Als Tom Gerhardt im Jahre 1994 zum ersten Mal, mit "Voll Normaaal", die Kinoleinwände unsicher machte, sah man das Abendland in großer Gefahr. Deutscher Assi-Proll-Humor der brachialsten Sorte auf Zelluloid gebannt, welcher wirklich alle Regeln des guten Geschmacks missachtet und einen Anarcho-Gag nach dem Anderen fabriziert, dass kann doch nur peinlich sein. Und so spalteten sich zwei Lager auf. Die Einen, denen das vollkommen egal war und die sich über so viel blühenden Oberschwachsinn nur so wegschmeißen konnten. Die Anderen, welche einfach nur peinlich berührt und mit hochroten Kopf das Kino verliessen. Nein, Tommie und Mario sind nicht jedermanns Sache, auch wenn 1997 der, in meinem Augen wesentlich dürftigere, Nachfolger "Ballermann 6" mit einem Millionenpublikum wohl doch irgendwie den "Geschmack" der Masse traf. Nun, 13 Jahre später, will es der sichtlich in die Jahre gekommene Gerhardt nun doch noch einmal wissen und lässt seine beiden Spackos erneut auf das Kino los. Doch können die Obervollpfosten heute noch das Publikum anziehen? Sicher nicht, wenngleich "Die Superbullen" 100% zu den Vorgängern passt.
Denn wie es sich gehört, gibt es auch bei den Superbullen nichts, aber auch wirklich gar nichts anderes zu sehen, als einen unerhörten Proll-Brachial-Kalauer nach dem Anderen. Die Story ist dabei nicht der Rede wert, wenngleich sie mit ihrer Blödheit eigentlich exakt auf die Figuren und die Gags zugeschnitten ist. Hier nun ist es also möglich, dass zwei Hirnamöben wie Tommie und Mario Polizisten werden und dabei natürlich für blankes Chaos sorgen. Irgendwann geht das ihrem Chef dann aber doch zu weit und sie werden zum Fahrraddienst runterkommandiert. Doch als das Maskottchen ihres geliebten Fußballvereins 1. FC Köln gestohlen wird, sehen sie ihre große Chance, bei ihrem Vorgesetzten wieder zu punkten. Eine völlig abgefahrene Jagd nach dem Tier beginnt... Und das diese natürlich im blanken Unsinn und völliger Zerstörung aller menschlicher Scharm und Würde endet, versteht sich dabei von selbst. Hier auch nur den geringsten Funken von Sinn und Verstand zu suchen gleicht der Suche nach einer Nadel im Heuhaufen. Man muss sich einfach auf 90 Minuten pursten Schwachsinn einlassen, damit man dem Film wenigstens eine geringe Chance geben kann. Wenn man das nicht kann, ist man hier definitiv falsch.
Und das machen Gerhardt und die Macher ihrem Publikum auch schon nach ca. 10 Minuten klar, wenn Tommie einen "Gesetzesbrecher" mal eben von oben bis unten vollkotzt, natürlich aus versehen. Es wird nicht lange gefackelt, sondern das Brachialo-Gagfeuerwerk abgefackelt, das eigentlich ein jeder Besucher hier erwarten dürfte. Wenngleich die Gags weniger darauf aus sind, sich ständig in Fäkalien oder Sexwitzchen zu suhlen, sondern es eher die Blödheit der Figuren in ihrer pursten Form ist, sowie eine Unmenge an Zerstörungen, die hier den Witz ausmachen. Fremdschämen in ihrer besten Form ist angesagt, wenn die Beiden selbst die größte Scheisse anstellen, nur um letztendlich dennoch völlig ungeschoren aus der Sache heraus zu kommen. Hier wird kein dummer Zeigefinger hochgefahren oder Blödheit mit Strafe bezahlt, nein hier regiert die Blödheit und das nicht nur in Form von Tommie und Mario, sondern auch in Form von allen anderen Figuren und der Umgebung, in der sie sich befinden.
Zudem wird wirklich treffsicher unter die Geschmacksgrenze gezielt. Subtiler Witz? Fehlanzeige! Da wird erst einmal gekotzt, dann werden Vorgesetzte von wilden Raubtieren zur Minna gemacht, schlechte Komiker mit dem Kopf in die Toilette gesteckt, ein Weltkulturerbe zerstört und in einem Krankenhaus geht es drunter und drüber. Sowieso gipfelt in der Krankenhausszene die Geschmacklosigkeit, wenn Tommie und Mario versehentlich für Chirurgen gehalten werden und die Beiden mit den Gedärmen von zwei Patienten ein fröhliches Rap-Furzkonzert spielen. Hier ist die Grenze des guten Geschmacks dann wirklich soweit unterschritten, dass selbst der hinterfotzigste Spiesser zugeben muss, dass man dem Film und den Jungs zwar so ziemlich alles vorwerfen kann, was man will, aber nicht das sie nicht konsequent wären.
Und genau das ist es, was den Streifen letztendlich von so manch anderem Film dieser Gattung abhebt. Zu absolut keinem Zeitpunkt versuchen Gerhardt und sein Team hier mehr zu bieten, als sie letztendlich aufzeigen. Kein verlogenes Hintertürchen, kein "wir sind anders, als es scheint", nein, Gerhardt ist Prollhumor, Tommie ist Prollhumor und "Die Superbullen" erst recht. Das dies nicht jedermanns Sache ist, ist den Machern vollkommen klar, doch sie wollen auch gar nicht über das Zielpublikum hinaus bedienen. Und wer es einfach mal Brachial mag, der wird hier bestens bedient. Und für Fans allererster Stunde gibt es zudem auch noch ein Wiedersehen mit Jupp, unserem Obermacho aus "Voll Normaaal" und Katja Flint, deren Hund natürlich wieder drauf gehen wird. Und letztendlich bleiben Tommie und Mario auch hier, trotz ihrer kompletten Blödheit, immer noch die gleichen sympathischen Loser wie eh und je, denn wirklich etwas Böses wollen die Beiden nie und kann man ihnen auch nie.
Das der Film wertungsmäßig letztendlich trotzdem nicht über Mittelmaß hinauskommt, ist der Tatsache geschuldet, dass einem das Treiben trotz allem irgendwann ein wenig auf den Zeiger geht. So sehr man das konsequente Vorgehen einerseits auch begrüßt, nach spätestens 60 Minuten ist man dann doch etwas genervt, zumal sich die Gags dann langsam auch wirklich deutlich zu wiederholen scheinen. Irgendwie fühlt sich die letzte halbe Stunde doch arg zäh an, wenn man wieder über dieses oder jenes lachen soll, was man erst vor ein paar Minuten zu Gesicht bekommen hat. Zum Anderen scheint sich mein persönlicher Humor, in den letzten Jahren, wohl doch ein wenig geändert zu haben. Zwar war mir das Gezeigte in dem Sinne nie peinlich (zumindest nicht auf persönlicher Art), doch das Ausgeschütte vor Lachen, welches ich damals, mit 12 Jahren, bei Tommies ersten Film verspürt habe, kam dieses Mal nicht vor. Viel Geschmunzel war dabei und ab und an sicher auch mal ein wirklicher Lacher. Aber so ganz scheint mir diese Art von niveaulosem Humor wohl nicht mehr zu liegen. Ob das nun Gut oder Schade ist, sei dabei mal dahingestellt.
Was die Darsteller angeht, hat Gerhardt seinen assozialen Tommie aber immer noch perfekt drauf. Auch wenn er sichtlich gealtert ist und man sich fragt, wie dieser absolute Vollidiot es überhaupt geschafft hat, so alt zu werden, Tommie ist immer noch Tommie und Tom Gerhardt stellt ihn astrein zur Schau. Genauso Hilmi Sözer als Mario, welcher zwar leicht cleverer zu sein scheint, als Tommie, letztendlich seinem Kumpel aber in nichts nachsteht, was IQ-loses Handeln angeht. Sözer war zumindest nie besser, als in seiner Rolle als Mario. Dazu Edwin Steinblock erneut als Macho-Prolet Jupp, welcher ebenfalls Spaß macht. Axel Stein jedoch nervt mal wieder bis zum Schluss und Thomas Heinze und Götz Otto sahen auch schon mal besser aus. Dann doch lieber noch Leander Hausmann als Psychiater und eben Katja Flint als traumatisierte Hundeliebhaberin. Damit kann man schon besser leben.
Fazit: Tom Gerhardts Proll-Humor geht in die dritte Filmrunde und wer schon bei "Voll Normaaal" weggebrochen ist vor lachen und auch bei "Ballermann 6" sich ordentlich auf die Schenkel geklopft hat, der wird auch bei "Die Superbullen" definitiv richtig sitzen. Noch einmal feuert Gerhardt hier eine Kanone mit Brachialhumor ab, die sich gewaschen hat und die jeden Feingeist schon nach wenigen Minuten aus dem Kino treiben dürfte. Auch wenn dem Treiben nach gut 60 Minuten dann doch die Luft ausgeht und ich erkennen musste, dass diese Art von Humor mich zumindest nicht mehr so sehr amüsiert, wie damals als ich 12 war, so muss man Gerhardt seine Konsequenz der absoluten Blödheit einfach zugestehen und das Talent seine Figuren, trotz aller Derb- und Albernheiten, nie unsympathisch werden zu lassen. Doch ein viertes Mal Tommie und Mario werde ich mir dann wohl auch nicht mehr geben...
Wertung: 5/10 Punkte