Star-Power lockt natürlich immer Zuschauer an und wenn Namen wie Al Pacino, Ray Liotta, Juliette Binoche und Katie Holmes in einem Atemzug fallen, sind die Erwartungen entsprechend hoch gesteckt. Dass die Sache dennoch nicht so recht zündet, liegt an der zu dünnen Story, dem undurchdachten Skript und der phasenweise behäbigen Erzählweise.
Sechzehn Jahre lang hatte NYPD-Cop Jonathan `Milk´ White (Channing Tatum) versucht, mit einem einschneidenden Vorfall in seiner Kindheit abzuschließen, als er aufgrund der Verkettung unglücklicher Umstände zwei Junkies tötete.
Zurück im Distrikt seiner ehemaligen Nachbarschaft erhält er anonyme Drohbriefe, obgleich seinerzeit Cop Stanford (Al Pacino) für einen abgeschlossenen Fall ohne Täter sorgte…
Da die Handlung 2002 spielt, ist 9/11 natürlich noch recht frisch und die politischen Untertöne sind deutlich spürbar. Allerdings führt dieser Einfluss am Ende zu keiner Essenz, da dieser Aspekt im Verlauf immer mehr vernachlässigt wird, wie einige andere auch.
Flashbacks mit den Geschehnissen von 1986 wechseln sich alle paar Minuten ab und Stück für Stück erfährt der Betrachter, was sich seinerzeit ereignete, ohne zu veranschaulichen, wie die Vertuschung der beiden Fälle über die Bühne ging.
Auch die Entwicklung von Milk erscheint etwas übers Knie gebrochen, denn aus dem fürsorglichen Familienvater mit fünfjähriger Tochter wird plötzlich der in sich gekehrte Geheimniskrämer, der seine Lieben vernachlässigt, obgleich es keinerlei Beweise für die damalige Tat gibt, auch wenn die Briefe an eine Journalistin (Binoche) und ein Anruf bei seiner Frau (Holmes) Anlass zur leichten Beunruhigung geben.
Dabei blieben Milk andere Möglichkeiten, als sich wie ein verprügelter Hund von allen Seiten dirigieren zu lassen, anstatt die Zügel selber in die Hand zu nehmen.
Der dünne Plot kommt dabei nur schwer in die Gänge, reichert das Geschehen mit unwesentlichen Szenen an und nimmt zu viele Nebenhandlungsstränge auf, die er selten konsequent verfolgt. Dass dabei kaum Action zu vermelden ist und sich auf weiter Flur Bewegungsarmut breit macht, ist dabei fast schon zu vernachlässigen, denn Regisseur Dito Montiel versucht Suspense durch das Zusammenspiel der Charaktere zu schüren, was allerdings mit den Leistungen der Darsteller steht und fällt.
Ein Pacino, der insgesamt nur wenige Szenen hat, muss einfach nur präsent sein, um mit seinem Charisma jedem weiteren Mitspieler die Show zu stehlen, nur Liotta kann ihm in Ansätzen das Wasser reichen, obwohl er reichlich aufgedunsen wirkt.
Eine positive Überraschung stellt Tracy Morgan dar, der den nunmehr erwachsenen Freund aus Kindertagen verkörpert, denn eine derart seriöse und gleichermaßen glaubwürdige Performance hätte man den auf Comedy abbonierten Mimen kaum zugetraut.
In der Hauptrolle kann Channing Tatum nur bedingt überzeugen, denn trotz der Figur eines gebeutelten Cops wirkt er zuweilen doch etwas zu hölzern und einfältig.
Bei Katie Holmes sorgt indes die unvorteilhafte Beleuchtung dafür, dass die eigentlich hübsche Frau gleich zehn Jahre älter aussieht, während Binoche als resolute Journalistin durchaus überzeugen kann.
In „The Son of No One“ steckt zweifelsohne Potential, doch das unausgegorene Drehbuch und die fade Inszenierung lassen nur selten Spannung zu, zumal der Verlauf des letzten Drittels aus weiter Ferne absehbar ist. Auch die letzten Einstellungen, welche noch einmal Bezug auf den Verfasser der anonymen Briefe nehmen, ergeben im Endeffekt überhaupt keinen Sinn und hinterlassen einen faden Beigeschmack bei diesem Cop-Drama, das ohnehin allenfalls leidlich unterhaltsam ausfällt.
4 von 10