"Die Frage ist: Warum wollten die unbedingt ihren Platz haben?"
Dr. Martin Harris (Liam Neeson), der mit seiner Frau Elizabeth (January Jones) in Berlin zu einer wissenschaftlichen Tagung eintrifft, vergisst am Flughafen einen Koffer und stellt dies erst beim einchecken in das Hotel fest. Die Fahrt zurück mit einem Taxi endet in einem Unfall. Als Martin nach einem mehrtägigem Koma in einem Krankenhaus erwacht, fällt es ihm schwer sich an länger vergangene Dinge zu erinnern. Übereifrig verlässt er das Krankenhaus um seine Frau im Hotel aufzusuchen. Zu seiner Überraschung behauptet diese ihn nicht zu kennen und präsentiert einen anderen Mann (Aidan Quinn) an ihrer Seite, der sich als Martin Harris ausweist. Verunsichert verlässt er das Hotel und begibt sich auf die Suche nach der Taxifahrerin Gina (Diane Kruger), die den Unfall bestätigen kann. Sie und der ehemalige Stasiagent Ernst Jürgen (Bruno Ganz) helfen ihm auf der Suche nach seiner wahren Identität.
“Unknown Identity” wird gerne mit “96 Hours” verglichen, dabei könnten die Filme unterschiedlicher kaum sein. Während der Überraschungsactioner “96 Hours” eine logikfreie Spannung aufbaut und sich mit zunehmender Laufzeit nicht vor brachialen Szenen scheut, plätschert “Unknown Identity” durchgehend subtil vor sich hin und verläuft sich irgendwo zwischen Hitchcock Klassikern und der "Bourne"-Reihe.
Nur zu Beginn und zum Schluss verlässt der Agenten-Thriller seine eingefahrene Spur. Dazwischen tritt “Unknown Identity” häufig auf der Stelle. Das Verwirrspiel ist zumindest in der wichtigsten Hinsicht schon recht früh aufgelöst und legt später nur durch die Erweiterung von Martin's Identität plausible aber wenig dramatische Elemente oben drauf.
Viel Potential verspielt sich der Film durch hinreichend bekannte und konventionelle Elemente. Neben der sehr konstruierten Handlung sind dies oberflächlich gehaltene Figuren und wenig einfallsreiche sowie rar gesäte Actionszenen. Hinzu kommen unfreiwillig komische Situationen durch die wagemutige Einführung von nebensächlichen Figuren.
Berlin erweist sich als vorteilhafte und glaubwürdige Kulisse. “Unknown Identity” präsentiert die Hauptstadt im winterlichen Gewand und offenbart schöne Aufnahmen, die besonders Kundige schnell wiedererkennen dürften. So finden sich die Siegessäule, der Hauptbahnhof und weitere bekannte Gebäude der Innenstadt.
Weniger glaubhaft sind die arg künstlichen Effekte bei Explosionen und Feuer. Obwohl der sich zu Beginn ereignende, wuchtig inszenierte Unfall zu den Höhen des Films gehört, erweist sich die Verschlimmbesserung durch digital eingefügte Gesteinsbrocken als störend und leicht zu enttarnen. Ohnehin haben die Actionszenen Probleme dem gemächlichen Tempo des Films auszubrechen und mehr als die gewohnten Genremuster zu bieten.
Mit namhafter Besetzung kann “Unknown Identity” glänzen, jedoch wird das gehobene Potential nur aus den wenigsten Darstellern herausgeholt. Genau genommen nur aus Liam Neeson ("Schindlers Liste", "After.Life") und Bruno Ganz ("Der Untergang", "Der Baader Meinhof Komplex"), wobei letzterer mangels Sichtbarkeit kaum Gelegenheit erhält Akzente zu setzen. Verschwenderisch geht der Film mit Sebastian Koch ("Black Book"), Frank Langella ("Frost/Nixon") sowie Stipe Erceg ("Die fetten Jahre sind vorbei") in belanglosen Nebenrollen um, während sich Diane Kruger ("Troja", "Vermächtnis"-Reihe) und January Jones ("X-Men: Erste Entscheidung") kaum behaupten können.
Das Drehbuch ist es, was “Unknown Identity” einen Strich durch die Rechnung macht. Langwierig und ohne Steigerung des Tempos verläuft der Großteil der Laufzeit. Der Plottwist, auf dem die Priorität liegt, wird schnell klar und die weiteren noch eingefügten Wendungen enthalten nur wenig emotionales Potential, ebensowenig wie die stereotypischen Figuren. Zu konventionell sind die nur wenigen Actionszenen, die durch arg künstlich wirkende Effekte schnell verpuffen. Der Agenten-Thriller kann nur mit seiner starken Kulisse, einem enorm präsenten Hauptdarsteller sowie einem gehobenerem Niveau zu Beginn und gegebenenfalls zum Schluss punkten.
4 / 10