"Perfect Sense" ist der neuste Streich im Untergangsszenario des menschlichen Lebens. Aber es ist diesmal kein Komet, keine Zombie-Invasion oder ein Bin Laden, der dafür verantwortlich ist, sondern die menschlichen Sinnesorgane verabschieden sich nach und nach. Erst ist der Geschmackssinn dran, danach der Geruchssinn und dann die Gehörgänge...
Was so ein Knaller wie "Children of Men" werden könnte, entpuppt sich als extreme Light-Version davon, und wenn man genauer hinsieht, liegt das Hauptaugenmerk nicht auf dem Untergang selbst, sondern auf der Liebesbeziehung des Chefkochs Michael (Ewan McGregor) und die (wie passend) Epidemiologin Susan (Eva Green). Was die restliche Menschheit angeht, sieht man nur schemenhaft in den TV-Nachrichten oder selten auf der Straße und man beschränkt sich desweiteren auf Charaktere im Umfeld der beiden Liebenden.
Die Idee mit den Sinnesorganen ist nicht schlecht, auch wenn sie schon so ähnlich (nur fünfhundert mal intensiver) in "Johnny zieht in den Krieg" rübergebracht wurde, doch in der Umsetzung bzw. Charakterwahl hapert es. McGregor´s Michael ist vor der Epidimie ein Womanizer, One-Night-Stand-Experte und scheißt ´nen dicken Haufen auf Beziehungen und Gefühle anderer Menschen. Ich kann mit diesem Charakter nicht mitfühlen, mitleiden und schon gar nicht seine Liebe abkaufen. Die fühlt sich selbstzweckhaftmäßig an nach dem Motto: In einer schweren Zeit mit dieser "Krankheit" will ich schon nicht alleine leben/sterben. Da muss ich mir eben eine Frau aussuchen, die in meiner Handicap-Liga spielt. Und genauso steht und fällt auch die Beziehung durch die ganze Handlung, je nachdem wer am längeren Hebel sitzt. Also eben ganz Michael-like: Ein Egomane wie er im Buche steht.
Dadurch kippt (für mich) die Stimmung gänzlich und ich sehe es nicht ein, dass ein ansich tiefgründiger Film, der den Zuschauer zwangsläufig auch mit den Fragen konfrontiert, wie stark man selber in dieser Situation wäre, wie man handeln würde. (Weiterleben? Oder doch der selbstgesetzte Kopfschuss?) von solch einem missglückten Liebespaar getragen wird.
Die meisten von uns würden sich dem Schicksal fügen (Das Leben geht weiter), Dinge, die vorher wichtig und lebensnotwendig waren, verlieren ihre Bedeutung und spielen keine Rolle mehr. Natürlich will David Mackenzie mit "Perfect Sense" neben den aufkommenden Fragen auch erreichen, dass wir eigentlich alle mit unserem Leben glücklich sein sollen und wie gut es uns geht, wobei wir ja mittlerweile so eine richtige Jammerlappen-Gesellschaft geworden sind (Scheiß Politiker, Scheiß Arbeit, Scheiß Steuern usw). Ganz ehrlich: Ich brauche dafür den Film nicht.
Dass ich (mal wieder) mit meiner Meinung auf weiter Flur ganz alleine stehe, sehe ich an den vorhandenen Punktebewertungen und sehe sinnblildlich die Leute zuhause beim Abspann in ihren Birkenstock aufstehend vor Begeisterung klatschen - auch noch lange, nachdem der Bildschirm schon schwarz ist.
In "Perfect Sense" ist der Ansatz gut gewählt, eine Epidemie die die Menschheit nicht einfach nur dahinrafft sondern vor existenzielle Hürden stellt, mehr jedoch nicht. Das Liebespaar ist schlecht ausgewählt und meine Bewertung fällt zusätzlich, da sich der Film wie eine Schlaftablette zieht. Drama hin, Drama her, mich hat der Film weitestgehend kalt gelassen. Da schau ich mir lieber "Wenn der Wind weht" an, wenn ich einem Liebespaar beim Untergang zuschauen will (auch wenn es nur ein Animations-Film ist) und wem denn die Sache mit den Gefühlen neu ist, sollte mal "Johnny got his gun" konsumieren.
"Perfect Sense" kann man schauen, aber vorher bitte eine Kanne Kaffee kochen. Einschlafgefahr!
4/10