„Von drauß´ mit dem Zuge kommt er her,
Ich muss euch sagen, es blutet bald sehr!
Allüberall in der Gosse,
Herrscht der Drake, er ist der Bosse!
Gleichgültig lässt er Gewalt und Macht sprechen,
Hobo billgt nichts, er will die Armen rächen!
So kauft sich Hobo eine Knarre,
und ballert gleich los auf den Narre!
So freut euch Kinder, Rutger Hauer ist wieder da!
Und lässt Fontänen schießen, wunderbar!
Ein Fest für alle Action- und Splatterfans,
Ihr braucht hier keine Leichenwagen, sondern Vans!“
Weihnachten – das Fest der Liebe! Im TV laufen dicke Menschen die Dart spielen, McClane rettet zum x-ten Mal die Welt und jede Menge Ice Age – wie öde und same procedure as every year! Da hol ich zur Abwechslung glatt mal ne Partygranate aus dem Zylinder. Die neueste und sickeste Scheiße, die es bisher noch nicht in den deutschsprachigen Raum geschafft hat – „Hobo with a Shotgun“. Sicher bald als nette 20-Min. Cut- Kaufhaus-16er-Version in jedem Media Markt stehen und ganz ganz sicher auch als Mediabook-Verwurstung in Österreich erhältlich sein wird. Aber sei es wie es kommen mag, Rutger Hauer verwandelt diesen Torso eines Drehbuchs in Gold. Denn „Hobo with a Shotgun“ ist kompromisslose, hirnverbrannte und absolut geile Splattergrütze. Garantiert aber nichts für Leute die... eine komplexe Story erwarten oder eine logische Handlung oder einen realitätsnahen Bezug oder diese modernen CGI-Effekte lieben oder ein harmonisches Weihnachtsfest haben wollen. Denn das ist hier Fehlanzeige. Stattdessen gibt´s ordentlich Gekröse, Retro-Feeling, überzogene Charaktere, geile Oneliner, dufte Mucke und Rutger Hauer in Topform. Ab geht die wilde Fahrt!
Was ich diesem Film besonders zu gute heiße, er spielt gleich mit offenen Karten. Nach 5 Minuten spritzt die erste meterhohe Fontäne gen Himmel und in den nächsten 80 Minuten kann die Party endlich beginnen. Schnell wird klar, dass das gesehene mal garnicht „Machete“-Like rüberkommt. Wobei ja nun zwangsweise der Vergleich herrührt, da beide Werke in dem misslungenen aber durchaus interessanten „Grindhouse“-Projekt Erwähnung fanden. Immerhin war „Machete“ mit der interessanteste Streifen im Jahr 2011. Aber wo Trejo aufhört, fängt „Hobo Hauer“ erst an! Mit verstörender Nachwirkung für alle die schon bei Cheech´s „Kreuzigung“ wegschauen mussten.
Herrliches Overacting! Die Bösewichte sind so scheiße schmierig und glänzen durch dumme Dialoge, dass man Hobie lieber selbst die 49,99 in die Pfoten drücken möchte. Die Cops sind korrupt und notgeil, daher nicht besser. Alles fabelhaft überzeichneter Trash. Einen nennenswerten Cast konnte Regie-Jungspund und Debütant Jason Eisener nicht für sich gewinnen. Lediglich eine markige Titelfigur hat es gebraucht, die auf dem Plakat cool ausschaut und einen guten Namen hergibt. Aber halt, Hauer bietet weit mehr als das. Er spielt locker jeden an die Wand. Wobei auch der DRAKE (Superpösewicht) mir sehr gut gefallen hat. Im Schlepptau hat er aber noch (wie Uwe Ochsenknecht) zwei unsäglich nervig-böse Söhne am Hals, die dessen Nachfolge nicht wert sind.
Neben den Fontänen, Ausweidungen und übertriebenen Ballerkalauern, schwappt hin und wieder etwas Story durch. Man dankt quasi für jede freie Minute zum durchatmen. In einer Tour wird geballert was die Flinte hergibt. Erwähnenswert der „Amoklauf“ von Hobo, der in gut 3 Minuten alles abschießt was ihm bisher über den Weg lief und blöd anmachte. Spätestens jetzt weiß man zu welcher Art von Zuschauer man sich zählt und zeigt daher nur eine von zwei Reaktionen:
a) Kopfschütteln und Unverständnis (Lieber sofort aufhören, bevor der Schulbus ins Bild kommt!)
b) abfeiern und sich denken: „Joa, issa heut scho´ Weihnachten?“
Klare Sache, ich gehöre zu B! Die Dialoge sind markig-genial aber nicht selten strunzdoof und versetzen mich in Zeiten als Stallone noch ein Mann und es nicht verpöhnt war kompromisslose Action auf die Leinwand zu ballern. So orientiert sich „Hobo“ auch sehr an diese Sternstundenzeit der Trashaction. Stallone versuchte diese ja zu ehren, mit seinem „Expandables“-Einlauf, der mich eher zum Erbrechen veranlasste mit einem verabscheuungswürdigen Element. CGI!!!
Durch dieses ganze CGI wirkte selbst der vielversprechende „Ninja Assassin“ als einziges Videospiel. Trejo und Hobo fahren die klassische Schiene und verzichten auf diese Mülleffekte. Ein Riesenpluspunkt, warum ich beide Filme so schätze. Wobei es auch bei Hobo einen in Darth-Vader-Anzug videospieltypischen Endgegner braucht. Im Gegensatz zu Rodriguez musste Eisener aber mit 1/3 des Budgets klarkommen und hat daher nicht diesen Mainstream-Mief wie „Machete“ und thank GOD keine nervenden Latina-Weibsen. Dennoch wirkt „Hobo“ sehr professionell. Dies wird eher in den ruhigeren Momenten klar. Eisener besinnt sich jedoch nicht auf solche, sondern auf Gewaltausbrüche a´la Bonheur. Reines Partysplatterkino mit ultracoolen Titelheld und klischeebehafteten Nebendarstellern.
Mehr ist „Hobo“ leider auch nicht und das ist an manchen Stellen echt schade. Die einzige Verbindung zwischen Hobo und der mehr-oder-minder Professionellen-Partnerin liegt in einer Bären-Metapher und einem zweifelhaften Zusammengehörigkeitsgefühl. So hat der Film auch echt starke Momente, ohne Fontänen zu zünden. Hobo´s Monolog vor den Brutkästen, gilt für mich als heimliches Highlight, welches in ähnlicher Form ruhig öfter als „Absacker“ zwischen den minutenlangen Gewaltorgien gepasst hätte oder als mentale Vorbereitung auf die nächste Schlacht. Die schauspielerische Klasse besitzt Hauer ja zweifellos. Die Musik ist spitze (besonders im Intro), die Effekte sind nett und die abgedrehten Momente sorgen für Stimmung. So kann man aber nicht leugnen, dass nicht selten der bitter-widerliche Troma-Eindruck entsteht. Eisener wollte einen Fanfilm drehen, der mit einer straffen Laufzeit und ordentlich Gewaltausbrüchen dient. Aber Ansätze sind zu erkennen, in denen es besser und auch mal ruhiger ablaufen könnte. Der Film vergeudet sein ganzes Pulver in Nonstop-Blutsalven über 70 Minuten, sodass der Showdown nicht mehr restlos überzeugen kann. Tabubrüche und Härtegrade werden zu früh gesprengt. Schade...
Fazit: So wird aus „Hobo with a Shotgun“ ein Independent-Knaller mit Kultpotenzial, welcher in Deutschland sicher einen schweren Stand genießen wird. Auch was die Synchro angeht, kann einem wohl schon im Vorfeld übel werden. Dennoch liebe ich diesen kranken kompromisslosen fies-dreckigen Film irgendwie. Einfach weil man durch Jason Statham und anderen Konsorten so weichgespült wurde, dass man einfach mal wieder eine Schocktherapie braucht. „Hobo with a Shotgun“ wird unterm Weihnachtsbaum bei Action- und Splatterfans für Freudentränen sorgen. Politisch unkorrekt, moralisch nicht vertretbar und absolut geschmacklos! Ich liebe es und seit gewahrt, Hobo ballert euch den ganzen Weihnachtsstress der letzten Tage sicher von der Seele.
Und da bald Silvester ist, mein Sequelwunsch für 2012:
„Hobo with 2 Shotguns“
- gimme´ that!