Es gibt schon einige Filme die nach dem Sehen nachwirken und PERFECT SENSE gehört auf jeden Fall dazu. Er spricht im wahrsten Sinne des Wortes all unsere Sinne an und ist Emotion pur. Man fühlt sich als auf all unsere Sinne angewiesener Mensch angesichts des Strudels der katastrophalen Ereignisse machtlos und wird auf das wesentliche zurückgeworfen, die Gefühle zu anderen Menschen, die äußere Umstände und sogar der Verlust von physischen Sinnen nicht wirklich verhindern können. Der Film ist voller Poesie und philosophischer Ansätze, melancholisch, ja sogar apokalyptisch und durch seine teils sehr eigene Filmsprache sicherlich für viele unvergesslich.
Hier nur ein klein wenig Info zur Story (OHNE SPOILER!) da der Film am besten ohne viel Vorabinformation funktioniert, auch die Amazon Inhaltsbeschreibung verrät m.E. schon viel zu viel: Ein Virus verbreitet sich überall auf der Erde. Zunächst erleiden die betroffenen ekstatische Gefühlsausbrüche und verlieren danach Geruchs- und Geschmackssinn. Zufällig lernen sich die Forscherin und Epidemologin Susan (Eva Green) den Chefkoch Michael (Ewan McGregor) kennen und sie verlieben sich. Doch die Krise und die Auswirkungen des Virus verschärfen sich....
In gewissen - hier nicht weiter ausgeführten - Aspekten erinnert der Film an den aktuellen CONTAGION, in anderen an DIE STADT DER BLINDEN von 2009, er vereint sozusagen die Vorteile von beiden Filmen, stellt aber mehr die Menschen und ihre Gefühle in den Mittelpunkt und nicht die Epidemie und kann auch noch mit einer Liebesstory zwischen den sehr gut agierenden Protagonisten aufwarten. PERFECT SENSE ist dort extrem gelungen wenn Menschen mit dem Verlust Ihrer Sinne konfrontiert werden. Die gewaltige Bildsprache voller Metaphern schafft es immer wieder sehr aufwühlende Szenarien zu schaffen die auch den Zuschauer schier sprachlos machen. Der Film wurde wohl auch auch nicht zufällig von Lars von Triers "Zentropa" Produktionsgesellschaft mitfinanziert.
Selten wurde bei einem Virus- oder Apokalypsedrama die emotionale Seite so betont und quasi chirurgisch seziert und behutsam, aber in der Wirkung überwältigend dargestellt. Aus diesem Grund ist der potentielle Identifikationsfaktor mit den Protagonisten hoch und intensiv bis zum packenden Finale. Dieses übertreibt die bislang fein abgestimmte Stimmung in Form einer melodramatischen Übersteigerung vielleicht ein wenig, dies ändert aber nichts an dem ansonsten sehr guten Arthousedrama, welches fast sämtliche Stereotypen üblicher Apokalypse-Filme erfolgreich ignoriert und eine eigene Filmsprache in bezug auf die Auseinandersetzung mit all unseren Sinnen schafft.
8/10 Sinnen...äh,...Punkten