Channing Tatum, Al Pacino, Ray Liotta, Katie Holmes und Juliette Binoche in einem „gritty“ Copfilm, der soziale Brennpunkte umreißt, da kann doch eigentlich nichts schief gehen, sollte man denken. Geht es dann aber doch.
Wobei Dito Montiels selbst geskriptetes Crimedrama in der ersten Hälfte noch enorm vielversprechend ist, weil man es sich nämlich peu a peu selbst erarbeiten muss, was denn nun eigentlich vorgeht, nahtlos zwischen den beiden Zeitebenen 1986 und 2002 hin- und herpendelnd.
Wie die einzelnen Schalen einer Zwiebel enthüllt jeder Zeitsprung etwas mehr von dem Geschehen anno 1986, welches wirklich in bester Tradition amerikaner Hochhaus-Ghetto-Dramen steht, komplett mit Blut, Scheiß, Dreck an den Wänden. Und Kindern mit Waffen. Und Kindern, die kurz vor der Psychiatrie stehen oder die ihr Leben genau dort hin bringt. Und einer zynischen Polizei.
In diesen Momenten ist der Film übel, ist faszinierend, ist mitreißend – auch weil die Kinderdarsteller großartig sind, irgendwo zwischen Affektgewalt und sexuellem Missbrauch.
Die „Gegenwart“ ist leider nicht ganz so faszinierend, was hauptsächlich daran liegt, dass Channing Tatum mit den komplexen Schuldtraumata und der Belastung, gegen sich selbst zu ermitteln, total überfordert ist und meistens wie ein Stück Holz mit Stielaugen (und einem furchtbaren Schnurrbart) durch die Handlung eiert.
Dass Pacino in einer Gastrolle pomadigen Dienst nach Vorschrift spielt und Liotta das Polizeiarschloch vermutlich noch unter Sedativa vor dem Morgenschiss runterkurbeln könnte (nebenbei: Katie Holmes ist furchtbar als seine Ehefrau), macht den Fall nicht kreativer.
Dabei hat der Film gute Kameraarbeit zu bieten und ein ausgezeichnetes Produktionsdesign, verliert sich aber zusehends in Episödchen, die immer wieder von langwierigen Autofahrten unterbrochen werden. Schlussendlich ist die Frage, wer denn nun mittels der Mahnbriefe die alten Todesfälle wieder ausgräbt, wirklich leicht zu beantworten, doch der Film verkneift sich meistens logisches Verhalten und führt die Figuren in einen Stand-off, bei dem keiner Recht hat und alle verlieren. Bis dahin hat man mit der Hauptfigur allerdings schon die Geduld verloren, der über Gebühr aufgebauschte Racheplot wird überdeutlich in die Länge gezogen, hängen bleibt höchstens eine ziemlich vernichtende Darstellung der New Yorker Polizei im Post-9/11-Big Apple.
Für Copfilmfans ist der Film dennoch von Interesse, führt allerdings auch den Beweis, wie wichtig ein charismatischer Hauptdarsteller für so komplexe Rollen ist. (5/10)