Review

Pudelmütze > Polizeihelm

Regisseur Gernot Roll ist neuerdings der deutsche Superverwurster. Nachdem er den Comichelden „Werner“ in Rente geschickt hat ist nun Tom Gerhardt´s Blödelcharakter und Kultreihe um Tommy Krause dran. Gratulation, das ist gelungen. Hier wird eine 80 Minütige Bankrotterklärung geliefert, die nur beweist der Drops ist gelutscht. Und dabei wirken Hilmi Sözer und Tom Gerhardt noch relativ fit. Nun wird von jedem runtergejolt – „Fans der ersten zwei Filme werden auch hier Spaß haben“ -

Nun ja, ich bin nun wahrlich kein Moralapostel und Spießer, immerhin bin ich Riesenfan der ersten zwei Teile und befand auch Gerhardts Reise in die Fantasiewelt mit seinem „Siegfried“ Film noch ziemlich gelungen, aber DAS hier ist nicht mehr in Worte zu fassen. Die schnelle Mark zählte hier und nichts anderes. Keine geilen Krachergags, keine Anspielungen auf das deutsche Kino (ich erinnere nur mal an die geniale Szene in Ballermann 6 als Jürgen Drews das „Boot“ trifft) – Herr Kaleun!!

Keine geilen Gaststars, ja selbst unwürdige Kreaturen wie der Wendler, Ludolfs oder Jürgen Milski hätten hier gut getan. Denn eins fehlt dem Film ganz entscheidend – Dynamik! Unheimlich verkrampft wursteln sich Sözer und Gerhardt durch die erste halbe Stunde. Keine Auflockerung, keine genialen Sprüche, einfach pure Langeweile. Und wenn die beiden dann noch ein Furzkonzert mit einem menschlichen Weißwurstdarm spielen, sehnt man sich die alten Zeiten wieder, wo Gerhardt in bester Eddie Murphy-Manier 4 Rollen spielte und die allesamt unverwechselbar. Hier schlüpfen die beiden in bester Richard Pryor-Manier selbst in Ärztekitteln. Wobei „Critical Condition“ noch viel zartfühlender und witziger war. Comedy am OP-Tisch klappt nur mit geschmacklosen Kackszenen oder blutigen Fontänen, zumindest in Deutschland.

Aber Fingerspitzengefühl kann man hier nicht erwarten, wohl aber in Hinblick auf die Vorgänger eine Party! Fehlanzeige!! Hier bekommt man lediglich Mäusetitten zu sehen, die Pudelmütze wurde eingemottet (Gerhardt mit Haaren!?) und das Niveau ist leider noch nicht so unterirdisch schlecht wie in den Vorgängern, und das ist bei einem Gerhardt-Film negativ zu bewerten, da das alles furchtbar zusammengewürfelt und lieblos daherkommt.

So besitzt der Filme keine klare Richtung. In der ersten Hälfte wird Axel Stein gequält, der im späteren Filmverlauf so gut wie garnicht auftaucht und kaum noch eine Rolle spielt. In der Mitte des Films legen sich die tumben Superbullen mit dem Kaisa an, erfreulich zumindest das Matze Knop sich selber spielt und eigentlich eine ganz gute Figur in dem Film macht. Zum Ende wird’s dann völlig abgespaced. Die beiden Idis merken das dieses angehende Roadmovie für die Füße war und wissen wo dieser Bock ist und fahren wie Werner Beinhart mit 350 Km/h durch die Republik. Alles völlig zusammengeschustert.

So sucht man schon fast händeringend einen Gag bis nach 35 Minuten unser alter Köln-Kalk-Auspuff Jupp auf der Bildfläche erscheint. Die ganzen Deja-Vu´s und Anspielungen auf die Vorgänger retten den Film vor dem Totalausfall. Katja Flint darf wieder ihr Haustier zermatschen lassen und Jupp ist wieder einmal pures Entertainment. Unsere SAT.1 Fresse Zack spielt hier einen sächsischen Tankstellenbetreiber mit Vorliebe für: (wie würde Eric Cartman sagen) Bärenspray!!! Auch „Promiluder“ und angebliche Pocher-EX Annina darf hier ihre bekleideten Melonen nach 1 Minute schon ins Bild halten. Dieser synthetische Test Dummy ist sogar auf dem Cover drauf.

„Die Superbullen“ kommen nie wirklich in Fahrt. Das verdankt der Film der wahnsinnig langweiligen Handlung und dem Fehlen sämtlicher Gags. Die Charaktere sind allesamt nicht nennenswert, von Sympathie gar Lichtjahre entfernt. Man merkt dem Film an, das 14 Jahre ins Land gegangen sind und hier völlig verlernt wurde was die Vorgänger so ausmachte. So waren „Voll normaaaal“ und „Ballermann 6“ reine Partygranaten und machten riesig Spaß. Aber das hier ist weder Fisch noch Fleisch. Klar fährt Gerhardt hier weiter konsequent die Debilo-Schiene, aber lang nicht so abenteuerlich und vorallem pervers wie in den Vorgängern. Gar brav wird hier alles zelebriert bis man nur noch kotzen möchte, vor Langeweile natürlich. Am Ende blutete mir bös das Herz, nachdem Werner nun völlig gemolken wurde, war nun also die Krause-Saga dran. Ein vierter Teil ist nach dem hier gesehenen selbst für mich wohl zu heftig.

Ich bin mir aber sicher das Hardcore-Fans, die sogar in das furchtbare Stand-Up Comedy Programm von Tom Gerhardt gehen, hier feiern. Die Letzten der Proll-Bastion werden besänftigt mit den gelungenen Anspielungen auf die Vorgängerfilme, auch ich musste spontan loslachen als ich Jupp wieder in seiner Kiste sah und die Flint sieht immernoch so wie vor 17 Jahren aus, als der ganze Spuk losging. Dennoch hab ich mich gelangweilt.

Da war sogar „Der Ausbilder-Schmidt-Film“ pure Unterhaltung im Vergleich zu dem hier. Weil dort die Charaktere liebenswert waren, einige Gags saßen und sogar die Gaststars absolut genial waren. Nicht zu vergessen die teils treffenden Sprüche, und dabei hasse ich die Figur des Holger Müller eigentlich wie die Pest. So bleibt mir noch das Fazit und diesen Schmu hier schnell zu vergessen und lieber an die Zeiten zu denken als Gianna S. alles zum schwabbeln brachte, Tommy mit dem Bierfass durchbrannte, Veronica Ferres noch keine Charakterrollen spielte und unser Nobbi die Felgen vom Jupp druff hatte. Prolllegenden mögen schlafen und in diesem Falle sterben sie auch.

Fazit: „Die Superbullen“ bieten 80 Minuten gepflegte Langeweile. Der Film erhält keine Lacher und ist selbst für Fans eine herbe Enttäuschung. So bleibt Gernot Roll unser Superverwurster. Als nächstes bitte Otto Waalkes, der sein Erbe mit jedem neuen Film schändet und ganz schnell Til Schweigers Menstruationsfilme verwursten! Danke!

So bietet „Die Superbullen“ für mich nur 3 interessante Fakten:

1.Axel Stein hat tatsächlich etwas Gewicht verloren.
2.Jupp ist weiterhin als Köln-Kalk Proll pures Gold!
3. Nic Nac´s gibt’s auch in Dosen! Muss ich beim nächsten Stop anner Tanke mal aufpassen.....

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