Review

Nach einigen Ausflügen in andere, mit mehr oder weniger Erfolg und Aufsehen bediente Gattungen die erwartete und auch erwartbare Rückkehr der Brüder Oxide und Danny Pang in das Metier, dass sie erst bekannt und auch über die Landesgrenzen hinaus gewissermaßen ausgewiesen gemacht hat. Selbst im Titel und auch in der Behandlung, wenn auch nicht der Geschichte selber erfolgt eine Rückkehr zu der bisherigen The Eye Trilogie, die von 2002 begonnen bis 2005 ihre zwar unterschiedlich weiten Kreise in der Filmlandschaft zogen, aber gerade mit dem ersten Teil unablässige Fußspuren für das gesamte Jahrzehnt hinterließen.

Selbst wenn japanische Regisseure die Vorreiter waren und auch koreanisches Kino ihre Vertreter in dem Subgenre mit den schwarzhaarigen Mädchen aus dem Nichts einbrechend in die nur ehemals heile Welt vorweisen konnte, so mussten sich die nachfolgenden Varianten unaufhörlich mit dem ersten einschneidenden Schnitt vergleichen und dort oft den Nachteil des Bekanntheitsgrades und/oder der qualitativen niederen Rezeption gefallen lassen. Auch Child's Eye, der erste in 3D gedrehte kantonesische Horror, wird weder an dem seitdem doch etwas gelittenen Ruf der Pangs noch an dem momentan in HK sowieso toten Genre ändern, nicht annähernd eine Renaissance übernatürlicher Mächte sein. Gestaltet man sich doch als zu sichere, zu wiederholbare und eigentlich auch in gewissen Maße schlicht monotone Umkehr zu vielleicht längst Bewährtem, aber deswegen sicherlich nicht mehr automatisch Willkommenen und auch nicht durch stereoscopic film-making Aufregendem:

November 2008 machen die beiden Pärchen Rainie [ Rainie Yang ] und Lok (Shawn Yue), und Ciwi [ Ciwi Lam ] und Hei [ Izz Xu ] sowie die Geschwister Ling [ Elanne Kwong ] und Rex [ Rex Ho ] Urlaub in Bangkok, Thailand. Kurz vor Ende ihres Trips werden sie von den Rücktrittsforderungen der Regierung und entsprechenden Demonstrationen des wütenden Volkes überrascht; da auch der Flugbetrieb ausgesetzt ist, müssen sie wohl oder übel im von vornherein schäbig heruntergekommenen "Chong Tai Luah" Hotel Zuflucht suchen, wo besonders der Koch und Besitzer Chuen [ Gordon Lam ] nur wenig vertrauenswürdigen Eindruck erweckt. Mysteriöse Erscheinungen aller Beteiligten und das plötzliche Verschwinden der drei Männer verunsichert die nunmehr empfindlich dezimierte Gruppe weiter.

Der einzige und vielleicht auch entscheidende Vorteil, der nur kurz in der Prämisse und nach etwas Ankündigung und einer größeren, wohl auch aufwändigsten Szene des ganzen Filmes betrieben, dann aber so gut wie gar nicht mehr genutzt wird, ist die Anpassung des Geschehens an aktuelle Umstände. Die politischen und sozialen Unruhen in Thailand im Zusammenhang mit dem Thaksin - Regime werden erst nur durch aufgepeitschte Nachrichten im Fernsehen, Mitteilungen des Taxifahrers und dem Alibi für den Umzug in einen anderen Ort erwähnt; stellen im Grunde genommen auch keinen weiteren Bewand als eben der Ausrede für den notstandsmäßig verlängerten Aufenthalt dar, kulminieren allerdings in einer überraschend kräftigen und im Grunde auch unerwartet verschwenderischen, da eigentlich sogar für den weiteren Verlauf unnötigen und so streichbaren Sequenz in einem furiosen Strassenaufstand. Demonstranten, die sich bewaffnen und gegen abwehrbereite Polizeitruppen aufmarschieren, Molotovcocktails durch die aufgeheizte, von brennenden Autos und deren Zerstörung geschwängerte Luft fliegen und mit Beschuss von Tränengas seitens der Obrigkeit beantwortet werden.

Dieser Effekt zwischen Gegenwart und zeitgenössischer Präsenz, seine verlockende Einladung auf Modernisierung und dort positive Begleiterscheinung halt lange nach, länger jedenfalls als die sonstige übliche Spukgeschichte, die sich bis auf einen ganz kurzen Zwischenschnitt in das Krankenhaus sowieso nur im Hotel, dass diesen Namen spottet, und seinen diversen Räumen langweiliger Architektur aufhält. Zimmer, Empfang, Wäscherei und Küche, durch mehr wird in dieser Geduldsprobe nicht gewandert, es sei denn, man zählt diverse Halluzinationen und andere unerklärte Zwischenreiche wie ein diesiges, dampfendes Kellergewölbe und später gar eine Re-Cycle gleiche Traumwelt hinzu. Kopiert, reproduziert oder zumindest inspiriert bzw. wird man auch in der Geschichte selber, erinnert vieles in der Behandlung und besonders der inszenatorischen Gestaltung an die vielleicht nicht gleich unsäglichen, aber oft schlicht und schlecht Versatzstücke kopierenden Kameraden der jüngeren Vergangenheit. Traditionsgemäß ist die Idylle Kurz, wird die Farbgebung erst langsam, dann deutlich verändert, aus Natürlichkeit zu einem Gemisch von Braun, Grau, und Schwarz, dass schon die Tristesse ankündigt, bis hin zu dem gewohnten Grünfilter als Ambivalenz des Okkulten. Letztlich das Versteck aus Licht und Schatten.

Handwerklich ist das erwartungsgemäß sicher, schauspielerisch gerade von der in der Mittelpunkt rückenden Rainie Yang sogar auch gebührend, musikalisch zusätzlich noch animierend getätigt. Für einen Kurzfilm als Teil einer Anthologie, also wie zu den damals noch thailändischen Anfängen der beiden seitdem doch und verglichen mit anderen Artgenossen seitdem schon in der Rangordnung aufgestiegenen Regisseure, mag zumindest die erste Hälfte dieser Geisterschau noch ausreichend sein. Für mehr in der Laufzeit und auch mehr Abschottung zu der der [eh wenigen und nur auf chinesischer Seite und dort eigentlich zensurbedingt geschwächt vorhandenen] Konkurrenz reichen die Einfälle um Obsession und Possession und auch die zwischenzeitlich aufkommende Aura von Isolation und Illusion allerdings nicht. Gehört man jetzt quasi selber zu den uninspirierten Trittbrettfahrern, die mit ein wenig bewegenden Gegenständen, plötzlichen Kreischern auf der Tonspur und ansonsten nur andauernden Gängen in lichtscheuer Umgebung schon die Klaviatur des Schreckens zu spielen versuchen.

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