Michael Shannon spielt einen Arbeiter, der mit seiner Frau und seiner taubstummen Tochter in einer Kleinstadt lebt und ein Leben führt, das man wohl als durchschnittlich bezeichnen kann. Zumindest bis ihn Visionen zu quälen beginnen. Er sieht schwarze Wolken am Himmel, einen aufziehenden Sturm, sich selbst und seine Liebsten ums Leben kommen. Einerseits wird er nun von der Angst beherrscht, wie schon seine Mutter, an einer Schizophrenie zu erkranken, andererseits glaubt er tatsächlich, dass ein Sturm aufziehen wird und beginnt unter anderem, einen Bunker zu bauen. Dabei distanziert er sich zunehmend von seiner Familie.
Bei einem flüchtigen Blick auf die Inhaltsangabe erscheint "Take Shelter" wie ein Psychothriller oder gar ein Horrorfilm in der Art von "Final Destination", aber um einen solchen handelt es sich definitiv nicht. Vielmehr ist der Film ein ruhiges Drama über einen Mann, der nicht so recht weiß, ob er krank ist oder ob tatsächlich ein Sturm kommen wird, der Angst hat, seine Familie bei einer Naturkatastrophe zu verlieren und in den Augen seiner Umwelt vollkommen irrational handelt, um dies zu verhindern.
Die Geschichte hat dabei durchaus Substanz und überzeugt über weite Strecken hinweg auch erzählerisch. Langsam werden die Visionen und Alpträume des Protagonisten angedeutet, die Wahnvorstellungen halten Einzug in das kleine Familienidyll. Dabei gibt es zunächst nicht viel mehr zu sehen als ein paar ungewöhnliche Wolkenformationen, einen Sturm in der Ferne und Alpträume, die aber erst einmal nichts mit dem Sturm zu tun haben. Der Protagonist reagiert darauf anfangs nachdenklich, nicht panisch. Erst mit zunehmender Dauer beginnt er, seinen Visionen Glauben zu schenken, zumal sich die Hinweise auf einen Sturm verdichten, wobei ihm auch der Schlafentzug zu schaffen macht. Seine Frau merkt schnell, dass etwas nicht stimmt.
Statt mit seiner Frau zu sprechen, begibt er sich in ärztliche Behandlung, noch glaubt er an ein psychisches Leiden, an dem seine Mutter einst erkrankte, weswegen sie in einem Heim lebt. Andererseits beginnt er aber auch, einen Bunker zu bauen, um sich vor dem Sturm zu schützen. Er kann seine Träume nicht einordnen, weiß nicht, ob es Wahnvorstellungen oder tatsächlich Visionen sind. Die Angst vor dem Sturm wird immer intensiver, weswegen er seinen Job und seine Ehe aufs Spiel setzt.
Bei der Umsetzung macht Regisseur Jeff Nichols einiges richtig, aber auch vieles falsch. Er steigert Visionen, Dramatik und Spannung sehr langsam, lässt den Träumen, der düsteren Grundstimmung und dem guten Cast Zeit, um eine gewisse Wirkung zu entfalten, erzeugt so aber natürlich auch die eine oder andere Länge. Die Alpträume werden dann nach und nach etwas zu drastisch, kommen zu häufig vor und verlieren daher ein wenig ihre beunruhigende Wirkung, während die Atmosphäre durchaus gespannt bleibt. Das Geschehen dreht sich aber auf der Stelle, der Unterhaltungswert sinkt zunehmend. Das Ende zieht sich dann ebenfalls etwas zäh in die Länge, zumal Nichols es weiterhin mit den Alpträumen übertreibt, sodass das Psycho-Drama mitunter doch ein wenig übernatürlich daherkommt, weswegen es kaum noch fesselt.
Lobend ist sicherlich noch der Cast zu erwähnen. Michael Shannon, der für "Zeiten des Aufruhrs" bereits eine Oscar-Nominierung erhielt, spielt den leidenden Protagonisten glaubhaft und überzeugend. Besonders wenn Alpträume und Visionen die Hauptfigur quälen, spielt Shannon eindringlich und fesselnd. Daneben gibt es eine ebenfalls vollkommen überzeugende Jessica Chastain zu sehen, die sich später unter anderem mit “Zero Dark Thirty“ einen Namen als Charakterdarstellerin machen konnte.
Fazit:
"Last Shelter" ist das gelungen konstruierte Portrait eines Mannes, der von Alpträumen und Wahnvorstellungen geplagt wird und an seinem Verstand zu zweifeln beginnt. Hervorragend gespielt, aber sehr zäh erzählt, verrennt sich der Film ein wenig zu sehr in den Psychosen der Hauptfigur und kommt so letztlich nicht übers Mittelmaß hinaus.
60%