allerdings mit den (später auftauchenden beiden) Veteranen des Originals teilen muss, wodurch gleichzeitig auch die Tradition bewahrt wird und eine mittlerweile über ein Vierteljahrhundert andauernde Produktionsgeschichte. Fäh, der hier auch produziert und für den siebenten Teil Sniper: Ultimate Kill a.k.a. Sniper: Homeland Security (2017) verantwortlich ist, hat das gesamte Projekt für 2.5 Millionen USD und damit für die Hälfte des ersten DtV Sequels Sniper 2 (2002) und maßgeblich für die Einschränkung des auch zukünftig niedrigen Finanzrahmens von allerhöchstens 3 Mio. USD inszeniert:

Im Dienste der Friedenstruppen der Vereinten Nationen unter Col. Ralf Jäger [ Richard Sammel ] im Kongo stationiert, bekommt Sgt. Brandon Beckett [ Chad Michael Collins ] den Auftrag, zusammen mit seiner Einheit und den einheimischen Truppen von Captain Sporo Ngoba [ Khulum M. Skenjana ] den Plantagenbesitzer Jean van Brunt [ Rob Fruithoff ] wegen der angespannten Lage zu evakuieren. Noch vor Ort werden die Männer von einem Scharfschützen unter Beschuss genommen, Beckett nur mühsam vom zufällig in der Gegend anwesenden Großwilderer Martin Chandler [ Patrick Lyster ] gerettet und erst später auch van Brunts versteckte Tochter Kelli [ Kayla Privett ] entdeckt. Beckett, der in seiner Umgebung ab da einzig nur noch Lieutenant Ellen Abramowitz [ Annabel Wright ] vertraut, lässt sich nach ersten Bedenken vom eigens aus den Staaten eingereisten Instruktor Richard Miller [ Billy Zane ] unter die Fittiche nehmen.

"I'm a Marine. I came into this world kicking and screaming, covered in someone else's blood. I have no problem going out the same way."
Gerade rückwirkend und mit dem Kenntnis- und Wissensstand von heute und dem bislang letzten Teil Sniper: Assassin's End (2020) ist die angestrebte Erfrischungskur hier tatsächlich mehr als auffällig und auch erstaunlich konsequent gesetzt; der neue Charakter des Brandon Beckett und seine Verkörperung durch den damaligen (und auch später weiteren) Hallmark - Darsteller Collins wirkt selbst im Vergleich zu dem Nachfolger Sniper: Legacy (2014) optisch schon wie ein glattrasierter Bubi und auch noch wie ein ganz anderer, eher ein von dem Beruf und der Berufung begeisterter als wie später öfters nachfragender Mensch. Auch der Film selber nimmt seine (einmalig bleibende) Kulisse mit Südafrika als Umgebung für eine Andersartigkeit des Ganzen, wird sich kommend bald vermehrt an den (Dreh)Orten des Ostblocks herumgetrieben oder anderes ungemütliches und karges Terrain statt wie hier mit unschuldigen Postkartenaufnahmen eines fernen Kontinents durchquert. Action, Abenteuer, Exotik, Esoterik und auch etwas Erotik, in einem grob militärischen Rahmen, dargereicht in einer Rückblende, die mit einem tödlichen Schuss endet und dann zum Anfang mehrere Tage zuvor springt.

Eine geplante Extraktion, die heillos schiefgeht, wo ein Scharfschütze bloß aus sicherer Entfernung und vor allem auch aus einem Unterschlupf heraus einen ganzen Trupp Soldaten nacheinander und wie in Seelenruhe ins Visier seiner Kugeln und als Objekt für seine Schießübungen nimmt. Blut spritzt aus verursachten Wunden, aus Kopf- oder Brusttreffern oder aus perforierten Halsschlagadern, das Gelände bietet eingangs wenig bis gar keine Deckung und dann nur einen Verhau, welcher dennoch nach zu vielen Seiten offen und einsehbar und für den Fachmann hinter dem Zielfernrohr mehr Einladung als Gegenwehr ist. Erst ein Massaker, dann eine Belagerung, dann der Versuch einer Flucht und ab da an ist alles anders als zuvor und wird die eigentliche Geschichte einer Veränderung erzählt.

Der Schauplatz ein ehemaliges Kolonialgebiet, der Ort eines Eroberungs- und Unterdrückungs- und Ausbeutungskrieges, bevölkert von Einheimischen, die überleben versuchen, von Aufständischen, von Rebellen, von Wildjägern, die ihr Vergnügen suchen und von Raub- und Wildtieren, die den Menschen beim gegeneinander kämpfen und beim Sterben zu sehen. Fäh bebildert dies mit vielen touristischen Panoramaaufnahmen, vor allem auch mit zahlreichen und bald repetitiven Flora- und Faunabildern wie aus dem Safaripark Stukenbrock; helfen tut die Anwesenheit von Zane, einige markige Dialoge dessen, das Bemühen der Produktion, etwas Neues zu schaffen und sich dennoch am Vorbild zu orientieren, eine unvermittelte Splattereinlage und ein schwül-verschwitzes Ambiente. Die überschaubaren drei Actionszenen selber wirken anders als bei späteren Erzeugnissen zwar ab und an detailreicher im Nutzen von speziellen Einstellungen und Methoden, von Zeitlupen, von Third-Person-Perspektive, auch Schrägsichten oder extreme close-ups, deren Montage zuweilen aber noch gekünstelt bis amateurhaft scheint und nicht so 'sicher' wie in den Fortsetzungen sind; auch darstellerisch und dramaturgisch wird hier noch geübt und bislang spürbar probiert.

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