Oh weh, als ich das Intro sah und die widerliche 80er Jahre-Musik im Hintergrund dudelte, wusste ich, dass hier irgendetwas "grindiges" oder comichaftes auf mich zu kommen wird. Was mir noch nie so wirklich zugesagt hat, aber im Ganzen gesehen war es dann doch nicht so schlimm wie vermutet.
"Hobo" ist nicht der Name von Rutger Hauer, sondern die Berufsbezeichnung. Hauer spielt in diesem Streifen nämlichen einen namenlosen Landstreicher, der illegal per Zug reist und in einer ihm unbekannten Stadt ankommt, in der Obermotherfucker Drake (Brian Downey) und seine beiden Söhne das Sagen über die gesamte Stadt haben. Drogen, Mord, Prostitution stehen auf der Tagesordnung und die Polizei steckt natürlich auch mit drin - schließlich wird sie mitfinanziert von Drake dem Guru.
Also die Stadt bietet die ganze Palette an krimineller Energie, die ein Film dieser Gattung scheinbar braucht. "Hobo" will sich nur einen Rasenmäher kaufen(!), greift jedoch Kriminelle an und sorgt ab sofort mit seiner neu erworbenen Schrotflinte für Gerechtigkeit auf den Straßen...
Ich hab den Hype ja einigermaßen mitbekommen. Alle Jahre wieder erblickt ein Film die Welt, bei dem sich alle gegenseitig die Hände schütteln und während des Ansehens abspritzen. Fast bei all diesen gehypten Dingern stand ich meistens alleine mit meiner Meinung da, und wusste nicht, was ich von dem Film halten sollte. Der Unterhaltungswert war in sehr vielen Fällen gering und von der Chance der Zweit- oder Drittsichtung will ich erst gar nicht reden. "Hobo with a Shotgun" bildet da keine Ausnahme.
Es ist kein schlechter Film geworden,
eine ziemlich eindimensionale Geschichte vom einsamen Rächer der sich mit der ganzen Unterwelt anlegt wird in einem beinahe schon surrealen Ambiente gespielt, in einer Art Parallelwelt. Vom Alltagsleben wirkt nichts wirklich real. Was den Film dann etwas abhebt sind die schrägen Tötungsarten aller Art (da muss ich den Machern wirklich Respekt zollen), gepaart mit deftigen Splatter und tonnenweise Blutfontänen, die natürlich alles andere als echt und in dieser Form eher nach Comic-Verfilmung aussehen. Hier und da kann man auch sagen, dass mal eine Grenze des "Guten Geschmacks" überschritten wird, aber mit einem Augenzwinkern ist dies leicht verdaulich. Trotzdem dürften Sittenwächter arge Probleme damit bekommen, aber das ist ja nicht unser Problem.
Trotzdem wirkt alles zweckmäßig und äußerst flach, "Hobo" hat mich nicht aus dem Hocker gehauen und mich auch nicht in den Bann gezogen. Selten gibt es Szenen, die richtig Tiefgang haben (sehr stark: Der Monolog von Hauer im Krankenhaus vor den Babies) oder Spannung erzeugen (im Schlussdrittel kommen noch zwei Terminator-ähnliche Wesen zum Schuss, fragt mich nicht was das soll, aber die beiden sind gut!).
Man kann schon sagen, dass Rutger Hauer mit seiner Leistung und den coolen, zynischen Sprüchen den Film rettet, denn neben ihm stechen eigentlich nur die beiden Söhne noch hervor, die dem Bösen etwas Diabolisches geben. Drake ansich wirkt als Boss over the top und einfach nur lachhaft (im "Schlümpfe"-Film hätte er etwas reißen können, hier aber nicht).
Also, viele bekommen das, was sie wollen, etwas Grindhouse in einer typisch flachen Story gepaart mit positiven Zutaten (Tötungsarten, einige ausgeflippte Charaktere), neutralen Zutaten (der Splatter, ist in meinen Augen zu viel des Guten und wirkt banal) und auch negativen Zutaten (kein Tiefgang, spannungsarm und das ganze Treiben ist mir doch etwas zu Banane ausgefallen), was mir fünf Punkte wert ist. Ein Einmaliges Ansehen hat mir nicht wehgetan, ich wüsste jetzt jedoch auch keinen Grund warum ich mir "Hobo with a Shotgun" nochmals anschauen sollte.
Das dürfte aber jeder anders sehen, Fanboys sollen natürlich zugreifen und Mainstreamer sollten vorher erstmal den Trailer schauen, ob ihnen dieser Film zusagt. "Hobo" ist schon ein außergewöhnlicher Film geworden, doch nicht immer bedeutet außergewöhnlich = gut.
5/10