"Ganz schön frech von dir von Vergebung zu sprechen."
Die Familie Conlon ist vollkommen zerstritten. Die Söhne Tommy (Tom Hardy) und Brendan (Joel Edgerton) gingen nach Jahren der Tyrannei ihres alkoholkranken Vaters Paddy (Nick Nolte) eigene Wege. Nach Jahren im Militärdienst kehrt Tommy aber dennoch zurück zu seinem nunmehr über längere Zeit trockenen Vater. Trotz immer noch vorhandener Vorwürfe zieht Tommy seinen Vater als Trainer in Betracht, um an einem Mixed Martial Arts Turnier teilzunehmen.
Brendan versinkt zeitgleich unter einem Berg aus Schulden. Der Physiklehrer schafft es trotz eines Zweitjobs und seiner Frau Tess (Jennifer Morrison) nicht, die Schulden der Hypothek ihres Heims abzubauen, da auch noch Arztkosten für ihre jüngste Tochter fällig werden. Der einstige Kämpfer entscheidet sich am gleichen Turnier wie Tommy teilzunehmen.
Nach Jahren treffen sich die beiden Brüder dort zum ersten Mal wieder. Brendan versucht Kontakt zu Tommy herzustellen, dieser hat aber nur abfällige Bemerkungen für ihn übrig und ist einzig am Gewinn des Turniers interessiert.
"Warrior" ist durch und durch ein amerikanischer Film. Die Zeichnung der amerikanischen Gesellschaft, ihrer Befindlichkeit, ihrer ausgeprägten familiären Werte, des Krieges und des Showbusiness werden von dem Sportlerdrama stolz aber dennoch ganz ohne Selbstbeweihräucherung inszeniert.
In dieser Umgebung wirkt die Geschichte um zwei konträre Brüder sowie die Einbindung von Mixed Martial Arts Kämpfen unverbraucht. So ganz miteinander harmonieren wollen diese beiden Komponenten aber nicht.
Der Film ist, wie es auch sonst im Genre üblich ist, aufgeteilt in einen Charaktere beschreibenden und einen actionorientierteren Teil. Überraschungen gibt es dabei keine. So ist von Beginn an klar, dass sich der Konflikt der beiden Brüder final im Ring klären wird.
Die erste Filmhälfte vermag aufgrund greifbarer Figuren und bodenständiger Motivationen zu fesseln. Sorgfältig und emotional werden die Charaktere und ihre völligst unterschiedlichen Probleme eingeführt, was auch zu ein paar Längen führt.
Nach der ersten Stunde hat "Warrior" ein anderes Problem. Während der Anteil der sportlichen Komponente ansteigt, setzt das Drama seine Figuren plötzlich in den Hintergrund und spielt weniger mit ihnen, reißt stattdessen Nebenplots auf, die absolut nicht in das Gesamtbild passen. Dies gilt auch für den Schlussakt, der überschwänglich pathetisch dargestellt wird.
Die Kämpfe laufen schnell ab, man merkt, dass sie lediglich die Handlung vorantreiben sollen. Anders als bei dem vergleichbaren Film "The Fighter" sind die Kämpfe wuchtiger inszeniert, hätten jedoch etwas mehr Härte vertragen können.
Auch die nicht immer passende Kameraführung vermittelt während den actionreicheren Szenen nur selten ein starkes Mittendrin-Gefühl. Erst gegen Ende reizt "Warrior" seine Möglichkeiten wirklich aus und zeigt den Konflikt der beiden Brüder in offensiver körperlicher und seelischer Form.
Die Darsteller sind durchweg gut besetzt, kommen aber teilweise ein wenig kurz. Joel Edgerton ("The Thing") agiert in seiner defensiven Rolle eher schlicht. Sein Gegenpol Tom Hardy ("Inception", "Star Trek: Nemesis") nimmt dafür eine Menge Raum ein. Einerseits durch seine körperliche Physis, andererseits seine vielseitige Mimik.
Der mittlerweile in die Jahre gekommene Nick Nolte ("Freeze - Alptraum Nachtwache") kommt mit seinem markanten, verlebten Gesicht in der Rolle des, mit der Vergangenheit ringenden, Vaters leider etwas zu kurz.
"Warrior" startet vielversprechend, aber manövriert seine Figuren letztlich ein wenig unglücklich zu ihrem unausweichlichen Finale. Die Verschmelzung der persönlichen Geschichten mit dem folgenden, wüsten Spektakel gelingt einfach nicht so recht, trotz der glaubhaften Darstellung. Die schnellen, actionreicheren Szenen sind wuchtig, man vermisst aber dennoch ein paar intensivere Momente. Erst zum Schluss fügt das Sportlerdrama diese hinzu, lässt das Publikum am Ende aber etwas unzufrieden gestellt zurück. Der Film hat enorm emotionale Momente, spielt aber einfach zu wenig mit den Möglichkeiten, die er hätte.
6 / 10