Review
von Leimbacher-Mario
Eine Situation, in der keiner verliert
In dem noch immer unter dem Radar fliegenden „Win Win“ erschleicht sich ein strauchelnder Kleinanwalt die Betreuung eines wohlhabenden, senilen alten Mannes. Doch als dann dessen von zuhause abgehauener Enkel vor der Tür steht, wendet sich das Schicksal und die ganze Sache in eine ungeahnte Richtung... Warum Filme wie „Win Win“ einen hoffen lassen, dass auch unter Disney Fox Searchlight (deren Unterabteilung für Indiefilme) bestehen bleibt?
Von „Juno“ über „Little Miss Sunshine“ bis zum noch recht frischen Oscargewinner „Jojo Rabbit“ hat Fox Searchlight immer ein unvergleichliches Auge bewiesen, wenn es um die Finanzierung interessanter Projekte ging. Und zwischen solchen Indiehochkarätern kann ein „Win Win“ gut und gerne mal deutlich untergehen. Trotz massiver Besetzung mit Schauspielgenies wie Tambor, Young oder Giamatti, die es wie wenige andere verstehen, Humor mit Dramatik nahtlos verlaufen zu lassen. Doch jeder der auf Umwegen doch zu diesem alles andere als trockenen Ringer-Drama kommt, wird es ganz sicher weder vergessen noch bereuen. „Win Win“ bietet unperfekte Figuren, die einem sofort ans Herz wachsen, einen sehr cleveren, unterlaufenden, authentischen Humor, eine Geschichte, die man nie klar vor sich sieht und die einen oft genug überrascht. Alles wirkt real und genau so denkbar, unkitschig und nachvollziehbar, emotional und spannend. Und einen augenzwinkernden JBJ-Soundtrack gibt’s obendrauf. Nice.
Fazit: das Ringen ums Glück. Sportfilm, Charakterstück, Indiedarling, Dramödie, Geheimtipp. Erstklassig besetzt, fast genauso gut geschrieben und voller Echtheit plus Understatement. Etwas schüchtern. Fühlt sich gut an!